Heute ist der 11.06.2026 und wir werfen einen Blick auf die bemerkenswerte Geschichte der Familie Kessler, die 2019 von Nordrhein-Westfalen nach Husum in Schleswig-Holstein zog. Der Umzug war für sie ein Schritt in eine neue Zukunft, fernab von jahrelangen Konflikten mit Schulen und Behörden, die ihre Söhne Felix (24) und Till (21) wegen ihrer Autismus-Diagnosen betrafen. Die Suche nach geeigneter Unterstützung war ein steiniger Weg, aber hier in Schleswig-Holstein erlebte die Familie endlich die passende Förderung für ihre Söhne.

Till, der ab Juli 2026 seinen ersten festen Job als Fachpraktiker für Holzverarbeitung antritt, hat eine ganz eigene Geschichte. Mit selektivem Mutismus sprach er nur mit wenigen vertrauten Personen, was die Kommunikation in der Vergangenheit oft erschwerte. Der Verdacht auf Autismus wurde bereits im Kindergarten geäußert, und die offizielle Diagnose erhielt er erst mit 11 Jahren. Die Kämpfe der Familie Kessler um Therapien und Unterstützung waren langwierig, doch die neu gewonnene Hoffnung in Schleswig-Holstein ließ sie nicht aufgeben.

Einzigartige Förderstrukturen in Schleswig-Holstein

Seit 2020 gibt es hier das Landesförderzentrum Autistisches Verhalten (LFZ-AV), eine bundesweit einmalige Einrichtung, die gezielt auf die Bedürfnisse von Menschen mit autistischem Verhalten eingeht. Die Schulen sind in Schleswig-Holstein gut aufgestellt, kümmern sich eigenständig um Anträge für Nachteilsausgleiche und die Lehrkräfte sind besser vorbereitet im Umgang mit Betroffenen und ihren Familien. Der Umgang ist entspannter, was für die Kesslers eine erholsame Abwechslung war. Autismus wird hier als eigener Förderschwerpunkt behandelt, und diese strukturierte Herangehensweise macht einen echten Unterschied.

Die Zahlen sprechen für sich: In den letzten sieben Jahren haben sich die Autismus-Diagnosen in Schleswig-Holstein verdoppelt. Für das Schuljahr 2024/25 wird prognostiziert, dass 748 Schüler an öffentlichen Schulen den Förderschwerpunkt autistisches Verhalten haben. Das zeigt, dass nicht nur die Kesslers von dieser Entwicklung profitieren, sondern viele andere Familien auch. Oft müssen Eltern jedoch lange auf eine Diagnose warten – bis zu einem Jahr kann das schon mal dauern. Barbara Kessler empfiehlt, sich an den Autismusverband für Austausch und Unterstützung zu wenden, um den Weg zu erleichtern.

Von Diagnosen zu Chancen

Till und Felix haben beide ihre Ausbildungen am Theodor-Schäfer Berufsbildungswerk (TSBW) absolviert, und das ohne den Druck, ständig produzieren zu müssen. Die Ausbildung war kammerzertifiziert und der Umgang war respektvoll und verständnisvoll. Für viele Eltern, die in ähnlichen Situationen stecken, ist es wichtig zu wissen, dass Unterstützung für Kinder mit autistischem Verhalten bereits bei auffälligem Verhalten erfolgen kann – auch ohne eine offizielle Diagnose. Das gibt vielen Familien Hoffnung und eine Perspektive.

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In Schleswig-Holstein gibt es auch eine steigende Anzahl von Diagnosen für andere Formen der Neurodivergenz bei Erwachsenen, was auf ein wachsendes Bewusstsein für diese Themen hinweist. Dennoch bleibt die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung in Schleswig-Holstein seit Jahren schlecht. Hier sind noch viele Schritte nötig, um die Integration in den Arbeitsmarkt zu verbessern.

Es gibt verschiedene Leistungen für Menschen mit Behinderungen, die beantragt werden können, darunter Eingliederungshilfe, Nachteilsausgleich und Pflegegrad. Kindergeld kann sogar für volljährige Kinder mit Behinderung über das 25. Lebensjahr hinaus gezahlt werden, wenn die Behinderung vor dem 25. Geburtstag eingetreten ist. Erwachsene mit dauerhafter Erwerbsminderung haben Anspruch auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, unabhängig vom Einkommen der Eltern. Ein Persönliches Budget kann beantragt werden, damit die Unterstützung selbst organisiert werden kann – ganz nach Bedarf!

Für Fragen zu Recht und Förderung sind die EUTB-Beratungsstellen eine gute Anlaufstelle. Diese sind kostenfrei und unabhängig. Auch die Regionalverbände des Bundesverbands autismus Deutschland e.V. stehen bereit, um Unterstützung zu bieten. Zudem gibt es ein Einrichtungsverzeichnis mit über 6.400 Adressen in Deutschland, wo Hilfe und Informationen zu finden sind. Die Reise für Familien wie die Kesslers ist nicht immer einfach, aber die Möglichkeiten und Unterstützungen sind da – und das ist ein Lichtblick in der oft grauen Realität.