In Schleswig-Holstein wird die Versorgung mit Sand und Kies für Baustellen zunehmend schwierig. Abbauflächen für diese unverzichtbaren Rohstoffe werden immer knapper, und die Konkurrenz um verfügbare Flächen wächst. Olaf Timm, Betreiber mehrerer Kieswerke, hat in seinen 75 Jahren Berufserfahrung einen derart gravierenden Versorgungsengpass noch nie erlebt. Im Schnitt dauert es fünf bis sieben Jahre, um ein neues Abbaugebiet zu nutzen. Jährlich verbaut Schleswig-Holstein stolze 22 Millionen Tonnen Sand und Kies, und die Tendenz ist steigend.

An der Westküste wird überwiegend Sand abgebaut, während im Osten der Kiesanteil größer ist. Der Bauboom der Bundesregierung und zahlreiche Großbauprojekte treiben die Importe von Sand und Kies in die Höhe. Der Hafen in Büsum spielt dabei eine zunehmend wichtige Rolle für die Anlieferung dieser Rohstoffe. Doch viele Flächen sind bereits bebaut, was den Zugang zu den benötigten Materialien stark einschränkt.

Rohstoffkonkurrenz und Genehmigungsverfahren

Kieswerke müssen sich zunehmend gegen Windkraft, Solarenergie und Naturschutzgebiete behaupten, wenn es um die Vergabe von Abbauflächen geht. Die Genehmigungsverfahren für den Kiesabbau sind langwierig und oft mit vielen Auflagen verbunden. Bis zu elf Jahre können vergehen, bis ein neues Abbaugebiet genehmigt wird. Daher haben Olaf Timm und andere Betreiber den Baustoffverband Vero um Unterstützung gebeten. Der Verband fordert eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren und mehr Flächen für den Abbau.

Das Innenministerium hat die Beteiligungsverfahren für die Ausweisung neuer Flächen bereits von vier auf zwei Monate verkürzt, doch das reicht oftmals nicht aus. Rohstoffabbau auf bereits ausgewiesenen Flächen hat Vorrang vor anderen Interessen. In den letzten fünf Jahren haben sich die Preise für Sand und Kies fast verdoppelt, was auch Kommunen belasten und zu höheren Mieten führen könnte.

Nachhaltigkeit und innovative Ansätze

Auf der Baumesse in den Holstenhallen standen Themen wie Nachhaltigkeit und innovative Baustoffe im Vordergrund. Baumaßnahmen an Fakultätsblöcken haben bereits begonnen, wobei alte Materialien wiederverwendet werden, um den Rohstoffbedarf zu senken. In Bayern, wo es trotz hoher Vorkommen von Sand, Kies und Gips ebenfalls zu einem Rohstoffproblem kommt, berichten 90 Prozent der Firmen von Schwierigkeiten, an die benötigten Materialien zu gelangen. Dies verdeutlicht, dass die Problematik nicht nur Schleswig-Holstein betrifft, sondern auch andere Bundesländer vor Herausforderungen stellt.

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Die Genehmigungsverfahren für heimische Rohstoffe dauern lange und gefährden die Rohstoffversorgungssicherheit. In Bayern sind die Preise für Baukies in den letzten vier Jahren um 42,1 Prozent und für Bausand um 42,5 Prozent gestiegen. Auch hier wird der steigende Bedarf durch geplante Bauprojekte der Bundesregierung verstärkt. Josef Obermeier, Betreiber eines Kieswerks, sieht Recycling als mögliche Lösung, hat jedoch mit den langwierigen Genehmigungsprozessen für Recyclinganlagen zu kämpfen.

Der Rohstoffabbau ist ein zentrales Thema, das die Bauindustrie in Deutschland in den kommenden Jahren weiterhin beschäftigen wird. Eine ausgewogene Balance zwischen Abbau, Recycling und nachhaltiger Flächennutzung wird entscheidend sein, um den Herausforderungen, die uns die Zukunft stellt, begegnen zu können.