In den letzten fünf Jahren hat sich in Hamburg ein bemerkenswerter Wandel vollzogen. Wer hätte gedacht, dass in der Hansestadt über 20 Wolfsnachweise dokumentiert wurden? Und das ist noch nicht alles – zusätzlich gab es einen bestätigten und 36 unbestätigte Hinweise auf Wölfe. Ein bisschen wie ein Mystery-Thriller, der sich in unseren Stadtgrenzen abspielt! Im September 2022 wurden zwei Schafe in Hamburg-Marmstorf von einem Wolf gerissen, und ein weiterer bestätigter Wildtierriss ereignete sich bereits im April 2022 in Neuenfelde. Die meisten dieser Nachweise stammen aus dem Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook am nördlichen Stadtrand. Es scheint fast so, als würden die Wölfe einen neuen Lebensraum in der Stadt erkunden. Und das ist ja nicht gerade alltäglich!

Selbst in der Hamburger Innenstadt wurden im März 2023 Wölfe gesichtet! Ein Wolf wurde eingefangen, und der Senat betont, dass er kein Interesse an Menschen gezeigt habe und sich scheu verhalten habe. Nur bei einem Vorfall in einer Einkaufspassage wurde eine Frau verletzt, was als defensive Fluchtreaktion des Wolfes interpretiert wurde. Ralf Niedmers von der CDU hat die Reaktion des Senats scharf kritisiert und ein früheres Handeln gefordert. Es bleibt zu hoffen, dass der Senat endlich einen Managementplan für den Umgang mit Wölfen in Hamburg vorlegt. Derzeit arbeiten sie in Abstimmung mit Nachbarländern daran, aber ein konkreter Termin für die Vorlage steht noch aus. Allerdings ist man sich einig, dass nicht mit einer dauerhaften Niederlassung von Wölfen in Hamburg gerechnet wird, weshalb keine reguläre Bejagung vorgesehen ist.

Wölfe in Deutschland – Eine Rückkehr mit Folgen

Ein Blick in die Geschichte: 1904 wurde der letzte freilebende Wolf in Deutschland geschossen. Die Ausrottung dieser majestätischen Tiere war das Ergebnis jahrzehntelanger Verfolgung durch den Menschen. Heute stehen Wölfe europaweit unter strengem Schutz, und national erfolgt dieser durch das Bundesnaturschutzgesetz. Das bedeutet, dass das absichtliche Stören, Fangen oder Töten von Wölfen gesetzlich verboten ist. Seit 2000 wurden jedoch die ersten freilebenden Wölfe nach langer Abwesenheit in Deutschland geboren, und die Wolfspopulation hat sich seit der Jahrtausendwende schnell erhöht. Im Monitoringjahr 2023/24 wurden in Deutschland 209 Wolfsrudel, 46 territoriale Paare und 19 territoriale Einzeltiere bestätigt. Das sind Zahlen, die aufhorchen lassen!

Trotz dieser erfreulichen Rückkehr fallen Wölfe häufig dem Straßenverkehr oder illegalen Tötungen zum Opfer. Geschlechtsreife Jungtiere suchen eigene Reviere und legen dabei weite Strecken zurück – ein Männchen wurde sogar von Niedersachsen bis in die katalanischen Pyrenäen nachgewiesen. In Hamburg wurden seit 2013 zwar vereinzelte Wölfe gesichtet, doch eine dauerhafte Ansiedlung gab es bisher nicht. Die nächsten Wolfsrudel befinden sich in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, und 2023 wurde im Segeberger Forst das erste Wolfsrudel nach fast 200 Jahren in Schleswig-Holstein angesiedelt. Das klingt fast wie ein Märchen, nicht wahr?

Praktische Tipps und Schutzmaßnahmen

Wölfe erbeuten hauptsächlich wildlebende Huftiere, und Übergriffe auf Nutztiere sind zu erwarten. Daher sind Schutzmaßnahmen für Nutztiere unerlässlich – wolfsabweisende Zäune und Herdenschutzhunde sind hierbei wichtig. Hamburg hat im Januar 2024 eine Richtlinie zur Förderung von Herdenschutzmaßnahmen veröffentlicht. Bei Rissen von Nutztieren wird auf Antrag eine Entschädigung geprüft, wenn der Riss durch einen Wolf nachgewiesen wird. Ein bisschen wie ein Sicherheitsnetz für die Landwirte! Und was ist, wenn man einem Wolf begegnet? Abstand halten, nicht weglaufen, laut sprechen oder rufen – das sind die goldenen Regeln. Wölfe dürfen nicht gefüttert werden, und Hunde sollten in Gebieten mit Wölfen immer angeleint sein. Das ist nicht nur für die Sicherheit der Hunde wichtig, sondern auch für die der Wölfe.

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Für alle, die Fragen oder Schadensfälle haben, gibt es die Möglichkeit, Kontakt zur Wolfsberatung aufzunehmen: wolfsberatung@bukea.hamburg.de oder telefonisch unter 040 / 428 40 2856. Es sind spannende Zeiten für die Tierwelt in Hamburg und darüber hinaus. Der Wolf, ein Symbol für Wildheit und Freiheit, kehrt zurück – und das wirft viele Fragen auf. Die emotionale Diskussion über das Miteinander von Wölfen, Weidetieren und Menschen wird immer intensiver. Die Bundesregierung plant sogar, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, was für Diskussionen sorgen könnte. Der NABU warnt jedoch, dass eine Bejagung den Bestand gefährdet und Weidetiere kaum schützt. Hier prallen unterschiedliche Interessen aufeinander.

Die Frage bleibt: Wie finden wir einen Weg, um in Harmonie mit diesen faszinierenden Tieren zu leben? Vielleicht wird der Naturfilm „Wölfe und Menschen – Wege zur Koexistenz“ von Sebastian Koerner einige Antworten liefern. In elf Modulen gibt er Einblicke in das Leben der Wölfe und ihrer Beutetiere. Ein interessantes Projekt, das sicher den einen oder anderen zum Nachdenken anregen wird. Die Rückkehr der Wölfe ist nicht nur ein Thema für die Politik, sondern auch für die Gesellschaft. Und wir sind mittendrin.