In Horn-Lehe wird’s zurzeit ganz schön turbulent, und das liegt nicht nur am Wetter. Wenn die A27 für Schwerlasttransporte über die Brücke Leher Heerstraße gesperrt ist, wird der Stadtteil zur Umleitungsstrecke. Einmal pro Woche, in den Nächten von Mittwoch (22 Uhr) bis Donnerstag (5 Uhr), ist es soweit. Der Verkehr wird dann über die ausgeschilderte Umleitung U19 und U42 umgeleitet. Für die Anwohner bedeutet das: ein paar zusätzliche Minuten im Stau, dafür aber auch die Gewissheit, dass die Brücke dringend sanierungsbedürftig ist.

Die Brücke selbst ist nicht tragfähig genug für Schwerlastverkehr in Richtung Nordsee, was die Umleitung zur Notwendigkeit macht. Bevor die Laster vor der Brücke abbiegen, müssen sie auf die Gegenfahrbahn wechseln. Und während dieser nächtlichen Umleitungen muss der übrige Verkehr an der Anschlussstelle Bremen-Vahr abfahren und die Umleitung nutzen. Die Strecke führt über die Richard-Boljahn-Allee, Bürgermeister-Spitta-Allee, Horner, Leher und Lilienthaler Heerstraße sowie den Autobahnzubringer Horn-Lehe. Ein ganz schöner Umweg, aber was soll man machen, die Sicherheit geht vor!

Neubau der Brücke

Die Brücke wird bald neu gebaut, und zwar voraussichtlich Anfang nächsten Jahres. Zuerst kümmert man sich um den Teil in Richtung Cuxhaven. Der gesamte Bau soll ein Jahr in Anspruch nehmen, und danach folgt ein zweiter Abschnitt in Richtung Hannover. Das bedeutet für die Autofahrer, dass während der Bauarbeiten der Verkehr über die jeweils andere Spur geleitet wird. Und ja, es wird schmaler, aber immerhin – die Umleitung durch Horn-Lehe ist während der Bauarbeiten nicht geplant! Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein.

Die Leher Heerstraße wird allerdings vorübergehend voll gesperrt, vor allem für den Teilabriss der Autobahnbrücke. Achtung, es sind insgesamt sechs bis acht Vollsperrungen in Sicht, voraussichtlich an verkehrsärmeren Wochenenden von Freitag 18 Uhr bis Montag 5 Uhr. Und nach der Verstärkung der Fahrbahn in Richtung Hannover werden wir wohl keine nächtlichen Umleitungen mehr durch Horn-Lehe haben – eine kleine Erleichterung für alle, die sich durch die Umleitungen gequält haben.

Ein Blick über die Region hinaus

Doch nicht nur hier in Bremen sieht sich die Verkehrspolitik mit Herausforderungen konfrontiert. Patrick Schnieder, der neue Verkehrsminister, wurde erst kürzlich vereidigt und hat sich vorgenommen, die Sanierung von 4000 Brücken bis 2032 zu priorisieren. Der Bundesrechnungshof hat jedoch bereits alarmiert und kritisiert die langsame Umsetzung des Brückenmodernisierungsprogramms. Irgendwie hat man das Gefühl, dass es hier wirklich an der Zeit ist, etwas zu tun, bevor noch mehr Brücken gesperrt werden müssen.

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Aktuell sind in Deutschland 148 Autobahnbrücken und 176 Brücken an Bundesstraßen für Schwertransporte gesperrt. Das sorgt für reichlich Ärger auf den Straßen, denn die volkswirtschaftlichen Schäden, die durch solche Sperrungen entstehen, gehen in die Hunderte Millionen Euro pro Jahr. Zum Beispiel könnte die Norderelbbrücke an der A1 in Hamburg einen volkswirtschaftlichen Schaden von bis zu 334 Millionen Euro verursachen. Da fragt man sich, wie lange die Autofahrer und Pendler noch auf bessere Zeiten warten müssen.

Mit jeder Baustelle wird es klarer: Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland braucht dringend ein Update. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen endlich ins Handeln kommen und dass wir nicht noch mehr Umleitungen und Vollsperrungen hinnehmen müssen. Denn wenn die Straßen nicht mehr befahrbar sind, wird es auch für uns hier in Horn-Lehe und weit darüber hinaus ungemütlich.