Am 1. Juli 2026 um 19:00 Uhr wird das Schweriner Gefängnisgebäude am Demmlerplatz, das seit 1916 besteht und zahlreiche dunkle Kapitel der Geschichte beherbergt hat, zur Bühne eines ganz besonderen szenischen Rundgangs. Die Veranstaltung „SCHULDIG“ verspricht, die tiefen Schatten der Vergangenheit ans Licht zu bringen. Dieses Gebäude hat unter verschiedenen Regimen gedient – als NS-Gerichtsgefängnis, sowjetische Untersuchungshaftanstalt und Stasi-Knast. Viele Menschen haben hier Gewalt, Angst und Ungewissheit erlebt, und nun wird das Publikum eingeladen, sich auf eine Reise durch diese Erinnerungen zu begeben.

Das Konzept von „SCHULDIG“ basiert auf den Stimmen ehemaliger Häftlinge und ihren Erfahrungen. Es wird spannend, denn die Darbietung wird von einem Ensemble des Mecklenburgischen Staatstheaters, zusammen mit Studierenden der Universität Greifswald, dem Dokumentationszentrum Schwerin und der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, konzipiert. Ein echtes Gemeinschaftsprojekt, das den Besuchern Fragmente zwischen Recht und Unrecht direkt vor Ort vermitteln möchte. Nach der Veranstaltung wird es zudem ein Publikumsgespräch geben – eine Gelegenheit, um Gedanken und Emotionen zu teilen.

Einblicke in die Vergangenheit

Die Recherchearbeiten der Studierenden sind nicht nur eine akademische Übung, sondern ein tiefgehender Zugang zu den persönlichen Geschichten, die in diesem Gefängnis geschrieben wurden. Wer sich am 1. Juli auf den Weg macht, wird die Möglichkeit haben, die Schatten der Geschichte hautnah zu spüren. Und das Beste daran? Die Veranstaltung ist barrierearm, sodass jeder die Chance hat, daran teilzunehmen. Bei Bedarf wird eine Anmeldung empfohlen.

Die Einnahmen aus dieser Veranstaltung kommen vollständig dem Mecklenburgischen Staatstheater zugute, was zeigt, dass Kunst und Geschichte hier Hand in Hand gehen. Der Vorverkauf für die M*Halle beginnt bereits am ersten Kassenöffnungstag des Vormonats, während für die Kulturmühle Parchim die Karten am ersten Kassenöffnungstag des Monats erhältlich sind. Ein guter Tipp für alle, die sich für diese einmalige Erfahrung interessieren!

Erinnerungen an die Stasi-Zeit

Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie die Zeit der Stasi die Menschen geprägt hat. Lutz-Peter Naumann, ein junger Mann, der während der Internationalen Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche 1971 in der DDR tätig war, ist ein Beispiel für die Widrigkeiten, die viele erleiden mussten. Er wurde als „Häftling Nr. 52“ etikettiert, nachdem er festgenommen wurde, weil er verdächtigt wurde, staatsfeindliche Hetze zu betreiben. Vernehmungen, die bis zu acht Stunden dauerten, waren an der Tagesordnung. In diesen Momenten, gefangen in der Dunkelheit einer Zelle, fand Naumann einen Weg, seine Gedanken und Gefühle durch Briefe an seine Mutter zu kommunizieren – eine Art der Selbstvergewisserung inmitten der Repression.

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Diese Erlebnisse sind nicht nur persönliche Geschichten, sondern auch Teil eines größeren Ganzen. Ein System, das auf Kontrolle und Angst basierte, hat seine Spuren hinterlassen. Naumann wurde schließlich zu vier Jahren Haft verurteilt, doch er fand in seiner Freiheit als Journalist in West-Berlin einen neuen Weg, um über seine Erfahrungen zu berichten. Solche Geschichten zeigen, wie wichtig es ist, die Vergangenheit zu reflektieren und daraus zu lernen.

Bei „SCHULDIG“ wird es darum gehen, diese Erinnerungen nicht nur zu erzählen, sondern sie mit dem Publikum zu teilen und einen Raum für Reflexion und Diskussion zu schaffen. Historische Orte wie das Gefängnis am Demmlerplatz halten bedeutende Lektionen bereit, die es wert sind, gehört zu werden.