In Delmenhorst, einer Stadt, die sonst eher für ihre Beschaulichkeit bekannt ist, gab es kürzlich einen Vorfall, der nicht nur die örtliche Gemeinschaft erschüttert hat, sondern auch weitreichende Fragen zur Sicherheit religiöser Stätten aufwirft. Am vergangenen Mittwochnachmittag zündeten Unbekannte mehrere Bücher im Innenraum der St.-Christophorus-Kirche am Brendelweg an. Glücklicherweise kam es dank des schnellen Eingreifens eines Organisten und der Feuerwehr nicht zu einem größeren Brand. Dennoch bleibt das Unbehagen, das solche Taten auslösen, spürbar.
Die CDU Delmenhorst hat den versuchten Brandanschlag auf die Kirche scharf verurteilt. CDU-Sprecher Lukas Aygün äußerte, dass es erschütternd sei, dass Kirchen, Orte des Glaubens und der Gemeinschaft, Ziel solcher Angriffe werden können. Er betonte, dass die Religionsfreiheit im Grundgesetz verankert ist und jeder die Freiheit haben sollte, seine Religion sicher auszuüben. Die Angriffe auf religiöse Einrichtungen werden als Angriffe auf die Grundlagen des Zusammenlebens betrachtet, und so fordert die CDU konsequente Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft.
Ein besorgniserregender Trend
Die jüngsten Vorfälle in Delmenhorst sind nicht isoliert. Laut einem neuen Jahresbericht einer österreichischen NGO zeigt sich in ganz Europa eine besorgniserregende Zunahme von antichristlichen Straftaten. In Deutschland wurden 337 christenfeindliche Straftaten im vergangenen Jahr dokumentiert, was einem Anstieg von etwa 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Besonders alarmierend ist, dass Deutschland an dritter Stelle in Europa liegt, hinter Frankreich und Großbritannien, wenn es um solche Delikte geht. Hierzulande wurden 33 Fälle von Brandstiftung an Kirchen registriert, mehr als in jedem anderen europäischen Land.
Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hat ebenfalls auf die zunehmende Bedrohung hingewiesen und spricht von „gefallenen Tabus“. Ein klares Zeichen dafür, dass der Vandalismus gegen Kirchen nicht mehr nur Einzelfälle sind, sondern Teil eines größeren Problems, das sowohl gesellschaftlicher als auch rechtlicher Natur ist. Die OIDAC Europe, die Organisation, die diese Daten sammelt, kritisiert, dass viele Übergriffe nicht erfasst werden, da oft nur Delikte mit politischem Hintergrund berücksichtigt werden. Dies lässt befürchten, dass die Dunkelziffer weit höher ist.
Ein Weckruf für die Gesellschaft
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach anlässlich des Internationalen Gedenktags für Opfer von Gewalt aufgrund von Religion ein deutliches Wort: Die Zahlen, die OIDAC Europe für 2024 verzeichnet hat, sind alarmierend. 2.211 antichristliche Hassdelikte wurden festgestellt, die konkrete Fälle von Vandalismus, Brandstiftung und sogar körperlicher Gewalt umfassen. Das macht deutlich, dass wir in einem Klima wachsender Intoleranz leben, in dem Christen zunehmend ins Visier geraten.
In Deutschland und anderen europäischen Ländern gibt es daher Forderungen nach einem EU-Koordinator zur Bekämpfung dieser Hassverbrechen. Angesichts der steigenden Zahlen ist es unerlässlich, dass die Gesellschaft zusammensteht, um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Der Schutz der Religionsfreiheit und der religiösen Einrichtungen ist ein elementarer Bestandteil unseres Rechtsstaates und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.