Es ist schon fast unfassbar, wie schnell die Zeit vergeht – am 9. Mai 2026, also morgen, wird eine ganz besondere szenische Lesung in der Kulturetage in Oldenburg stattfinden, die die Herzen berührt und zum Nachdenken anregt. „Still Moving“ heißt das Stück, das von der Initiative Balkanbrücke in Zusammenarbeit mit der Studiobühne Köln auf die Bühne gebracht wird. Der Anlass? Zehn Jahre nach den Migrationsbewegungen entlang der Balkanroute. Ein Thema, das uns alle betrifft und das nicht aus den Schlagzeilen verschwindet.
Von 19:00 bis Mitternacht kann man dabei sein, wenn Geschichten von Flüchtenden und ihren Unterstützer:innen erzählt werden. Und glaubt mir, diese Geschichten sind nicht einfach nur Zahlen oder Statistiken. Es sind echte Erlebnisse, die durch Interviews, Erfahrungsberichte und künstlerische Interventionen lebendig werden. Hier wird nicht nur über die Geschehnisse entlang der Balkanroute seit der Schließung 2016 gesprochen, sondern auch auf die Mechanismen des europäischen Migrationsregimes hingewiesen. Ein Thema, das oft untergeht in der politischen Diskussion.
Tickets und Preise
Die Ticketpreise sind mehr als fair: 10 Euro für den Normalpreis, ermäßigt 5 Euro und für diejenigen, die etwas mehr geben möchten, gibt es das Soliticket für 20 Euro. Tickets sind unter kulturetage.reservix.de erhältlich. Die Einnahmen fließen an Balkanbrücke-Partnerprojekte und die Such- und Rettungseinsätze von Compass Collective im Mittelmeer. Hier wird also nicht nur Kunst gefeiert, sondern auch aktiv geholfen – eine Wohltat in Zeiten, in denen man oft nur zuschaut.
Unterstützt wird die Veranstaltung durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie Leben!“. Ein wichtiges Signal, dass die Themen Migration und Integration auch in der Politik Gehör finden. Denn es gibt viel zu tun. Die Herausforderungen, die sich durch Migration in der EU ergeben, sind gewaltig. Seit den 1990er Jahren beschäftigt sich die EU intensiver mit diesem Thema. Die Konflikte im ehemaligen Jugoslawien haben damals den ersten Stein ins Rollen gebracht.
Ein Blick auf die Hintergründe
Die Flüchtlingskrise von 2015 hat das Thema Migration in den Vordergrund gerückt – über zwei Millionen Menschen suchten damals Schutz in Europa. Ein Umstand, der nicht nur die Politik, sondern auch die Bevölkerung vor neue Herausforderungen stellte. Grenzschutz wurde ein zentrales Anliegen. Das Schengener Abkommen, das Reisefreiheit innerhalb der EU ermöglicht, steht demgegenüber. Es ist ein kompliziertes Zusammenspiel von Freiheit und Sicherheit, das oft in den Medien diskutiert wird.
Die Mechanismen, die in der EU zur Regelung von Asylverfahren geschaffen wurden, sind jedoch nicht ohne Kritik. Das Dubliner Übereinkommen sorgt bis heute für eine ungleiche Verteilung von Flüchtlingen und hat in der Vergangenheit zu Überlastungen in vielen Ländern geführt. Deutschland konnte 2023 nicht einmal jede zehnte Person an das zuständige EU-Land übermitteln. Diese Zahlen können einen schon nachdenklich stimmen.
Schließlich bleibt die Migrationspolitik eine der größten Herausforderungen für die EU. Mit unterschiedlichen Interessen der Mitgliedstaaten ist es keine leichte Aufgabe, eine einheitliche Linie zu finden. Umso wichtiger sind Veranstaltungen wie „Still Moving“, die auf diese Themen aufmerksam machen und den Dialog fördern. Wenn du also morgen Zeit hast, geh hin – vielleicht wird die Lesung dein Herz erreichen und dein Denken anstoßen.