Heute ist der 21. Mai 2026, und die Hansestadt Wismar lässt es sich nicht nehmen, bei der 29. Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Deutschlands in Lübeck dabei zu sein. Über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich vom 17. bis 19. Mai versammelt, um Themen von brennender Aktualität zu diskutieren. Der Titel der Konferenz, „Feministischer Kompass: Kurs halten in antifeministischen Gewässern“, lässt erahnen, dass es hier um mehr als nur um trockene Theorie geht. Die Gefahr von Antifeminismus für die Gleichstellung und die Demokratie steht im Mittelpunkt der Gespräche.
Petra Steffan, die Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Wismar, hat in Lübeck eine klare Stimme eingenommen. Sie ist nicht allein: Judith Rahner, Geschäftsführerin des Deutschen Frauenrates, hat eindringlich auf die gesellschaftlichen Auswirkungen von Antifeminismus hingewiesen. Elke Sasse, ihre Kollegin aus Lübeck, hat mit ihrer leidenschaftlichen Rede die Bedeutung von feministischen Netzwerken und Fachberatungsstellen betont. Das macht deutlich, dass wir alle gefordert sind. Und was wäre ein solcher Austausch ohne eine Demonstration? Am 18. Mai versammelten sich etwa 700 Menschen vor dem Holstentor, um für Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit zu demonstrieren.
Die Herausforderungen des Antifeminismus
Die Themen der Demonstration sind alarmierend und trotzdem nichts Neues: Angriffe auf Gleichstellung, Gewalt gegen Frauen und der allgegenwärtige Sexismus. Elke Sasse äußerte sich lautstark über die anhaltenden Ungleichheiten, die Frauen immer noch erleiden müssen. Die Forderungen waren klar und deutlich: Feminismus als Werkzeug für Geschlechtergerechtigkeit und die Verantwortung von Männern für eine gerechte Gesellschaft. In der Lübecker Erklärung wurde Antifeminismus als weit verbreitetes Phänomen in der Gesellschaft identifiziert. Ein Aufruf, der uns alle betrifft!
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat erst kürzlich eine rechtliche Einschätzung zu staatlichen „Genderverboten“ veröffentlicht, und die bayerische Staatsregierung hat sogar ein Verbot der Gendersprache beschlossen. Diese Entwicklungen werfen Fragen auf – insbesondere, wenn man bedenkt, dass Antifeminismus oft mit anderen menschenfeindlichen Ideologien verwoben ist, wie Rassismus und Antisemitismus. Die Leipziger Autoritarismus Studie hat dies eindrucksvoll belegt. Es ist ein beunruhigendes Bild, das sich hier abzeichnet.
Die Relevanz von feministischen Netzwerken
Was können wir also tun? Judith Rahner und Elke Sasse haben uns daran erinnert, wie wichtig es ist, solidarisch zusammenzuarbeiten. Feministische Netzwerke und Fachberatungsstellen sind unerlässlich, um den Herausforderungen des Antifeminismus zu begegnen. Organisationen müssen klare Positionen gegen Sexismus und Antifeminismus entwickeln und proaktive Maßnahmen ergreifen. Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitenden, insbesondere in Zeiten, in denen Bedrohungen durch Dritte zunehmen.
Die Dokumentation von Vorfällen, rechtliche Schritte und Unterstützung für Betroffene – all das sind Schritte, die nicht nur wichtig, sondern notwendig sind. Eine gut ausgearbeitete Strategie zur schnellen Reaktion auf Angriffe kann helfen, den sozialen Zusammenhalt zu wahren. Prävention ist entscheidend, um das demokratische Miteinander zu fördern und emotionalen Belastungen vorzubeugen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Konferenz in Lübeck hat gezeigt, dass wir es mit einem tiefgreifenden Problem zu tun haben. Der Antifeminismus greift nicht nur Einzelne an, sondern zielt auf die Institutionen, für die sie stehen. Die Verantwortung liegt bei uns allen, nicht nur bei den Gleichstellungsbeauftragten. Wir müssen uns gemeinsam für eine gerechtere Zukunft einsetzen, in der Gleichstellung und Demokratie Hand in Hand gehen und Antifeminismus keinen Platz mehr hat.