Heute ist der 12.05.2026 und wir feiern den Internationalen Tag der Pflege – ein Tag, der nicht nur die wertvolle Arbeit der Pflegekräfte ins Rampenlicht stellt, sondern auch die Herausforderungen, mit denen sie täglich konfrontiert sind. Es ist an der Zeit, ein paar Fakten auf den Tisch zu legen, die uns nicht nur zum Nachdenken anregen sollten, sondern die uns auch die Augen öffnen für die Realität im Pflegeberuf.
Die neuesten Zahlen der Techniker Krankenkasse sind alarmierend: Pflegekräfte waren im Jahr 2025 im Durchschnitt häufiger krankgeschrieben als Menschen in anderen Berufen. Besonders bitter ist die Situation in der Altenpflege, wo die durchschnittlichen Fehlzeiten bei 32,7 Krankheitstagen liegen. Das zeigt, dass Pflege nicht nur ein Job, sondern eine echte Herausforderung ist. Körperliche und psychische Belastungen sind hier an der Tagesordnung, oft resultierend aus psychischen Erkrankungen oder Rücken- und Muskel-Skelett-Beschwerden, die sich aus der täglichen Arbeit ergeben. Es ist kein Wunder, dass viele Auszubildende in der generalisierten Pflegeausbildung in Niedersachsen 2022 älter als 30 Jahre waren – die Branche ist offen für Quereinsteiger, aber der Druck ist enorm.
Einblicke in die aktuelle Lage
Gut zu wissen: Die Gehälter in der Pflege haben eine positive Entwicklung durchgemacht. Pflegefachkräfte verdienen in Niedersachsen im Durchschnitt 26,68 Euro pro Stunde, was nicht zu verachten ist. Neu eingestiegene Pflegefachkräfte können mit einem Grundgehalt von etwa 3.500 Euro brutto im Monat plus Zuschlägen rechnen. Aber trotz dieser Verbesserungen bleibt die Abbruchquote bei Pflegeausbildungen hoch. Etwa jede dritte bis vierte Ausbildung wird vorzeitig abgebrochen – oft aus Gründen wie hoher körperlicher und psychischer Belastung, Schichtarbeit und dem Druck im Arbeitsalltag.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In Niedersachsen arbeiten 2023 rund 110.000 Menschen in der Altenpflege und der Bedarf an Pflegekräften wächst schneller als die Ausbildung neuer Fachkräfte. Die Zahl der Pflegebedürftigen in Niedersachsen stieg von 2021 bis 2023 um 14,8 % auf rund 623.000 Menschen. Und es wird nicht besser – Prognosen zeigen, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland sich in den kommenden Jahren weiter erhöhen wird. Bis 2055 könnte die Zahl auf bis zu 7,6 Millionen steigen. Das ist ein massiver Anstieg, der uns alle betrifft.
Politische Weichenstellungen
Gesundheitsministerin Nina Warken hat für Mai 2026 einen Gesetzentwurf zur Pflegereform angekündigt, um auf die milliardenschweren Defizite in der Pflegeversicherung zu reagieren. Diese Defizite könnten zu zusätzlichen Belastungen für Versicherte und Pflegebedürftige führen, was die gesamte Situation weiter kompliziert. Die Pflegeversicherung verzeichnete im Jahr 2025 Ausgaben von 73,8 Milliarden Euro, während die Einnahmen bei 73,3 Milliarden Euro lagen. Ein Defizit von 7,5 Milliarden Euro wird für 2026 erwartet, und Experten befürchten bis 2033 sogar ein Defizit von über 15 Milliarden Euro.
Die Diskussion um Leistungskürzungen und den Neuzuschnitt der Pflegegrade ist bereits im Gange, insbesondere für die Grade eins und zwei. Die meisten Pflegebedürftigen – rund 86 % – werden zu Hause versorgt, während etwa 800.000 Menschen in stationären Einrichtungen leben. Der Eigenanteil für Pflegeheimbewohner beträgt im Durchschnitt etwa 3.245 Euro pro Monat im ersten Jahr. Das bedeutet, dass viele Familien vor enormen finanziellen Herausforderungen stehen.
Ein Aufruf zur Unterstützung
Es ist an der Zeit, dass wir als Gesellschaft zusammenstehen, um die Pflegesituation zu verbessern. Unterstützung für ältere Menschen, soziale und medizinische Angebote sowie neue Wohnformen sind dringend nötig. Ehemalige Pflegekräfte sollen zurück in den Beruf geholt werden, und es braucht strukturelle Reformen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die Pflegekräfte leisten einen unverzichtbaren Dienst, und wir müssen alles dafür tun, dass sie die Anerkennung, Unterstützung und die Ressourcen bekommen, die sie verdienen.
Der Internationale Tag der Pflege ist nicht nur ein Datum im Kalender. Er soll uns daran erinnern, wie wichtig die Arbeit der Pflegekräfte ist, und wie dringend wir uns um ihre Belange kümmern müssen. Denn ohne sie würden viele Menschen in unserer Gesellschaft nicht die notwendige Unterstützung und Pflege erhalten, die sie brauchen – und das ist ein Grund, den Tag zu feiern!