In Kiel brodelt es. Der THW hat am letzten Spieltag gegen TBV Lemgo eine herbe Niederlage mit 31:34 hinnehmen müssen und ist damit auf den sechsten Platz in der Tabelle gefallen. Was für ein Schock für den Rekordmeister! Erstmals seit 33 Jahren wird Kiel nicht im Europapokal vertreten sein – so etwas hat man hier noch nicht erlebt. Kapitän Domagoj Duvnjak ist sichtlich betroffen und äußert seine Scham über die gelebte Saison. Es ist, als hätte die Stadt den Atem angehalten.

Trainer Filip Jicha steht nach dieser enttäuschenden Spielzeit erneut im Kreuzfeuer der Kritik. Dabei hat er im Herbst 2022 seinen Vertrag bis 2028 verlängert, doch die Frage bleibt: Wie geht es weiter mit ihm? Geschäftsführer Viktor Szilágyi gab nach der Niederlage kein klares Bekenntnis zu Jicha ab. Er verneinte zwar, das Vertrauen in den Trainer verloren zu haben, aber Garantien? Fehlanzeige. Stattdessen hob er hervor, dass das Team dringend wieder in die Spur finden müsse. „Wir arbeiten in den kommenden Tagen intensiv an den Themen“, kündigte Szilágyi an. Die Hoffnung auf eine Rückkehr in die europäische Elite bleibt – THW Kiel möchte 2027 wieder um die Qualifikation für den Europapokal kämpfen.

Ein neuer Anlauf mit Herausforderungen

Aber wie sieht die Perspektive für die kommende Saison aus? Jicha selbst rechnet mit einer stärkeren Konkurrenz und geht mit Demut in die neue Spielzeit. Ein Fünf- oder Sechskampf um den Titel steht bevor. Die Hauptkonkurrenten: Magdeburg, Berlin, Flensburg, Melsungen, Rhein-Neckar Löwen und Hannover. Der THW strebt den 24. Meistertitel an – das wäre ein echter Kracher! Um in der Bundesliga ganz oben mitzuspielen, ist eine Platzierung unter den besten zwei erforderlich, um die Champions League zu erreichen.

Die Kaderplanung zeigt einige Abgänge, die schmerzen. Torwart Niklas Landin wechselt nach Aalborg, und auch Sander Sagosen verlässt Kiel und geht zu Kolstad. Neu im Team ist der 21-jährige Elias Ellefsen á Skipagotu, ein vielversprechender Spielmacher, der sich aber erst eingewöhnen muss. Vincent Gérard, der als Ersatz für Landin eingeplant war, fällt wegen einer Adduktorenverletzung vorerst aus. Ein harter Schlag, vor allem mit dem Saisonstart beim Orlen-Cup in der Wunderino-Arena, wo es gegen HSV Hamburg und Wisla Plock geht. Auch der Supercup am 23. August in Düsseldorf gegen die Rhein-Neckar Löwen steht bereits vor der Tür – und der Druck lastet schwer auf den Schultern der Spieler.

Die Zukunft im Blick

Der THW hat die letzten zwei Saisons das Saisonziel verpasst, was Jicha schaden könnte. Gespräche über seine Zukunft sollen kurzfristig aufgenommen werden, wie THW-Aufsichtsratsvorsitzender Marc Weinstock verlauten ließ. Guðjón Valur Sigurðsson, der Coach des Gummersbach, gilt als Favorit für Jíchas Nachfolge. Aber noch ist nichts entschieden. Jicha zeigt sich bei den Pressekonferenzen freundlich und entspannt – ein Kontrast zu früheren Auftritten. Dennoch bleibt ein Gefühl von Unsicherheit in der Luft. Sein Spielstil wird oft als unansehnlich und kraftbetont kritisiert. Andererseits fördert er die Verjüngung des Kaders und lässt jüngeren Spielern mehr Freiraum. Spieler wie Elias Ellefsen á Skipagotu und Lukas Laube zeigen vielversprechende Leistungen. Auch U19-Weltmeister Rasmus Ankermann gehört zum Team.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Der THW Kiel steht vor einer wegweisenden Saison, die voller Herausforderungen steckt. Mit einem Kader, der viele Talente der 2000er-Jahrgänge umfasst, und der Aussicht auf weitere Zugänge wie Julian Köster und Domen Makuc ab Juli 2026, wird die Zukunft spannend. Das Ziel ist klar: Kiel will zurück an die Spitze und in die Champions League. Die Fans warten gespannt auf die ersten Spiele und hoffen auf eine Wende in der Geschichte des Rekordmeisters. Hier in Kiel ist die Handballleidenschaft ungebrochen – und das wird sich auch nicht ändern!