Die Situation im Nahen Osten hat sich in den letzten Tagen wieder einmal zugespitzt. Kuwait sieht sich erneut Raketen- und Drohnenangriffen ausgesetzt. Es ist nicht das erste Mal, dass der kleine Golfstaat unter derartigen Angriffen leidet. Die Luftabwehr Kuwaits ist im Dauereinsatz, doch die Herkunft dieser Angriffe bleibt unklar. Besonders alarmierend ist, dass eine Drohne am Mittwoch den internationalen Flughafen in Kuwait traf — tragischerweise gab es mindestens einen Toten und Dutzende Verletzte. Die Spannungen in der Region sind so hoch wie selten zuvor.
Das US-Militär hat sich ebenfalls in die Geschehnisse eingemischt. Sie berichteten, dass sie vier iranische Drohnen im strategisch wichtigen Bereich der Straße von Hormus abgewehrt haben. Auch die Radarstationen zur Küstenüberwachung im Iran wurden angegriffen. Diese Kampfdrohnen stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Schifffahrt dar. Seit Ende Februar 2023 haben die USA und Israel mehrere Angriffe auf iranische Stellungen durchgeführt, was die Situation zusätzlich angeheizt hat. Ironischerweise herrscht trotz dieser gegenseitigen Angriffe seit fast zwei Monaten eine Waffenruhe, die aber fragil ist. Während Teheran die Angriffe als Vergeltung für US-Militäraktionen betrachtet, sehen die USA ihre Aktionen als Selbstverteidigung. Das ist ein gefährliches Spiel mit hohen Einsätzen für alle Beteiligten.
Der Iran am Rande der Krise
Die innere Situation im Iran ist nicht weniger angespannt. Nach dem Tod von Präsident Raisi bei einem Hubschrauberabsturz sind im Juli 2024 Nachwahlen angesetzt. Die Wahlbeteiligung war in den letzten Jahren historisch niedrig — bei nur etwa 40 % im Jahr 2021. Das mangelnde Vertrauen der Bevölkerung in die Fairness und Transparenz der Wahlen zeigt sich deutlich. Dies ist symptomatisch für eine tiefere Krise im politischen System des Iran, die von einer wachsenden Wahlverweigerung begleitet wird. Reformversprechen, wie die mögliche Abschaffung der Sittenpolizei unter dem neuen Präsidenten Masoud Peseschkian, wecken zwar Hoffnungen, doch tatsächlich folgen die Entscheidungen meist den Vorgaben des mächtigen Khamenei.
Die wirtschaftliche Lage des Landes hat sich in den letzten zehn Jahren dramatisch verschlechtert, und die internationale Gemeinschaft trägt einen Teil der Verantwortung durch Sanktionen. Hohe Inflation, steigende Arbeitslosigkeit und ein wachsender Anteil der Bevölkerung, der unter der Armutsgrenze lebt, machen das Leben für viele unerträglich. Mindestens 30 % der Menschen kämpfen täglich ums Überleben. Besonders betroffen sind Regionen mit ethnischen Minderheiten, die weniger staatliche Investitionen erhalten und oft unterentwickelt sind. Proteste und Unruhen sind die Folge, und die Sicherheitskräfte reagieren mit einer brutalen Intensität, insbesondere in diesen benachteiligten Gebieten.
Ein Blick in die Zukunft
Die Spannungen zwischen dem Iran und den USA werden durch aggressive Rhetorik und militärischen Ausbau auf beiden Seiten weiter angeheizt. Der Iran verfolgt eine aggressive Außenpolitik, um einen schiitischen Einflussbereich zu schaffen, und unterstützt die sogenannte „Achse des Widerstands“. Man könnte fast meinen, das Land hat sich in einen ständigen Konflikt verstrickt — sowohl intern als auch extern. Die Islamische Revolution von 1979 hat eine lange Kette von Konflikten nach sich gezogen, die bis heute nachwirken. Die Besetzung der US-Botschaft im selben Jahr führte zur Radikalisierung und Marginalisierung moderater Kräfte im Land, und diese Dynamik ist bis heute spürbar. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird, vor allem nach den Wahlen und dem Tod von Raisi. Die Zeichen stehen auf Verhärtung — sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik.