Heute ist der 17. Mai 2026, und während die Regenbogenflaggen in vielen Städten wehen, wird der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit (IDAHOBITA) gefeiert. Ein Tag, der nicht nur zur Feier, sondern auch zur Reflexion einlädt. Denn die Zahlen, die uns die Polizei in Schleswig-Holstein vorlegt, sind alarmierend. 2022 gab es sieben registrierte Fälle queerfeindlicher Gewalt – ein paar Jahre später, im Jahr 2024, sind es bereits 105. Ein Anstieg, der nicht ignoriert werden kann.
Die Erfassung queerfeindlicher Straftaten begann erst 2022, und seitdem scheinen die Vorfälle wie ein Schatten über Schleswig-Holstein zu wachsen. Man könnte sagen, die Dunkelziffer ist hoch – viele Menschen trauen sich nicht, Übergriffe zu melden. Eine Studie zeigt, dass 96% der LSBTIQ-Personen Hate Speech und 87% körperliche oder sexuelle Übergriffe nicht zur Anzeige bringen. Gründe dafür sind oft, dass die Betroffenen die Taten als „zu gering“ empfinden oder aus Angst vor möglichen Reaktionen der Polizei. Traurig, aber wahr.
Ein besorgniserregender Trend
Die Polizei selbst kann den Anstieg der Gewalt nicht erklären. Es fehlt an Forschung, und konkrete Maßnahmen zur Eindämmung von Hasskriminalität scheinen Mangelware zu sein. Besonders betroffen sind trans, intergeschlechtliche und nicht-binäre Menschen. Die Zahlen für 2025 werden im Juni mit dem Verfassungsschutzbericht veröffentlicht, und man darf gespannt sein, ob sich der Trend fortsetzt oder ob endlich Maßnahmen ergriffen werden.
Eine weitere Facette dieses Themas zeigt sich im Fußball. Das RSK-FLINTA* Team aus Ahrensburg ist das einzige offizielle FLINTA* Team beim DFB. Die Spielerinnen berichten von Diskriminierung, obwohl sie sportlich erfolgreich sind. Es ist erschreckend, dass viele Betroffene Übergriffe nicht anzeigen, oft aus Mangel an Vertrauen in die Behörden. Starre Männlichkeitsbilder im Fußball werden als besorgniserregend angesehen – die Frage bleibt: Wie lange noch?
Ein Lichtblick in der Dunkelheit
Doch nicht alles ist trist. In Neumünster gibt es mit Jennys Bar einen Ort, an dem sich Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung willkommen fühlen. Ein Raum, der Begegnungen fördert und ein Schimmer des Zusammenhalts in einer oft feindlichen Welt ist. Offene queere Vorbilder sind wichtig, um starre Männlichkeitsbilder aufzubrechen und ein neues, offenes Verständnis zu fördern.
Auf gesamtdeutscher Ebene zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Jahr 2023 wurden 17.007 Fälle von Hasskriminalität erfasst, wovon 1.785 gegen LSBTIQ-Personen gerichtet waren. Diese Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr (1.188) stark gestiegen. Man muss sagen, dass dies sowohl mit einer zunehmenden Sichtbarkeit von LSBTIQ-Themen als auch mit einer höheren Anzeigenbereitschaft in Verbindung gebracht wird. Beleidigungen, Gewalttaten und Bedrohungen sind die häufigsten Straftaten gegen die Community.
Das BKA setzt sich aktiv für Vielfalt und gegen Hass, Diskriminierung und Gewalt ein. Anlässlich des IDAHOBITA wurde die Regenbogenflagge gehisst, und es gibt Initiativen, die sich mit den Belangen von LSBTIQ befassen. Aber wird das ausreichen? Die Probleme sind komplex und tief verwurzelt, und es bedarf mehr als nur Symbolik, um echte Veränderungen herbeizuführen.