Am 21. April um 11:30 Uhr versammelten sich zahlreiche Schüler der Bismarckschule in Elmshorn, um einer besonderen Lesung von Max Czollek zu lauschen. Der bekannte Autor, Lyriker, Essayist, Herausgeber, Kurator und Podcaster trat vor dem 11. Jahrgang sowie Mitgliedern der AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und weiteren Gästen auf. Unterstützt wurde er von einem engagierten Schulorchester, das der Veranstaltung eine besondere Note verlieh.

Czollek, der sich intensiv mit der deutschen Erinnerungskultur auseinandersetzt, nutzte die Plattform, um seine kritischen Gedanken zu teilen. Er stellte fest, dass in Deutschland oft mehr Symbolhandlungen als echte, verantwortungsvolle Maßnahmen ergriffen werden. Diese Symbolik, so Czollek, könne die Untröstlichkeit der Shoah nicht ersetzen. Er warnte davor, dass marginalisierte Gruppen in der gesellschaftlichen Erzählung häufig unsichtbar gemacht werden und die Dominanzgesellschaft die Narrative bestimmt. Zudem kritisierte er, dass die „Wiedergutwerdung Deutschlands“ als Vorwand für einen neuen Nationalstolz herangezogen wird, während mehr Denkmäler gebaut werden, als Täter zur Rechenschaft gezogen werden.

Eine neue Erinnerungskultur

In seinem neuen Werk „Alles auf Anfang“, das 2025 gemeinsam mit Hadija Haruna-Oelker erscheinen wird, versucht er, eine neue Erinnerungskultur zu entwerfen, die die Stimmen der marginalisierten Gruppen einbezieht. Czollek thematisierte auch den aktuellen Rechtsruck und die besorgniserregende Zunahme rechter Gewalt, die er als ein Resultat des Scheiterns der Erinnerungskultur sieht. Mit einem scharfen Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen appellierte er an die Anwesenden, über den Umgang mit historischen Figuren wie Otto von Bismarck nachzudenken und empfahl, Humor als ein Mittel zur Reflexion zu nutzen.

Die Veranstaltung wurde von Aylin Topçam und Loreley Löffler moderiert, die mit ihrem Engagement zur gelungenen Durchführung beitrugen. Die finanziellen Mittel stellte der Verein Ehemaliger, Freunde und Förderer der Bismarckschule bereit. Auch die AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sowie die Schülersprecher bedankten sich herzlich bei allen Mitwirkenden, die zum Gelingen des Tages beitrugen.

Reflexion über unsere Geschichte

Max Czollek regte mit seinen Worten zum Nachdenken an und forderte die Anwesenden auf, die Bedeutung der Erinnerungskultur kritisch zu hinterfragen. In Zeiten, in denen die gesellschaftliche Spaltung und das Erstarken rechter Ideologien immer drängender werden, ist solch eine Auseinandersetzung wichtiger denn je. Die Veranstaltung an der Bismarckschule bot nicht nur Raum für diese kritischen Gedanken, sondern auch die Möglichkeit, sich aktiv mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und die Stimmen derer zu hören, die oft nicht gehört werden.

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Die Relevanz solcher Veranstaltungen geht über die Schulgrenzen hinaus und trägt dazu bei, ein Bewusstsein für die Herausforderungen und Chancen in der deutschen Erinnerungskultur zu schaffen. Czollek fordert uns alle auf, nicht nur zuzuhören, sondern auch Verantwortung zu übernehmen und aktiv an einer inklusiven und gerechten Gesellschaft zu arbeiten.