Heute ist der 28.04.2026 und in Hamburg gibt es ein aufsehenerregendes Thema, das die Gemüter erhitzt: Der älteste Paternoster der Welt, ein denkmalgeschützter Aufzug aus dem Jahr 1908, ist plötzlich verschwunden. Der Umlaufaufzug im Flüggerhaus, einer beeindruckenden Immobilie am Rödingsmarkt, wurde ohne Genehmigung abgebaut. Dies hätte nicht nur den Verlust eines einzigartigen technischen Denkmals zur Folge, sondern auch weitreichende rechtliche Konsequenzen für den neuen Eigentümer, Harm Müller-Spreer.
Der Paternoster galt als außergewöhnliches Zeugnis der Technik- und Stadtgeschichte. 40 Jahre lang war er in Vergessenheit geraten, bis er 2018 von Doktorand Robin Augenstein hinter einer Verschalung wiederentdeckt wurde. In den darauffolgenden Jahren investierte Restaurator Patric Wagner mit seinem Team mehr als 2.500 Arbeitsstunden in die Restaurierung des Aufzugs, der nach dieser aufwendigen Sanierung als herausragendes technisches Denkmal gewürdigt wurde. Doch jetzt, nach dem ungenehmigten Ausbau, hat die Hamburger Kulturbehörde einen Baustopp verhängt.
Rechtliche Folgen und Denkmalschutz
Die Hamburger Behörde wird nun den Umfang des Schadens prüfen und über rechtliche Schritte entscheiden. Das Hamburgische Denkmalschutzgesetz sieht vor, dass Veränderungen an denkmalgeschützten Objekten ohne Genehmigung eine Wiederherstellung auf Kosten des Verantwortlichen nach sich ziehen können. Müller-Spreer könnte demnach mit einem Bußgeld von bis zu 500.000 Euro konfrontiert werden, während das Denkmalschutzamt ein Ordnungswidrigkeitsverfahren vorbereitet.
Die Situation wird durch die widersprüchlichen Aussagen von Müller-Spreer und den Behörden kompliziert. Der Investor behauptete, der Paternoster sei im Sommer 2025 nicht mehr intakt gewesen, was das Denkmalschutzamt jedoch bestreitet. Bei einer Begehung im gleichen Zeitraum war der Aufzug laut deren Angaben noch vollständig vorhanden. Auch Restaurator Wagner bestätigte, dass der Aufzug bei zwei Ortsterminen, an denen auch Müller-Spreer teilgenommen habe, „vollständig und intakt“ war.
Ein wertvolles Erbe und seine Zukunft
Der Verlust des Paternosters ist nicht nur ein Schlag für den Denkmalschutz, sondern auch für die Kulturgeschichte Hamburgs. Paternoster sind in der Hansestadt rar geworden; um 1900 gab es zahlreiche Exemplare, heute existiert nur noch ein kleiner Rest. Der Ausbau des Paternosters könnte dem neuen Eigentümer zusätzliche Probleme mit der Denkmalpflege bereiten und die ohnehin wechselvolle Eigentümergeschichte des Flüggerhauses weiter komplizieren. Das Gebäude, das auf die Jahre 1907 bis 1908 datiert ist, erlebte bereits einige Eigentümerwechsel, zuletzt war es im Besitz des Signa-Konzerns, der in finanzielle Schwierigkeiten geriet.
Der Denkmalverein hat bereits schwere Vorwürfe gegen Müller-Spreer erhoben und sein Handeln als skrupellos bezeichnet. Die Frage bleibt, was aus den Teilen des Paternosters geworden ist und ob eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands überhaupt noch möglich ist. In der Zwischenzeit wird die Hamburger Öffentlichkeit mit Argusaugen verfolgen, wie sich die rechtlichen Schritte entwickeln und welche Konsequenzen der Abbau des historischen Aufzugs nach sich ziehen wird.