Die Viermastbark „Passat“ ist nicht nur ein Schiff; sie ist ein lebendiges Stück Geschichte, das seit 1911 die Lübecker Gewässer ziert und die Herzen der Menschen erobert hat. Im Priwallhafen fest vertäut, erzählt sie Geschichten von Abenteuern und Seefahrtsromantik. Doch diese maritime Ikone ist in die Jahre gekommen und benötigt dringend eine umfassende Sanierung, um den drohenden Verfall abzuwenden. Der Zeitdruck ist enorm, denn ohne die notwendigen Mittel könnte die „Passat“ bald nur noch ein Schatten ihrer selbst sein.
Aktuelle Inspektionen haben ergeben, dass die „Passat“ stark marode ist. Die Unterkanten der Aufbauwände sind von Korrosion gezeichnet, die Takelage verlangt nach einer gründlichen Überholung und die Rumpfbeschichtung muss erneuert werden. Ein Gutachten hat auch Schadstoffe wie Blei, Chrom und Asbest festgestellt – alles Dinge, die nicht nur die Stabilität, sondern auch die Sicherheit des Schiffes gefährden. Zudem entspricht der Brandschutz nicht mehr den modernen Standards, was die Situation nicht gerade erleichtert.
Die finanziellen Hürden
Die Stadt Lübeck, die als Eigentümerin der „Passat“ fungiert, sieht sich aufgrund von Milliardenschulden und einem dreistelligen Haushaltsdefizit im kommenden Jahr außerstande, die benötigten Mittel bereitzustellen. Und so wird eine umfassende Sanierung, die auf etwa 25 Millionen Euro geschätzt wird, zu einer gewaltigen Herausforderung. Der Verein „Rettet die Passat e. V.“ versucht, durch Spendenkampagnen und Fördergelder die nötigen finanziellen Mittel zu sammeln. Immerhin, die jährlichen Unterhaltskosten belaufen sich bereits auf stolze 350.000 Euro.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, und die Stadt plant, die Bürger und Unterstützer aktiv in die Finanzierung einzubeziehen. Vielleicht wird es ja gelingen, das nötige Geld zusammenzubekommen, um die „Passat“ bis 2026 wieder in alter Pracht erstrahlen zu lassen. Archivar Hartmut Haase hat sich klar positioniert: „Wir müssen das Schiff für die Zukunft fit machen.“
Ein Blick auf die Vergangenheit
Die „Passat“ hat eine beeindruckende Vergangenheit. Sie wurde 1911 bei Blohm & Voss in Hamburg vom Stapel gelassen und war einer der letzten großen Frachtsegler. Mit einer Länge von 115 Metern, einer Breite von 14,40 Metern und einem Tiefgang von 7,24 Metern war sie bis 1957 auf den Weltmeeren unterwegs und umsegelt Kap Hoorn nicht weniger als 39 Mal. Das Schiff kann bis zu 86 Kadetten und 35 Mann Besatzung aufnehmen und erreicht mit einer Segelfläche von 4.100 Quadratmetern sogar Geschwindigkeiten von bis zu 18 Knoten. Das ist nicht gerade langsam, wenn man bedenkt, dass es sich um einen traditionellen Windjammer handelt!
Seit 1960 liegt die „Passat“ im Passathafen und dient mittlerweile als Museum und Veranstaltungslocation. An Bord können Besucher in die Geschichte des Schiffs eintauchen und das Leben eines Schiffsjungen anhand von Tagebucheinträgen nachvollziehen. Von April bis Oktober stehen 102 Kojen für Gäste bereit, die das maritime Flair hautnah erleben möchten. Führungen, die vom Verein angeboten werden, sind ebenfalls sehr beliebt. Für 70 Euro plus Besichtigungsentgelt kann man in Gruppen von bis zu 25 Personen die Geheimnisse der „Passat“ entdecken. Wer Interesse hat, kann sich unter fuehrungen@rettetdiepassat.de melden.
Ein kulturelles Erbe bewahren
Die „Passat“ ist mehr als nur ein Schiff; sie ist ein Wahrzeichen von Lübeck-Travemünde und ein Symbol für die Seefahrtsgeschichte der Region. Ihre Sanierung ist nicht nur eine Frage des Erhalts eines historischen Bauwerks, sondern auch der Bewahrung eines kulturellen Erbes, das Generationen von Menschen begeistert hat. Ganz ehrlich, es wäre schade, wenn dieses Stück Geschichte der Vergänglichkeit anheimfällt. Es bleibt zu hoffen, dass die nötigen finanziellen Mittel zusammenkommen und die „Passat“ bald wieder in alter Pracht erstrahlen kann.