In Mecklenburg-Vorpommern ist die Freude über das Schwimmenlernen in den letzten Jahren stark getrübt. Während deutschlandweit im Jahr 2025 nur 100.000 Schwimmabzeichen vergeben werden, muss das Bundesland einen dramatischen Rückgang verzeichnen. Laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) erhielten im vergangenen Jahr nur 809 Kinder das begehrte Seepferdchen – 150 weniger als im Vorjahr. Auch die anderen Schwimmabzeichen, Bronze, Silber und Gold, wurden deutlich seltener verliehen, wobei der Rückgang bei Bronze mit 425 weniger vergebenen Abzeichen besonders auffällt.
Die Ursachen für diese besorgniserregenden Zahlen sind vielfältig. Engpässe bei Schwimmkursen und ein akuter Mangel an Schwimmlehrkräften stehen ganz oben auf der Liste. DLRG-Präsidentin Ute Vogt macht deutlich, dass fast 60 Prozent der Schüler am Ende der vierten Klasse nicht sicher schwimmen können. Lange Wartezeiten für Schwimmkursplätze und der Mangel an geeigneten Wasserflächen zum Üben sind zusätzliche Faktoren, die die Situation verschärfen. In vielen Grundschulen sind qualifizierte Lehrkräfte für den Schwimmunterricht Mangelware, was bedeutet, dass dieser oft ganz entfällt.
Die Realität der Schwimmfähigkeiten bei Kindern
Ein Blick auf die aktuellen Zahlen verdeutlicht die Problematik: 57 Prozent der Kinder wurden 2023 von ihren Eltern als sichere Schwimmer eingestuft, was einen leichten Rückgang im Vergleich zu 2017 darstellt, als es noch 59 Prozent waren. Gleichzeitig ist der Anteil der unsicheren Schwimmer auf 23 Prozent gesunken, was jedoch nicht darüber hinwegtäuscht, dass 21 Prozent der Kinder, die von ihren Eltern als sicher oder unsicher eingestuft werden, kein Schwimmabzeichen abgelegt haben.
Die DLRG weist zudem darauf hin, dass viele Eltern fälschlicherweise glauben, ein Kind könne schwimmen, sobald es das Seepferdchen hat. Dieses Abzeichen bescheinigt lediglich das Beherrschen der Grundlagen. Für wirklich sicheres Schwimmen ist das Schwimmabzeichen Bronze, auch bekannt als Freischwimmer, notwendig. Laut Schätzungen der DLRG sind 58 Prozent der Kinder am Ende ihrer Grundschulzeit keine sicheren Schwimmer.
Ein Aufruf zur Veränderung
Die aktuelle Situation ist alarmierend und zeigt deutlich, dass Handlungsbedarf besteht. Es ist nicht nur eine Frage der Schwimmfähigkeit, sondern auch der Sicherheit der Kinder. Jeder, der schon einmal die Freude des Schwimmens erlebt hat, weiß, wie wichtig es ist, dieses Können zu vermitteln. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass die nächste Generation sicher im Wasser unterwegs ist. Der Weg dorthin erfordert mehr Schwimmkurse, qualifizierte Lehrkräfte und bessere Rahmenbedingungen. Nur so können wir die Abzeichenvergabe wieder steigern und letztlich das Schwimmen in unserer Region fördern.