Heute ist der 23.04.2026, und in Schleswig-Holstein nehmen zahlreiche Schülerinnen und Schüler am Girls‘ and Boys‘ Day teil. Dieses besondere Event, das seit 2001 für Mädchen und seit 2011 für Jungen durchgeführt wird, hat das Ziel, die Jugendlichen für Berufe zu begeistern, in denen ihr Geschlecht unterrepräsentiert ist. Die Veranstaltung bietet den Schülerinnen und Schülern der fünften bis zehnten Klasse die Möglichkeit, die Berufswelt hautnah zu erleben und sich ohne Geschlechterklischees zu orientieren.

In diesem Jahr sind die Orte für die Schnupperpraktika vielfältig: Von einer KfZ-Werkstatt in Busdorf über einen Entsorgungsbetrieb in Lübeck bis hin zur Bundespolizei in Flensburg und dem NDR in Kiel – die Auswahl könnte abwechslungsreicher nicht sein. Hier haben 16 interessierte Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, einen Einblick in die kreative und dynamische Welt der Medien zu gewinnen.

Berufe abseits der Klischees entdecken

Ein zentrales Anliegen des Girls‘ Day ist es, Mädchen für Berufe zu begeistern, die traditionell von Männern dominiert werden, wie etwa in technischen Werkstätten. Die Veranstaltung hat bereits dazu geführt, dass einige Teilnehmerinnen konkrete Bewerbungen bei der Bundespolizei eingereicht haben. Umgekehrt erhalten Jungen die Chance, in Bereiche wie Pflege und soziale Arbeit hinein zu schnuppern. Ein Sprecher der Diakonie in Rendsburg betont, wie wichtig es ist, dass Jungen auch soziale Berufe kennenlernen.

Das Angebot ist umfangreich: Während die Mädchen sich vor allem für MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) und Handwerksberufe interessieren, können Jungen in soziale, erzieherische und pflegende Berufe hineinschnuppern. Die Bandbreite reicht sogar bis hin zu Tätigkeiten wie Friseur oder Maskenbildner. Ein Beruf gilt als „Girls‘ Day“- oder „Boys‘ Day“-Beruf, wenn der Frauen- bzw. Männeranteil unter 40 Prozent liegt. Dies schafft eine klare Verknüpfung zwischen Geschlecht und Berufswahl.

Ein Schritt in die Zukunft

Der Girls‘ Day und Boys‘ Day sind mehr als nur Schnuppertage; sie stellen einen wichtigen Baustein zur Sensibilisierung junger Menschen dar. Die Aktion ermöglicht es, geschlechtsgeprägte Berufswahl zu hinterfragen und neue Perspektiven zu eröffnen. Laut Lydia Malin vom Institut der Deutschen Wirtschaft ist es entscheidend, dass die Berufsorientierung klischeefrei gestaltet wird, was sowohl Eltern als auch Schulen in die Verantwortung nimmt.

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Die Ergebnisse sind ermutigend, denn über 50 Prozent der teilnehmenden Unternehmen konnten potenzielle Praktikantinnen und Praktikanten kennenlernen. Dennoch gibt es auch kritische Stimmen, die befürchten, dass solche Aktionstage Rollenklischees verstärken könnten. Der Boys‘ Day hat sich zwar etabliert, wird aber oft weniger nachgefragt als der Girls‘ Day. Dabei gibt es enormes Potenzial für Männer in von Frauen dominierten Berufen, wie zum Beispiel in der Altenpflege, wo der Männeranteil gerade mal bei circa 20 Prozent liegt.

Insgesamt zeigt sich, dass sowohl der Girls‘ Day als auch der Boys‘ Day wichtige Impulse für die Berufswahl junger Menschen setzen. Mit über 180.000 angebotenen Plätzen in 2024 sind die Aktionstage ein Schritt in die richtige Richtung, um die Geschlechterverteilung in Berufen gerechter zu gestalten und den Fachkräftemangel in wichtigen Bereichen zu bekämpfen.