Das frühere C&A-Grundstück in Wilhelmshaven ist mehr als nur ein ungenutzter Fleck Erde. Es steht symbolisch für gebrochene Versprechen und die Sehnsucht nach einer lebendigen Stadtentwicklung. Die Ratsgruppe „Gemeinsam Bunt“ gibt sich nicht geschlagen und fordert von der Stadt, endlich Bewegung in die Sache zu bringen. Es ist schon fast ein bisschen tragisch: 2015 wurde das C&A-Gebäude mit einer Abrissparty gefeiert, und nun, mehr als acht Jahre später, gibt es nur leere Versprechungen und gescheiterte Projekte zu vermelden. Ein luxuriöses Seniorenheim sollte einmal dort entstehen, doch der Investor ging pleite. Das Grundstück wurde sogar als wilder Parkplatz genutzt, bis die Stadt schließlich Betonblöcke aufstellte, um dem Treiben Einhalt zu gebieten.

Nach dem Abriss und der Feierlaune folgten zahlreiche Rückschläge. 2019 wurde das Gelände für den Tag der Niedersachsen planiert, aber auch das war eher von kurzer Dauer. Nun diskutiert der Planungsausschuss der Stadt erneut über die Zukunft des Areals. Andreas Tönjes von „Gemeinsam Bunt“ hat klare Vorstellungen: eine städtebauliche Neuordnung und eine Überarbeitung des Bebauungsplans von 2008. Vorschläge gibt es viele, darunter ein Baugebot, das den Eigentümer zum Handeln innerhalb einer bestimmten Frist zwingen könnte. Stadtbaurat Nikša Marušić sieht Potenzial auf dem Grundstück, fordert aber auch von den Verantwortlichen, endlich in die Gänge zu kommen. „Viel möglich“, sagt er, und man fragt sich, was das genau heißen soll.

Ein langer Weg zur Belebung

In den letzten 18 Jahren hat sich hier einiges getan – oder eben nicht getan. Nach dem Auszug von C&A gab es Überlegungen zur Nachnutzung, die aber allesamt im Sande verliefen. Ein weiterer Versuch, eine Seniorenresidenz zu errichten, endete in der Insolvenz des Investors Terragon. Es ist fast schon komisch, wie die Stadt Wilhelmshaven zwei Zwangsversteigerungsverfahren einleitete, diese aber absagte, weil die Gläubigerbank ihre Forderungen beglichen hat. Ein Kaufangebot aus dem Jahr 2023 blieb unbeantwortet – ein weiteres Zeichen für die chaotischen Zustände.

Der Antrag von „Gemeinsam Bunt“ fand im Ausschuss nicht die erhoffte Unterstützung. Einige Mitglieder sahen keine Notwendigkeit für die vorgeschlagenen Maßnahmen. Nur die SPD sprach sich für den Antrag aus und bezeichnete die Situation als unhaltbar. Ein bisschen frustrierend ist das schon. Man fragt sich, wie lange noch gewartet werden soll, bis endlich etwas passiert.

Stadtentwicklung im Kontext

Und während Wilhelmshaven auf der Stelle tritt, gibt es auf bundespolitischer Ebene interessante Entwicklungen. Der Stadtentwicklungsbericht 2020 der Bundesregierung zeigt, dass die Nachfrage nach Wohnraum in Deutschland steigt. Immer mehr Menschen zieht es in Großstädte, und selbst mittlere und kleine Städte erleben einen Zuwachs. Die Corona-Krise könnte diesen Trend sogar noch verstärken. In diesem Kontext stellt sich die Frage, wie Städte wie Wilhelmshaven auf diese Herausforderungen reagieren können.

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Der Bund hat seit 2018 jährlich rund 790 Millionen Euro für die Städtebauförderung bereitgestellt, um Kommunen bei der Aktivierung von Bauland zu unterstützen. Programme wie „Sozialer Zusammenhalt“ oder „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ könnten auch für Wilhelmshaven Möglichkeiten bieten. Es bleibt spannend, ob die Stadt die Chance ergreift, das C&A-Grundstück neu zu beleben oder ob es weiterhin ein Beispiel für Stillstand und gebrochene Versprechen bleibt.