In Ostfriesland brodelt es, und das nicht nur wegen der frischen Nordseeluft. Am vergangenen Sonntag, einen Tag vor dem Weltmilchtag, haben etwa 16 Landwirte in der Region eine eindrucksvolle Protestaktion gestartet. Rund 30.000 Liter Milch wurden auf einem Acker im Landkreis Aurich versprüht. Ein Bild, das sich in das Gedächtnis einbrennt! Die Aktion war nicht nur ein spontaner Aufschrei, sondern Teil eines größeren europäischen Protests, der die Untätigkeit in der Agrarpolitik anprangert. Hinter der Aktion steht der Bund der Milchviehhalter (BDM), dessen Sprecher klarstellt: Die Verschwendung findet im Markt und nicht auf dem Feld statt.
Unter den rund 120 Protestierenden war auch Peter Habbena, ein Landwirt, der die fehlende Verantwortung in Berlin und Brüssel scharf kritisierte. „Es ist einfach nicht mehr tragbar, wie wir behandelt werden“, klagte er. Die Milchpreise sind im Keller; kein deutscher Landwirt erhält mehr als 48 Cent pro Liter, und in Ostfriesland sind es sogar nur magere 38 Cent. Im Februar waren es noch 32 Cent, und das bei ständig steigenden Kosten für Energie, Futter und Stallbau! Viele Betriebe stehen vor existenzbedrohenden Situationen. Ein Dilemma, das die Bauern nicht länger hinnehmen wollen.
Forderungen der Landwirte
Die Landwirte, die sich versammelt haben, fordern faire Preise und eine grundlegende Reform der Marktordnung. Aktuell sind sie verpflichtet, ihre Milch an nahegelegene Molkereien ohne Preis- und Zeitgarantie anzubieten. Diese „Lieferung ins Blaue hinein“ muss ein Ende haben, so der BDM. An anderer Stelle in Cloppenburg forderten Dutzende Bauern ebenfalls faire Preise. Die Stimmung ist angespannt, und die Bauern bereiten sich auf weitere Protestaktionen vor. Sie lassen sich nicht einschüchtern und beobachten genau, was in den Verhandlungen zwischen Molkereien und Einzelhändlern passiert.
Die Ministerin für Agrarpolitik, Barbara Staudte, hat bereits angekündigt, in Berlin Druck zu machen. Die Milchbauern sind sich einig: So kann es nicht weitergehen! Und die Zahlen sprechen für sich. In der jüngsten Milchgeldabrechnung gab es keine gravierenden Abschläge. Zwar haben einige Molkereien, wie Friesland-Campina und DMK, erste Aufpreise gewährt, aber der Weg zur Stabilität ist noch weit. Die Milchproduktion bleibt unter der Rentabilitätsgrenze, und notwendige Investitionen in Tierwohl und Nachhaltigkeit sind für viele wirtschaftlich kaum machbar.
Ein Blick in die Zukunft
Die Situation bleibt angespannt. Die Landwirte fordern einen freiwilligen Lieferverzicht auf EU-Ebene, um die Preise zu stabilisieren. Ein neuer Weg muss gefunden werden, sonst drohen noch mehr Betriebe in die Knie zu gehen. Die Milchbauern sind leidenschaftlich und unermüdlich in ihrem Einsatz für eine gerechtere Agrarpolitik. Ob ihre Stimmen Gehör finden, steht noch in den Sternen. Doch eins ist klar: Die Milchbauern geben nicht auf – sie kämpfen weiter für ihre Existenz und die Zukunft ihrer Betriebe. Und das ist auch gut so.