Vor der Küste Wilhelmshavens entfaltet sich zurzeit ein beeindruckendes Szenario, das nicht nur Einsatzkräfte, sondern auch interessierte Zuschauer in seinen Bann zieht. Die jüngste SAREx-Übung (Search and Rescue Exercise) simuliert Notfälle auf der Nordsee, wobei zwei Havaristen und mehrere Schwerverletzte im Mittelpunkt stehen. Mit dabei sind die Rettungskräfte der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sowie ein Hubschrauber, die für eine realitätsnahe Durchführung der Übung sorgen. Die Übung läuft von Mittwoch bis Sonntag und zieht insgesamt 80 Vertreter verschiedener Rettungseinheiten und etwa 20 externe Kräfte, darunter Verletztendarsteller, an.
Das Ziel dieser groß angelegten Übung ist es, Stresssituationen zu simulieren, um die Teilnehmer optimal auf den Ernstfall vorzubereiten. Fehler sind ausdrücklich erlaubt, denn nur durch sie kann man lernen und sich verbessern. Die Organisatoren ziehen ein positives Fazit über den bisherigen Verlauf der Übung, die sich durch die Komplexität der Szenarien auszeichnet. Schiffe der Rettungseinheiten machen an der Flutmole fest, während Neulinge und leitende Beobachter an Bord sind, um eine umfassende Auswertung durchzuführen. Es ist bereits die sechste SAREx auf der Nordsee und solche Übungen finden zweimal jährlich statt – einmal in der Ostsee und einmal hier in der Nordsee.
Realitätsnahe Herausforderungen
Am zweiten Übungstag meldet eine Kutterbesatzung eine Notlage, die die ohnehin angespannten Nerven der Einsatzkräfte zusätzlich auf die Probe stellt. Ein Fischkutter treibt ohne Fahrt in Richtung Muschelbänke, während die freiwillige Seenotretterin Sabrina Most ihren Kollegen Jannick Budahn auf der MERVI ablöst. Bei der Annäherung an das Havaristen hören die Seenotretter markerschütternde Schreie und sehen eine Frau, die hektisch winkt. Diese Frau gehört zu den Verletztendarstellern des Teams ETG (Emergency Training Group) von I.S.A.R. Germany und spielt eine entscheidende Rolle in der Simulation.
In dieser „Chaosphase“ erkunden Sabrina Most und Dennis Angenendt die Lage an Bord des Havaristen. Wichtige Fragen müssen schnell geklärt werden: Wer befindet sich an Bord? Gibt es Vermisste? Wie ist der Zustand des Schiffes, und welche Gefahren drohen? Die Einsatzkräfte müssen auf mögliche medizinische Notfälle vorbereitet sein, die von Unterkühlungen über offene Brüche bis hin zu Schädel-Hirn-Traumata reichen können. Die Notfälle können überall auftreten – sei es an Deck, im Maschinenraum oder sogar im Wasser.
Kooperation und Effizienz
Die Übung betont die Notwendigkeit der Flexibilität der Einsatzkräfte, denn die Einsatzlage kann sich während der Übung rasch ändern. Technische Herausforderungen wie Wassereinbruch und Drift in Gefahrenbereiche sind nur einige der Probleme, die gelöst werden müssen. Die psychosozialen Elemente der Übung sind ebenso von Bedeutung, da die Verletztendarsteller Ängste, Verwirrung und Überforderung simulieren, um die Realität so nah wie möglich abzubilden.
Ein weiterer Aspekt der maritimen Sicherheit zeigt sich in der Übung „Role2Sea 2025“, die Teil der Übungsserie „Quadriga 2025“ der Bundeswehr ist. Hier wurden Maritime Incident Response Groups (MIRG) eingesetzt, um die Rettungskette auf See realistisch zu erproben. Ziel war die Erstversorgung an Bord und der Transport von Verletzten ins schwimmende Rettungszentrum auf dem Einsatzgruppenversorger FRANKFURT AM MAIN. Solche Übungen verdeutlichen, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Marine, zivilen Rettungskräften und dem Havariekommando ist, um im Ernstfall schnell und effektiv handeln zu können.
Insgesamt zeigt die SAREx-Übung vor Wilhelmshaven eindrucksvoll, wie engagiert die freiwilligen Helfer und professionellen Retter sich auf die Herausforderungen der Seenotrettung vorbereiten. Ihre Bereitschaft, Urlaub zu opfern und Freizeit für eine solch wichtige Aufgabe einzusetzen, ist bewundernswert und zeigt den hohen Stellenwert, den die Sicherheit auf See hat.