In Schleswig-Holstein gibt es ein wachsendes Problem, das die Feuerwehr und ihre ehrenamtlichen Einsatzkräfte betrifft. Die Zahl der Fehlalarme ist in den letzten fünf Jahren sprunghaft angestiegen. Laut der Statistik des Landesfeuerwehrverbands hat sich die Anzahl der Fehlalarme von rund 7.200 im Jahr 2020 auf über 11.500 im Jahr 2025 erhöht. Das ist eine immense Steigerung, die auch die vielen kleinen Einsätze umfasst, die als Bagatelleinsätze klassifiziert werden. Florian Stephani, Gemeindewehrführer der Ahrensburger Feuerwehr, bestätigt diesen Trend und hebt hervor, dass immer mehr kleine Einsätze an die Feuerwehr gemeldet werden.

Fehlalarme werden häufig durch schlecht gewartete Brandmeldeanlagen oder technische Störungen verursacht. Bei der Feuerwehr Ahrensburg ist es nicht unüblich, dass die Einsatzkräfte im Durchschnitt ein bis zwei Mal pro Tag ausrücken. Und das alles ehrenamtlich! Diese engagierten Menschen sind rund um die Uhr in Bereitschaft, haben aber nebenbei ihre regulären Jobs. Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, diese Feuerwehrleute für Einsätze freizustellen, was zwar rechtlich geregelt ist, aber nicht ohne Herausforderungen bleibt. Die zunehmende Zahl an Fehl- und Bagatelleinsätzen sorgt für Frustration – sowohl bei den Einsatzkräften als auch bei den Arbeitgebern.

Frustration und volkswirtschaftlicher Schaden

Volker Arp, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbands, macht deutlich, dass die häufigen Bagatelleinsätze nicht nur die Einsatzkräfte belasten, sondern auch volkswirtschaftliche Schäden verursachen. Arbeitgeber sind zwar nicht direkt finanziell betroffen, aber die Arbeitsabläufe bleiben liegen. Man könnte fast sagen, dass es sich um einen ständigen Balanceakt handelt. Die Feuerwehr beklagt zudem, dass es immer wieder voreilige Notrufe an die 112 gibt, oft ohne dass tatsächlich ein Bedarf für Feuerwehrwissen besteht. Man hört dann von Einsätzen wie „Katze auf dem Baum“ oder „Taube im Treppenhaus“ – alles Dinge, die man vielleicht auch selbst lösen könnte.

Das Problem ist nicht nur auf Schleswig-Holstein beschränkt. In Thüringen gab es im Jahr 2023 insgesamt 6.347 Fehlalarme, was einem Anstieg um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Auch hier ist die Hauptursache die verpflichtende Ausstattung von Gebäuden mit Rauchmeldern. Der Missbrauch des Notrufs nimmt ebenfalls zu – von 190 Fällen in 2022 auf 292 in 2023. Die freiwilligen Feuerwehrleute dort leisten fast eine halbe Million Einsatzstunden und stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie ihre Kollegen im Norden.

Ein Appell an die Bürger

Die Feuerwehrverbände appellieren an die Bürger, mehr Selbsthilfe und gesunden Menschenverstand zu zeigen. Im Zweifelsfall sollte man natürlich die 112 wählen, um die Feuerwehr zu alarmieren. Dennoch wäre eine sensible Abwägung der Notwendigkeit von Einsätzen wünschenswert. Schließlich könnten die Ressourcen, die durch unnötige Einsätze gebunden werden, für echte Notfälle verloren gehen. Jeder Einsatz erfordert zudem eine Überprüfung des Fahrzeugs, was zusätzlichen Aufwand verursacht. Hier liegt ein erheblicher Druck auf den ehrenamtlichen Kräften.

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Im Südwesten Deutschlands ist die Situation ähnlich angespannt. Dort wird die Feuerwehr alle vier Minuten alarmiert, und über 23 Prozent der Einsätze sind Fehlalarme, was das Niveau des Vorjahres hält. Die Zahlen sprechen für sich: 128.385 Einsätze wurden insgesamt gezählt, wobei 21.716 Brände gelöscht wurden – ein Rekord. Aber nur ein kleiner Teil dieser Einsätze betrifft tatsächlich Brände. Die Feuerwehr rettete in diesem Jahr über 16.000 Menschen oder brachte sie in Sicherheit. Solche Zahlen verdeutlichen die Wichtigkeit der Feuerwehrarbeit, aber auch die Notwendigkeit, den Umgang mit Notrufen zu überdenken.

Bei all diesen Herausforderungen bleibt die Hoffnung, dass durch mehr Aufklärung und Sensibilisierung ein Umdenken in der Bevölkerung stattfindet. Wenn jeder Einzelne ein wenig mehr Verantwortung übernimmt, kann das nicht nur die Feuerwehr entlasten, sondern auch dazu beitragen, dass die wertvollen Ressourcen für echte Notfälle bereitstehen, wenn sie wirklich gebraucht werden.