In Warnemünde steht ein Stück maritimer Geschichte auf der Kippe: Der Fischkutter „Pasewalk“, ein 17 Meter langes und 5,60 Meter breites Traditionsschiff, das seit seiner Fertigung im Jahr 1950 auf der VEB Boddenwerft Damgarten das Bild am Alten Strom prägte, soll nicht verrotten, sondern gerettet werden. In einer Sitzung des Ortsbeirats erläuterte Vorsitzender Axel Tolksdorff die nächsten Schritte zur Erhaltung des Kutters. Das Ziel? Die Unterstellung unter Denkmalschutz, um öffentliche Fördermittel zu sichern und der „Pasewalk“ eine Zukunft zu ermöglichen.
Der Kutter liegt seit etwa einem Jahr an Land und droht, durch die Witterungseinflüsse und das fehlende Wasser zu verfallen. Der Verein „Jugend zur See“, der das Schiff nach der Wende übernahm und zahlreichen Kindern und Jugendlichen unvergessliche Ausfahrten ermöglichte, sieht sich nun in der Zwickmühle. Die laufenden Kosten sind nicht mehr tragbar, und der Verein erwog, das Schiff für einen symbolischen Betrag von einem Euro abzugeben. Um die „Pasewalk“ zu retten, sind Investitionen zwischen 10.000 und 12.000 Euro für die regelmäßige Klassifizierung notwendig, und die Gesamtkosten könnten sich sogar auf rund 140.000 Euro belaufen. Ein Herkulesauftrag, der das Engagement der gesamten Gemeinschaft erfordert!
Fördermittel und Unterstützung
Tolksdorff verweist auf verschiedene Fördermöglichkeiten, die für den maritimen Erhalt in Betracht gezogen werden können. Dazu zählt unter anderem ein neuer Fonds für maritimes Erbe, der auf Bundesebene ins Leben gerufen werden soll. Ab 2026 wird zudem die „Deutsche Stiftung Maritimes Erbe“ gegründet, die mit insgesamt 30 Millionen Euro bis 2028 ausgestattet wird. Diese Gelder könnten entscheidend für die Sanierung und den Erhalt der „Pasewalk“ sein.
Um die Rettung des Kutters voranzutreiben, plant Tolksdorff, zahlreiche Unterstützer zu mobilisieren und Online-Aktionen zu starten. Er schlägt vor, dass sowohl Touristen als auch Einheimische freiwillige Beiträge leisten, um das marode Traditionsschiff zu unterstützen. Zudem wird die Pöhler Werft um ein aktuelles Gutachten und Kostenvoranschlag gebeten, um einen realistischen Überblick über die notwendigen Arbeiten zu erhalten.
Einsatz für Norddeutsche Traditionsschiffe
Die Situation der „Pasewalk“ ist nicht einzigartig. Die Bundesregierung hat über 23 Millionen Euro bereitgestellt, um die Erhaltung norddeutscher Traditionsschiffe zu fördern. Rund 16 Millionen Euro sind allein für das Haushaltsjahr 2026 vorgesehen. Schiffe wie das Feuerschiff „Borkumriff“ und die Poeler Kogge „Wissemara“ warten ebenfalls auf Unterstützung. Ziel dieser Mittel ist es, eine langfristige technische Sicherung, denkmalgerechte Sanierungen und den Erhalt der Schiffe zu gewährleisten. Diese Gelder stammen aus dem Haushalt des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und fließen über das Förderverfahren „KulturInvest“.
Es wird deutlich: Die Rettung der „Pasewalk“ ist nicht nur ein lokales Anliegen, sondern Teil eines größeren Bestrebens, das maritime Erbe Norddeutschlands zu bewahren. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, um die nötigen Schritte einzuleiten und den Kutter wieder ins Wasser zu bringen. Der Einsatz der Gemeinschaft und die verfügbaren Fördermittel könnten das Schicksal der „Pasewalk“ entscheidend beeinflussen.