In Schwerin, einer Stadt, die für ihre malerischen Straßen und herzlichen Menschen bekannt ist, gibt es bald einen neuen Ort, an dem die Sehnsucht nach Heimat und Traditionen auf köstliche Weise gestillt wird. Vadym Volkov und Inna Volkova, ein ukrainisches Paar aus Schytomyr, haben sich entschieden, in Deutschland Fuß zu fassen und bieten ab dem 30. April in der Goethestraße 89 handgemachte Spezialitäten aus ihrer Heimat an. Ihre gefüllten Teigtaschen, bekannt als Pelmeni und Vareniki, versprechen ein Stückchen Heimat in jedem Bissen.
Die beiden sind keine Unbekannten in der Region; seit ihrer Ankunft im Jahr 2019 haben sie hart gearbeitet, zunächst auf einer Milchfarm, bevor sie sich entschieden, in der aktuellen Situation des Ukraine-Kriegs zu bleiben. Ihre Familie lebt jetzt in Lenzen, und die neue Herausforderung, ein eigenes Geschäft zu führen, nehmen sie mit viel Engagement an. Ihr Sortiment ist beeindruckend: Neben Pelmeni und Vareniki gibt es herzhafte Suppen sowie gefüllte Fleischgerichte, alles handgemacht und ohne Zusatzstoffe. Besonders spannend ist Vadym Volkovs Plan, langfristig auch frisch zubereitete Gerichte anzubieten.
Ein Hauch von Heimat
Die Eröffnung ihres Ladens wird mit Verkostungen und Überraschungen gefeiert – eine Gelegenheit für die Menschen in Schwerin, die osteuropäische Küche kennenzulernen und sich in vertraute Geschmäcker zu vertiefen. Viele ihrer künftigen Kunden stammen selbst aus osteuropäischen Ländern und suchen nach den Aromen ihrer Kindheit. Vadym und Inna sind sich der Bedeutung dieser Traditionen bewusst und möchten nicht nur ihre Produkte verkaufen, sondern auch eine Brücke zur Kultur ihrer Heimat schlagen.
Doch sie sind nicht die einzigen, die in Deutschland eine neue Perspektive aufbauen wollen. Juri Zuev, ebenfalls aus der Ukraine geflohen, hat ähnliche Ziele. Er plant, sich in Reutlingen mit einem Geschäft für gläserne Küche selbstständig zu machen, um der Region die ukrainische Küche näherzubringen. Zuev hat bereits einen Investor gewonnen und sieht in der geringen Anzahl ukrainischer Restaurants in der Region eine Chance. Mit seiner Erfahrung im Sales-Bereich möchte er nicht nur köstliche Speisen anbieten, sondern auch anderen geflüchteten Ukrainern helfen, sich besser im deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren.
Herausforderungen und Chancen
Beide Unternehmer stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Die Sprachbarriere und die Notwendigkeit, sich in einem neuen Umfeld zurechtzufinden. Zuev hat einen Sprachkurs erfolgreich abgeschlossen, sieht die Sprache jedoch weiterhin als Hürde. Dies verdeutlicht auch den allgemeinen Kontext, in dem sich viele ukrainische Geflüchtete in Deutschland befinden. Laut einem gemeinsamen Forschungsbericht von IAB, BAMF-FZ und SOEP am DIW Berlin zeigt sich, dass die Lebenssituation und Teilhabe dieser Menschen stark von ihrer familiären und wohnlichen Situation sowie ihren Bleibeabsichten abhängt.
Rund 3.400 ukrainische Geflüchtete haben an einer umfassenden Befragung teilgenommen, die wertvolle Erkenntnisse über ihre Lebensrealitäten liefert. Besonders interessant ist die Unterscheidung zwischen verschiedenen Zuzugskohorten, die unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Diese Studie hilft, die Herausforderungen zu verstehen, mit denen geflüchtete Menschen konfrontiert sind, und zeigt auf, wie wichtig es ist, ihnen eine Perspektive zu bieten.
Die Geschichten von Vadym, Inna und Juri sind nur einige Beispiele für den Mut und die Entschlossenheit, die viele Ukrainer in Deutschland zeigen. Ihre kulinarischen Unternehmungen sind mehr als nur Geschäftsinitiativen; sie sind ein Symbol für Hoffnung, Gemeinschaft und die Kraft der Tradition. Am 30. April wird in Schwerin nicht nur ein neuer Laden eröffnet, sondern auch ein weiterer Schritt in Richtung Integration und kulturellen Austauschs gefeiert.