Heute ist der 2.06.2026, und während in Wolfsburg die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken blitzen, sieht es im Frauenfußball des VfL Wolfsburg alles andere als rosig aus. Die Schatten der Männerabstiege werfen lange Schatten, und die Frauenabteilung spürt die Konsequenzen der sportlichen Misserfolge der Herrenmannschaft. Ein Blick in die jüngste Vergangenheit zeigt, wie schnell sich die Dinge wenden können. 2012 zog der Hamburger SV sein Frauenteam nach dem Abstieg der Männer aus der Ersten Liga zurück, und nun steht der MSV Duisburg vor einem ähnlichen Schicksal. Die Männer des VfL, nach 29 Jahren in der Ersten Liga, müssen nun in die Zweite Liga und bringen auch die Frauen in Bedrängnis. Der Etat von Hauptsponsor Volkswagen wird drastisch von 80 auf 55 Millionen Euro gekürzt, und das hat auch die Frauenabteilung zu spüren bekommen. Ihr Budget sinkt auf geschätzte 5-7 Millionen Euro.

Stephan Lerch, der Trainer der Frauen, hat die Situation klar erkannt und sieht den FC Bayern München als die Benchmark im deutschen Frauenfußball an. Doch während andere Vereine sich verstärken, verliert der VfL Wolfsburg Topspielerinnen wie Lineth Beerensteyn, Caitlin Dijkstra und Vivien Endemann. Der Wechsel von Rekordspielerin Alexandra Popp und Sportdirektor Ralf Kellermann zu Borussia Dortmund ist ein weiterer herber Rückschlag. Popp spricht vom Erfüllen eines Kindheitstraums, während Kellermann, der seit über zwei Jahrzehnten für den Verein arbeitet, eine strategische Entscheidung getroffen hat. Sein Einfluss auf den Frauenfußball beim VfL Wolfsburg ist unbestritten – er hat mit dem Team insgesamt 20 Titel gewonnen, darunter sieben Meisterschaften und zwei Champions-League-Triumphe. Doch jetzt, nach der 1:4-Niederlage gegen Bayern München, hat er entschieden, seinen Vertrag nicht zu verlängern und sucht eine neue Herausforderung. Vielleicht geht es für ihn zu Chelsea in die Women’s Super League.

Kritik an der Infrastruktur und mangelnde Fortschritte

Einen weiteren Knackpunkt stellt die Infrastruktur des VfL Wolfsburg dar. Diese wird als veraltet beschrieben, und unter Geschäftsführer Peter Christiansen hat sich wenig getan. Junge Talente und Topspielerinnen zögern, nach Wolfsburg zu wechseln, was die sportliche Konkurrenzfähigkeit gefährdet. Vanessa Bernauer, die neue Direktorin für Frauenfußball, hat nun die Aufgabe, frischen Wind in die Abteilung zu bringen. Zuvor arbeitete sie beim FC Zürich als Sportkoordinatorin und kehrt nun mit großen Erwartungen zurück. Ob ihr neuer Ansatz jedoch ausreicht, um den VfL Wolfsburg wieder in die obere Tabellenregion zu katapultieren, bleibt abzuwarten.

Die Situation im deutschen Frauenfußball ist insgesamt angespannt. Laut einer McKinsey-Studie steht die Frauen-Bundesliga am Scheideweg. Co-Autorin Caroline Meder hebt hervor, dass es an der Zeit ist, eine eigene Identität zu entwickeln, die sich vom Männerfußball abhebt. Es braucht eine starke Fangemeinde und kontinuierliche internationale Erfolge, um langfristig erfolgreich zu sein. Während die Bundesliga ihren Umsatz in den letzten fünf Jahren verdoppelt hat, zeigt die allgemeine Zuschauerzahl eine besorgniserregende Abschwächung. Viele Erstliga-Vereine arbeiten nicht kostendeckend und sind auf die Einnahmen der Männer-Profiteams angewiesen. Ein Wachstumsplan soll im kommenden Februar beim DFB verabschiedet werden, aber die Frage bleibt: Kann der VfL Wolfsburg seine Frauenabteilung neu erfinden und die Fans zurückgewinnen?

Die Herausforderungen sind groß, und die nächsten Monate werden entscheidend sein für die Zukunft des Frauenfußballs in Wolfsburg und ganz Deutschland.

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