Heute ist der 28.04.2026 und die Lage im öffentlichen Nahverkehr in Schleswig-Holstein ist alles andere als rosig. Die SPD-Fraktion hat eine Aktuelle Stunde im Landtag beantragt, um auf die drängenden Finanzierungsprobleme im Busverkehr aufmerksam zu machen. Der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Niclas Dürbrook, lässt keinen Zweifel daran, dass die Situation „extrem ernst“ ist. Während die Kosten für den Busverkehr stetig steigen, hat das Land die Zuschüsse eingefroren. Das hat zur Folge, dass immer mehr Landkreise über Kürzungen im Busverkehr nachdenken oder diese bereits in die Tat umsetzen.
Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass der Busverkehr für viele Menschen in der Region die einzige Möglichkeit darstellt, sich im öffentlichen Nahverkehr fortzubewegen. Dürbrook fordert daher ein Ende des Einfrierens der Landesmittel für den Busverkehr. Auch der Schleswig-Holsteinische Landkreistag schließt sich dieser Forderung an und hat in einer Resolution mehr Unterstützung vom Land gefordert. Die Kommunen sehen sich zunehmend mit finanziellen Herausforderungen konfrontiert, die durch steigende Kosten im Personal- und Energiebereich sowie neue gesetzliche Anforderungen, wie den Einsatz von Elektrobusse, verschärft werden.
Gefahren für den Nahverkehr
Die Situation ist nicht nur in den Landkreisen angespannt. Auch das Land selbst plant, ab 2025 Zugverbindungen zu streichen, was die Lage im Busverkehr zusätzlich verschärfen könnte. Die stagnierenden Kommunalisierungsmittel, die für die Unterstützung der Kommunen im Busverkehr vorgesehen sind, belaufen sich auf rund 82 Millionen Euro. Diese Mittel sollten eigentlich jährlich um 1,8 Prozent steigen, doch die Realität sieht anders aus. Für 2025 sind über 83 Millionen Euro eingeplant, aber das reicht bei den aktuellen Kostensteigerungen nicht aus.
Ein Beispiel aus Stormarn zeigt die Dramatik der Situation: Die Kosten stiegen von 24 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 32 Millionen Euro im Jahr 2023. Landrat Henning Görtz (CDU) warnt bereits vor möglichen Leistungskürzungen im Busverkehr, insbesondere im ländlichen Raum, wo ganze Buslinien eingestellt werden könnten. Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) äußert sein Bedauern über die Einschnitte, die aufgrund von Geldmangel und fehlenden Bundesmitteln notwendig sind, besonders in den Nacht- und Wochenendstunden.
Finanzierungsproblematik im ÖPNV
Die Probleme im Nahverkehr sind nicht nur ein regionales Phänomen. Der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) wird von öffentlichen und privaten Partnern unterstützt. Die Finanzierung erfolgt über zwei Säulen: Ticket-Einnahmen und öffentliche Zuschüsse, die jeweils rund zur Hälfte zur Finanzierung des Systems beitragen. Die Corona-Pandemie hat jedoch zu einem Rückgang an Fahrgästen und Ticketverkäufen geführt, während die Verkehrsunternehmen weiterhin mit vollem Angebot fahren müssen.
Die jahrelangen Investitionsmängel in Bus, Bahn und Schieneninfrastruktur belasten den ÖPNV zusätzlich. Um die Verkehrswende voranzutreiben, sind Maßnahmen wie die Erneuerung von Schienen, die Beseitigung von Engpässen und der Einsatz grüner Antriebstechnologien notwendig. Die Bundesregierung hat bereits Rettungsschirme für den ÖPNV aufgespannt, um Einnahmeverluste auszugleichen, doch die Frage bleibt, wie die Finanzierung in Zukunft gesichert werden kann.
Ein gut funktionierender Nahverkehr erfordert mehr als nur den Betrieb der Verkehrsmittel. Es bedarf einer soliden Infrastruktur, geschultem Personal, modernen Antriebstechnologien und einem verzahnten Angebot. Die Herausforderungen sind also groß, und es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen in Schleswig-Holstein die richtigen Weichen stellen, bevor die Buslinien und Zugverbindungen weiter ausgedünnt werden.