Heute ist der 18. Mai 2026, und die Luft in Delmenhorst ist angespannt. Die Beschäftigten des Busunternehmens „Delbus“ haben für Donnerstag und Freitag einen Streik angekündigt. Dies ist das Ergebnis von Tarifverhandlungen, die seit Mitte Februar 2026 laufen – und, um es milde auszudrücken, nicht gerade fruchtbar waren. Rund 100 Mitarbeiter betreiben hier 32 Busse und befördern täglich etwa 11.000 Menschen. Ein großer Teil der Bevölkerung ist also betroffen, wenn die Busse stillstehen.
Die Gewerkschaft ver.di fordert unter anderem mehr Urlaubstage, höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit und eine Entlastung bei den Arbeitszeiten. Die Arbeitgeber hingegen sehen die Forderungen als finanziell nicht umsetzbar an – eine Blockadehaltung, die nicht gerade zur Entspannung beiträgt. Wenn man sich überlegt, wie viele Menschen von diesen Verhandlungen abhängen, ist das schon ein ziemlicher Brocken.
Warnstreiks in Niedersachsen
Doch Delmenhorst ist nicht die einzige Stadt, in der es laut wird. Auch in Braunschweig, Wolfsburg, Hildesheim und Lüchow wird gestreikt. Die kommunalen Verkehrsbetriebe sowie die Lüchow-Schmarsauer-Eisenbahn sind ebenfalls betroffen. In Göttingen sind für Dienstag und Mittwoch Warnstreiks angekündigt, während die Üstra und Regiobus in Hannover am Mittwoch und Donnerstag ihre Busse stillstehen lassen werden. Die S-Bahn Hannover bleibt jedoch von diesen Streiks unberührt – ein kleiner Lichtblick in all dem Streikchaos.
Es ist klar: Die Arbeitnehmer möchten gehört werden. Und die Warnstreiks sind ein Versuch, die Arbeitgeber aus ihrer Starre zu bewegen. Der Verhandlungsführer Marian Drews von ver.di hat bereits erklärt, dass die bisherigen Verhandlungsrunden – die erste am 19. Februar, die zweite am 3. März und die dritte am 17. April – ohne Ergebnis blieben. Die Gewerkschaft hat die Arbeitgeber aufgerufen, endlich ein Zeichen der Entgegenkommen zu zeigen.
Ein Blick auf die Hintergründe
Die Tarifrunde TV-N Niedersachsen hat im Herbst 2025 an Fahrt aufgenommen, und die Verhandlungen scheinen sich wie Kaugummi zu ziehen. Die Beschäftigten haben klare Vorstellungen, doch die Arbeitgeber scheinen sich hinter einer Mauer der finanziellen Unmöglichkeit zu verstecken. Umso wichtiger sind die geplanten Aktionen: Am 20. April finden betriebsnahe Warnstreiks vor den jeweiligen Betriebshöfen statt, gefolgt von einem zentralen Warnstreiktag in Hannover am 21. April, der mit einer Demonstration vom Betriebshof Glocksee zum Platz der Menschenrechte gekrönt wird. Es ist ein kraftvolles Zeichen der Solidarität und des Zusammenhalts.
Die Menschen im Nahverkehr in Niedersachsen sind aufgerufen, Gesicht zu zeigen und für ihre Rechte einzustehen. Es bleibt spannend, wie sich die Situation entwickeln wird – und ob die Arbeitgeber bereit sind, endlich an einem Strang zu ziehen, um eine Einigung zu erzielen. Die kommenden Tage könnten entscheidend sein.