Heute ist der 29.04.2026 und in Hannover, Niedersachsen, versammelten sich rund 1.000 Beschäftigte aus der Theaterlandschaft, um ein starkes Zeichen für die Zukunft der Kultur zu setzen. Organisiert vom Aktionsbündnis #rettedeintheater, sind die Demonstrierenden aus verschiedenen Institutionen angereist, darunter das Deutsche Theater Göttingen, die Landesbühne Wilhelmshaven sowie die Theater in Osnabrück und Lüneburg. Die Sorgen um die Theater sind groß: Immer mehr Einrichtungen berichten von finanziellen Engpässen, die ihre Existenz bedrohen.
Erich Sidler, Intendant des Göttinger Theaters, ließ in seinem Redebeitrag verlauten, dass betriebsbedingte Kündigungen drohen, sollte die Landesregierung nicht endlich die Zuschüsse erhöhen. Die Verantwortungslosigkeit der Politik wird lautstark kritisiert, insbesondere die Tatsache, dass das Land Niedersachsen seit sechs Jahren die Tarifsteigerungen für Löhne nicht vollständig abdeckt. Ulrich Mokrusch, Intendant in Osnabrück, forderte zudem die Einhaltung des Tarifvertrags, um die angespannte Lage zu entschärfen.
Finanzierung in der Krise
Kulturminister Falko Mohrs (SPD) brachte in einem Statement zum Ausdruck, wie wichtig die Theater für Niedersachsen sind. Doch trotz seiner Worte sind die Taten bislang ausgeblieben: Während die jährlichen Zuwendungen für sieben Kommunaltheater um fast 20 Prozent erhöht wurden, bleibt die Finanzierung des Theaters in Göttingen nur bis zum Sommer 2027 gesichert. Diese Unsicherheit wirft Fragen auf und lässt die Teilnehmer der Demonstration nicht zur Ruhe kommen.
Um die Forderungen nach mehr Unterstützung öffentlich zu machen, haben die Theater eine Postkartenaktion ins Leben gerufen, die im Mai in die Tat umgesetzt werden soll. Auch die Bürger sind aufgerufen, ihre Stimme zu erheben und sich für die Kultur einzusetzen. Die Diversität der Theaterszene in Niedersachsen, zu der unter anderem das Schauspiel Hannover, das Oldenburgische Staatstheater und die Kunstfestspiele Herrenhausen gehören, steht auf der Kippe.
Ein Aufruf zur Veränderung
Der Arbeitskreis niedersächsischer Kulturverbände e. V. (akku) hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet und fordert ein stärkeres Engagement der niedersächsischen Landesregierung für die Kultur. Anlass ist der Haushaltsentwurf 2025 sowie die mittelfristige Planung bis 2028, die als Fortführung einer jahrelangen Unterfinanzierung interpretiert wird. Niedersachsen steht im Bundesvergleich an vorletzter Stelle der Pro-Kopf-Ausgaben für Kultur, was alarmierende Dimensionen annimmt.
Die akku-Vertreter sehen es als essenziell an, dass der einmalig beschlossene Mittelaufwuchs für die Kultur in Höhe von 5 Millionen Euro für 2024 verstetigt wird. Die institutionelle Förderung der im akku vertretenen Kulturfachverbände muss gesichert und dynamisiert werden, um die Vielfalt von rund 1.200 freien Kulturträgern in Niedersachsen zu bewahren. Diese reichen von Musik- und Kunstschulen über soziokulturelle Zentren bis hin zu Museen und freien Theatergruppen.
Die Unterfinanzierung gefährdet nicht nur die Theater, sondern auch die kulturelle Landschaft insgesamt. Im Museumsbereich fehlen Mittel zur Verstetigung eines etablierten Qualifizierungsangebots für über 700 Museen. Der kulturelle Reichtum Niedersachsens ist in Gefahr, und es liegt an der Landesregierung, die Weichen für eine bessere Zukunft zu stellen.
Die aktuelle Situation ist ein klarer Weckruf: Es ist Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen und die Bedeutung der Kultur in Niedersachsen zu erkennen und zu fördern. Nur so kann die Vielfalt und Lebendigkeit der Kultur in dieser Region gesichert werden.