In der Kunsthalle Wilhelmshaven gibt es derzeit eine ganz besondere Ausstellung, die jeden Kunstliebhaber und Strandfan ins Schwärmen bringen sollte: „Jeewi Lee – Where Fragments Linger by the Sea“. Bis zum 21. Juni 2026 können Besucher in die faszinierende Welt des Sandes eintauchen – und glauben Sie mir, das ist nicht nur ein Haufen Körner, der da herumliegt! Die Künstlerin Jeewi Lee hat sich auf die Suche nach den verschiedenen Facetten des Sandes gemacht und dafür an Stränden rund um den Globus Sandkörner gesammelt. Von Mallorca über Korea bis hin zu Wilhelmshaven – jeder Sandkorn hat seine eigene Geschichte. Und das wird auch in der Ausstellung deutlich.

Die Arbeiten von Jeewi Lee sind weit mehr als nur Skulpturen oder Gemälde; sie sind ein tiefgründiges Spiel mit Erinnerungen, Zeitlichkeit und der Natur. In Zusammenarbeit mit dem Geometriewissenschaftler Phillip C. Reiner hat sie eine beeindruckende Technik entwickelt, die CT-Scan-Technologie sowie Sanddruckverfahren nutzt, um ihre monumentalen Skulpturen zu erschaffen. Diese kunstvollen Kreationen, die oft einen Durchmesser von etwa einem Meter erreichen und stolze 180 kg wiegen, erinnern an Mondkugeln und laden dazu ein, die Komplexität und Vielfalt der Sandkörner unter die Lupe zu nehmen. Ein echtes Schwergewicht unter den Kunstwerken – im wahrsten Sinne des Wortes!

Kunst trifft auf Alltag

Was ich besonders spannend finde, ist die Verbindung, die Jeewi Lee zwischen Kunst und dem alltäglichen Material Sand herstellt. Sand ist nicht nur ein Werkzeug in der Kunst, sondern auch eine essentielle Ressource für unser tägliches Leben. Wussten Sie, dass wir im Durchschnitt etwa 18 Kilogramm Sand pro Tag verbrauchen? Das summiert sich auf ganze 50 Milliarden Tonnen jährlich weltweit! Dabei wird Sand für alles Mögliche verwendet – vom Bau über Mikrochips, bis hin zu Kosmetik. Sogar bei der Errichtung des Jade-Weser-Ports hier in Wilhelmshaven spielte Sand eine entscheidende Rolle. Da wird einem erst richtig bewusst, wie sehr wir mit diesem scheinbar gewöhnlichen Material verbunden sind.

In der Ausstellung werden nicht nur die Skulpturen bewundert, sondern auch abstrakte Sandmalereien, die auf die unendlichen Möglichkeiten von Sand hinweisen. Lee thematisiert die Symbolik des Sandes, der für Unendlichkeit, Unzählbarkeit und Alltäglichkeit steht. Komischerweise denkt man oft nicht über die Ursprünge und die Geschichten nach, die in einem Sandkorn stecken – und genau hier setzt Lee an. Ihre Werke laden dazu ein, die Sandkörner als Nomaden zu betrachten, die menschliche Einflüsse und sich wandelnde Landschaften in sich tragen. Es ist eine Art meditative Erfahrung, die den Betrachter zum Nachdenken anregt.

Ein Raum der Reflexion

Die Ausstellung selbst schafft einen fast schon hypnotischen Raum, in dem man sich verlieren kann. Die Werke sind fast monochrom, und der Besucher wird förmlich in die Stille und die Einfachheit des Materials hineingezogen. Es ist, als ob die Zeit stillsteht und man die Möglichkeit hat, über seine eigene Beziehung zu diesem alltäglichen Material nachzudenken. Ein besonderes Highlight ist die große Skulptur, die aus einem Sandkorn vom Wilhelmshavener Südstrand entstanden ist. So wird der lokale Bezug zur Kunst besonders greifbar.

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Ehrlich gesagt, es ist die erste institutionelle Ausstellung von Jeewi Lees Sand-Arbeiten, und sie hat schon jetzt große mediale Aufmerksamkeit erregt. Die nächste Präsentation ihrer Werke wird für 2024/2025 in der Berliner Galerie Sexauer erwartet – ich bin gespannt, wie diese neue Bühne ihre kreativen Ideen hervorheben wird.

Wer also in der Umgebung von Wilhelmshaven ist oder einfach nur einen Ausflug plant, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, diese einzigartige Ausstellung zu besuchen. Sand ist nicht nur ein Baustein der Erde, sondern auch ein faszinierendes Medium der Kunst. Und wer weiß, vielleicht entdeckt man beim nächsten Strandbesuch das Sandkorn, das einen ganz neuen Blick auf die Welt eröffnet.