In Niedersachsen brodelt es unter der Oberfläche des Pferdesports. Ein professionelles Trainerpaar, bekannt als Bereiter, sieht sich schwerwiegenden Vorwürfen der Tierquälerei ausgesetzt. Die ehemaligen Pferdepflegerinnen Sherelyn Yegin und Lucy Büker haben Mut gefasst und zeigen auf, was in einem Ausbildungsstall geschehen sein soll. An einem Ort, dessen genaue Bezeichnung wir aus rechtlichen Gründen nicht nennen dürfen, berichten die beiden von schockierenden Vorfällen, die bei jedem Pferdeliebhaber Gänsehaut auslösen dürften.
Yegin schildert einen Vorfall, der das Blut in den Adern gefrieren lässt: Ein Pferd sei mehrfach mit einer Schaufel geschlagen worden. Und das ist nicht alles. Bei Ungehorsam der Tiere, so die Pflegerinnen, wurde häufig zur Peitsche gegriffen. Es scheint, als sei der Umgang mit den Tieren von einer brutalen Härte geprägt gewesen. „Die Pferde wurden so ‚gebrochen‘, dass sie alles gemacht haben“, sagt Yegin. Um Beweise für die Misshandlungen zu sichern, haben die beiden Pflegerinnen heimlich Fotos gemacht – Bilder, die Verletzungen an Flanke, Hinterteil und Maulwinkel zeigen und die dem NDR vorliegen. Aber das Bereiterpaar wies die Anschuldigungen vehement zurück und behauptet, die Fotos könnten keinem der Berittpferde zugeordnet werden.
Die Reaktion der Behörden
Eine unangekündigte Kontrolle durch das Kreisveterinäramt brachte zunächst Entwarnung: Es wurden keine Verletzungen an den Berittpferden festgestellt. Dennoch zeigt das Geschehen, wie wichtig regelmäßige Kontrollen im Pferdesport sind. Michael Köhler, Präsident der Gesellschaft für Pferdemedizin, betont, dass Hilfen des Reiters keine Schmerzen verursachen dürfen. Und auch wenn der Einsatz von Sporen, Peitsche und Schlaufzügeln nicht verboten, aber umstritten ist, bleibt die Frage, wie diese Hilfsmittel tatsächlich eingesetzt werden dürfen.
Die Vorwürfe gegen die Bereiter fallen in eine Zeit, in der die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) ihre Sanktionsregelungen bei Verstößen gegen das Tierwohl verschärft hat. Ab dem 1. Januar 2026 wird ein erweiterter Strafrahmen in Kraft treten, der eine maximale Geldbuße von 50.000 Euro vorsieht. Bei besonders schwerwiegenden Verstößen ist eine Sperre von mindestens zwölf Monaten vorgesehen. Der Präsident der FN, Prof. Dr. Martin Richenhagen, unterstützt diese Maßnahmen und hebt die Bedeutung des Tierwohls im Sport hervor. Es wird also ein Umdenken gefordert – nicht nur bei den Trainern, sondern auch bei den Pferdebesitzern, die eine Hauptverantwortung tragen und regelmäßig ihren Ausbildungsstall besuchen sollten.
Ein Aufruf zur Achtsamkeit
Yegin und Büker wünschen sich, dass Pferdebesitzer mehr auf ihre Tiere achten. Die beiden Pflegerinnen haben lange geschwiegen, aus Angst oder vielleicht aus Unwissenheit – Lucy Büker gestand, dass sie anfangs keine Erfahrung hatte und dachte, die Behandlung der Pferde sei normal. Ein gefährlicher Irrtum, der nicht nur die Tiere, sondern auch die Integrität des gesamten Sports in Frage stellt. Komischerweise wird das Thema Tierschutz oft erst dann relevant, wenn die ersten Skandale ans Licht kommen. Dabei fangen die Probleme im Reitsport bereits im Breitensport an.
Die Debatte über die Misshandlungen in Niedersachsens Ausbildungsstall wirft einen Schatten auf die gesamte Pferdesportbranche. Es bleibt zu hoffen, dass die neuen Regelungen der FN nicht nur leere Worte bleiben, sondern tatsächlich zu einem Umdenken führen. Die Aufarbeitung von Vorfällen wie diesen könnte der erste Schritt in eine neue Ära des respektvollen und verantwortungsbewussten Umgangs mit unseren vierbeinigen Freunden sein.