In den letzten Jahren hat der Beruf des Bestatters eine unerwartete Renaissance erfahren – insbesondere in Schleswig-Holstein, wo immer mehr junge Menschen den Weg in diese oft als unattraktiv geltende Branche finden. Man könnte sagen, der Trend ist fast schon wie ein bisschen frischer Wind an der Küste. Vor allem die Vielfalt und die menschliche Nähe, die dieser Beruf mit sich bringt, ziehen die Generation Z an. Und das ist kein Zufall, denn laut der Handelskammer ergreifen immer mehr junge Menschen diesen Beruf, der früher nicht gerade als Traumjob galt.

Ein Blick auf die junge Bestatterin May Hansen aus Tarp zeigt, wie facettenreich dieser Beruf wirklich ist. Mit nur 23 Jahren wurde sie zur besten Bestatterin Deutschlands gekürt. Ihre Begeisterung für den Beruf ist spürbar, wenn sie über die verschiedenen Fähigkeiten spricht, die erforderlich sind – von der Gestaltung von Trauerfeiern bis hin zur psychologischen Begleitung der Angehörigen. Diese Abwechslung und die Möglichkeit, sowohl kreativ als auch handwerklich tätig zu sein, machen es für sie so spannend. Und dann gibt es da noch die Herausforderung, eine Grabrede auf Plattdeutsch zu schreiben und vorzutragen – ein echtes Kunststück!

Ein neuer Blick auf den Tod

Der 20-jährige Bjarne Schneider ist ebenfalls auf der Reise, die ihn zum Bestatter machen wird. In einem Kieler Familienbetrieb lernt er alles, was zu diesem Beruf dazugehört, von der Vorbereitung der Trauerfeiern bis zur Begleitung der Hinterbliebenen. Komischerweise wusste er bereits mit 14 Jahren, dass er diesen Weg einschlagen wollte. „Der Umgang mit dem Tod hat mir wichtige Lebenslektionen vermittelt“, sagt er und klingt dabei erstaunlich gelassen. Gemeinsam mit May und anderen jungen Bestattern lernt er, wie Empathie und Fingerfertigkeit Hand in Hand gehen.

Dass die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft im Moment so gefragt ist, zeigt sich auch in den Zahlen: Wuchs die Zahl der Azubis von 390 im Jahr 2013 auf über 800 im Jahr 2023, wird für 2025 mit fast 1000 Auszubildenden gerechnet. Ein bemerkenswerter Anstieg, der auch den Anteil weiblicher Azubis betrifft – von 45% auf 57%. Fanny Grandjean, die 21-jährige angehende Bestatterin, betont die Mischung aus Organisation, Empathie und Kreativität, die für diesen Job wichtig sind. Sie studiert sogar Sargkunde! Wer hätte gedacht, dass das so vielschichtig ist?

Kreativität und Empathie

In der Theo-Remmertz-Akademie, wo Lilly Vass ihre Ausbildung macht, lernen die Azubis nicht nur die technischen Aspekte des Berufs, sondern auch den einfühlsamen Umgang mit den Angehörigen. Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen ist hoch! Hotels in der Umgebung halten schon Zimmer für die Azubis bereit, was zeigt, wie ernst es die Akademie mit der Ausbildung nimmt. Dozentin Imke Lippert spricht von einem Wandel in der Gesellschaft – Religion spielt eine geringere Rolle, und Bestatter werden zunehmend als empathische Begleiter wahrgenommen.

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Ein weiterer interessanter Punkt ist die Verwendung von technischen Hilfsmitteln, die die körperlichen Anforderungen des Berufs reduzieren. Auch kreative Aspekte, wie die Dekoration und die musikalische Gestaltung von Trauerfeiern, gewinnen an Bedeutung. Das alles trägt dazu bei, dass viele junge Menschen im Bestattungswesen einen Sinn sehen, den sie in anderen Berufen vielleicht nicht finden.

Ein Beruf für die Zukunft

Der Beruf des Bestatters ist nicht nur ein Job, sondern eine echte Berufung, die viel von einem abverlangt. Bestattungsfachkräfte organisieren nicht nur Bestattungen, sondern beraten Angehörige und planen Trauerfeiern. Das erfordert nicht nur Organisationstalent, sondern auch ein starkes Nervenkostüm und ein großes Einfühlungsvermögen. Die dreijährige Ausbildung vermittelt sowohl praktische als auch theoretische Inhalte, von rechtlichen Vorgaben bis hin zur Gesprächsführung. Und die Verdienstmöglichkeiten sind nach der Ausbildung auch nicht zu verachten – zwischen 2.900 und 4.100 Euro brutto, je nach Erfahrung und Weiterbildung.

Die Arbeitszeiten sind natürlich alles andere als gewöhnlich. Bereitschaftsdienste und spontane Reaktionen auf Todesfälle gehören zum Alltag. Doch für viele ist das kein Hindernis, sondern ein Ansporn. Das zeigt sich nicht zuletzt in der hohen Nachfrage nach Bestattungsfachkräften, die durch den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel weiter ansteigen dürfte. In diesem Beruf sieht die Generation Z einen Weg, nicht nur ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch einen echten Unterschied zu machen.