Heute ist der 5.05.2026, und Schleswig-Holstein feiert ein bedeutendes Ereignis – das 80. Jubiläum der freien Wohlfahrtspflege. Ein Grund zur Freude, könnte man meinen, doch der festliche Anlass wird von düsteren Wolken überschattet. Die Wohlfahrtsverbände warnen eindringlich vor Einsparungen in der sozialen Arbeit, die nicht nur die Einrichtungen selbst, sondern vor allem die Schwächsten in unserer Gesellschaft treffen würden.

Die Realität sieht alles andere als rosig aus: Einrichtungen leiden unter massivem Kostendruck, und die Kürzungen von Bund, Land und Kommunen im sozialen Bereich sind kein Geheimnis mehr. Dabei sind es gerade die Bereiche wie Pflege, Kinder- und Jugendhilfe, Kitas, Integrationsarbeit und Hilfsangebote für Menschen in Not, die am stärksten betroffen sind. Heiko Naß, der Vorsitzende der Wohlfahrtsverbände, bringt es auf den Punkt: „Einige Einrichtungen kämpfen um ihre Existenz.“ Das sind keine leichten Worte. Es geht um Menschenleben, um Unterstützung für die, die oft alleine dastehen.

Ein Aufschrei der Betroffenen

Die Forderung nach einer Verdopplung der Landesmittel ist mehr als berechtigt. Aktuell erhalten die Wohlfahrtsverbände über den Sozialvertrag bis 2028 jährlich 2,5 Millionen Euro, was bei weitem nicht ausreicht. Michael Saitner, der Vorstand des Paritätischen in Schleswig-Holstein, hat die Zunahme der Arbeit und die Abweisung von Ratsuchenden im Blick. Die geplanten Einsparungen summieren sich laut dem Paritätischen Gesamtverband auf erschreckende 8,6 Milliarden Euro. Das betrifft nicht nur die Kinder- und Jugendhilfe, sondern auch die Betreuung von Behinderten – hier wird es geradezu dramatisch.

Besonders hart trifft es Kinder mit Beeinträchtigungen, die auf Schulbegleitungen angewiesen sind. Auch Alleinerziehende müssen um den Unterhaltsvorschuss bangen, und Jugendliche, die mit 18 Jahren die Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe verlassen, stehen vor einer ungewissen Zukunft. Heiko Naß kritisiert die Sparvorschläge scharf und fordert von der Landesregierung, sich für den Schutz der von Einsparplänen betroffenen Menschen einzusetzen. „Die Perspektive der Betroffenen wird nicht ausreichend berücksichtigt“, warnt er. Das schädigt nicht nur die soziale Infrastruktur, sondern auch den sozialen Zusammenhalt.

Ein Appell an die Verantwortung

Der Appell an die kommunalen Spitzenverbände ist klar: Ein konstruktives Miteinander zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern muss her. Einseitige Kürzungsdiktate ohne Dialog werden als der falsche Weg angesehen. Schließlich sind die Wohlfahrtsverbände bereit, konstruktiv zur Verbesserung von Angeboten beizutragen. Sie haben kostensparende Vorschläge, die jedoch in den politischen Diskussionen oft untergehen.

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Die Kampagne „Wohlfahrt: Demokratie in Aktion“ soll auf die Bedeutung der sozialen Arbeit aufmerksam machen, und das zu einem besonders kritischen Zeitpunkt: Das 80. Jubiläum und die bevorstehende Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 18. April 2027 bieten eine Bühne, um auf die Missstände hinzuweisen. Immerhin arbeiten landesweit mehr als 10.000 Mitarbeitende in diesen Verbänden. Doch die hohe Abbruchquote bei Auszubildenden in der Pflege und die große Unzufriedenheit sind alarmierend.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, und der Druck auf die sozialen Einrichtungen wird nicht weniger. Ganz im Gegenteil. Die Zeit drängt, und gerade in diesen herausfordernden Zeiten sollten wir uns fragen: Was passiert mit den Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind? Ein bisschen mehr Menschlichkeit könnte hier nicht schaden.