In Hamburg brodelt es: Der älteste Paternoster der Welt, ein wahrhaft ikonischer Aufzug aus dem Jahr 1908, ist aus dem Flüggerhaus am Rödingsmarkt verschwunden. Die Denkmalschutzbehörde hat nun Hinweise darauf, dass Teile des historischen Aufzugs gefunden wurden. Fotos zeigen Zahnräder und andere Bauteile, die dem Paternoster ähneln, und diese Teile sollen in einem Container vor dem Flüggerhaus liegen. Ein Polizeieinsatz am Sonntagabend, auf Veranlassung der Denkmalschutzbehörde, zielt darauf ab, diesen Container zu untersuchen. Bis zum Mittag konnte jedoch noch nicht bestätigt werden, ob es sich tatsächlich um Teile des Paternosters handelt.

Die Situation ist nicht nur spannend, sondern auch brisant. Der Paternoster, der unter Denkmalschutz steht, wurde bereits 1979 stillgelegt und 2018 wiederentdeckt. Damals hatte man ihn lange vergessen. Erst die Investitionen des österreichischen Investors René Benko und seiner Firma Signa führten zur Restaurierung des Aufzugs, in die über 2500 Arbeitsstunden geflossen sind. Doch die Hoffnungen, den Paternoster wieder in Betrieb zu nehmen, scheinen nun zu schwinden.

Ein Eigentümer im Zwielicht

Der Eigentümer des Flüggerhauses, Harm Müller-Spreer, hatte zunächst behauptet, nichts mit dem Verschwinden des Paternosters zu tun zu haben und dass der Aufzug nicht mehr funktionsfähig gewesen sei. In einem späteren Interview gab er jedoch zu, Teile, die nicht mehr in Betrieb waren, ausgebaut zu haben. Dies wirft Fragen auf: Wieso wurden diese Teile entfernt, und vor allem ohne Genehmigung? Das Denkmalschutzamt hat bereits ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen ihn angekündigt.

Restaurator Patric Wagner widerspricht Müller-Spreers Aussage und bezeichnet den Paternoster als „Kulturdenkmal seinesgleichen“. Dies bekräftigt die Meinung vieler Hamburger, die den Paternoster nicht nur als Aufzug, sondern als Teil ihrer Geschichte betrachten. Am Montagmorgen kam es zu einem Treffen zwischen dem Denkmalschutzamt und dem Eigentümer auf der Baustelle, um den Inhalt des Containers zu überprüfen. Der Container wurde jedoch zunächst verschlossen, da noch geklärt werden muss, wem der Inhalt gehört. Der Grundstückseigentümer hat bis Dienstag Zeit, dies zu klären.

Ein Schatten über Hamburg

Die öffentliche Aufmerksamkeit ist groß, und die Hamburger Polizei ermittelt in dem Fall. Während die Stadt sich mit dem Schicksal eines ihrer historischen Wahrzeichen auseinandersetzt, gibt es auch andere Bauprojekte, die ins Stocken geraten sind. Ein Investor plant, Hamburg ein Haus für eine Ausstellung zum Gedenken an die von den Nazis Deportierten zu schenken, doch auch dieses Vorhaben kommt nicht wie zugesagt voran. Inmitten dieser turbulenten Zeiten bleibt die Frage: Wird der älteste Paternoster der Welt noch gerettet, oder wird er für immer ein verlorenes Stück Geschichte bleiben?

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