Wilhelmshaven, 7. Juni 2026 – Die aktuellen Zahlen zu politisch motivierten Straftaten in Niedersachsen sind alarmierend. Im Jahr 2025 wurden in Friesland und Wilhelmshaven insgesamt 245 solcher Taten registriert. Das ist ein enormer Anstieg von 57 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als 156 Fälle dokumentiert wurden. Die Polizei ist besorgt über diese Entwicklung und beobachtet sie genau. Vor allem der Anstieg der rechtsmotivierten Straftaten sticht ins Auge. Hier gab es einen Anstieg von etwa 25 Prozent, von 75 auf 94 Fälle. Aber auch linke Straftaten haben sich vervierfacht: von 11 auf 44 Fälle. Das ist schon eine Hausnummer!
Die Zunahme von Straftaten im Zusammenhang mit „ausländischer Ideologie“ ist ebenfalls bedenklich. Hier stiegen die Fälle von 8 auf 36, was oft mit den internationalen Konflikten, wie dem Krieg in der Ukraine oder dem Nahost-Konflikt, in Verbindung gebracht wird. Religiös motivierte Straftaten blieben mit 2 bzw. 3 Fällen auf einem niedrigen Niveau. In der Kategorie „sonstige Zuordnung“ wurden 68 Fälle registriert, ein Anstieg von 8 Fällen im Vergleich zu 2024, wo es 60 gab. Die Polizei spricht von einem „eindeutigen Warnsignal“ für das demokratische Zusammenleben, wie auch Innenministerin Daniela Behrens zu bedenken gab.
Ein Blick auf die bundesweiten Zahlen
Und nicht nur in Friesland und Wilhelmshaven sieht es düster aus. Insgesamt wurden in Niedersachsen 2025 landesweit 8.309 politisch motivierte Straftaten registriert. Das sind Zahlen, die einem schon ein mulmiges Gefühl geben. Bundesweit, wie in einer Pressemitteilung des Bundeskriminalamtes vom 20. Mai 2025 vermerkt, gab es 84.172 politisch motivierte Straftaten – der höchste Stand seit Einführung der Statistik im Jahr 2001! Ein Anstieg von 40,22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Darunter sind auch 4.107 Gewalttaten zu verzeichnen, was einem Anstieg von 15,33 Prozent entspricht.
Besonders besorgniserregend ist die Zunahme antisemitischer Straftaten. 6.236 solcher Taten wurden 2024 verzeichnet, was einen Anstieg von knapp 21 Prozent im Vergleich zu 2023 bedeutet. Das sind nicht nur Zahlen, das sind Schicksale. Holger Münch, der Präsident des Bundeskriminalamtes, betont, dass wir innere und äußere Sicherheit zusammen denken müssen. Ein Aufruf zur Wachsamkeit in stürmischen Zeiten, in denen die gesellschaftlichen Spannungen spürbar zunehmen.
Ein gesellschaftliches Phänomen
Die politischen und gesellschaftlichen Spannungen, die durch Wahlen und internationale Konflikte geschürt werden, sind nicht zu übersehen. 2025 war ein Bundestagswahljahr – Traditionell ein Zeitraum, in dem die Emotionen hochkochen und die Menschen sich polarisiert positionieren. Das zeigt sich auch in der Zunahme von Straftaten im Bereich „Konfrontation/Politische Einstellung“, die um knapp 54 Prozent zugenommen hat. Ein Drittel der Hasskriminalität geschieht mittlerweile im Internet. Das ist schon erschreckend, wenn man bedenkt, wie schnell sich solche Einstellungen verbreiten können.
Die Entwicklung politisch motivierter Kriminalität erfordert ein Umdenken – nicht nur bei den Sicherheitsbehörden, sondern auch in der Gesellschaft. Wir müssen uns fragen, wie wir mit diesen Herausforderungen umgehen und was es für unser Zusammenleben bedeutet. Die Zunahme von Hass und Intoleranz ist ein Thema, das uns alle angeht. Denn letztlich geht es um unsere Werte und den sozialen Frieden, den wir uns bewahren wollen.