Heute ist der 8.05.2026 und in Wilhelmshaven ist eine Ära zu Ende gegangen. Der Kriegsfischkutter „Hai IV“, der im November 2025 an seinem Liegeplatz an der Wiesbadenbrücke sank, wurde nun endgültig geborgen. Die Bergung, die am Montag vor dem 08.05.2026 begann, ist ein bedeutender Schritt für die Stadt, die sich in den letzten Monaten mit der unklaren Situation rund um das Wrack auseinandersetzen musste.
Die Bergung wurde von einer Fachfirma durchgeführt, die das Wrack in mehrere Einzelteile zerlegen musste, um es aus dem Hafenbecken zu heben. Ein komplexer und zeitintensiver Prozess, der nicht nur technische Fertigkeiten, sondern auch Geschick erforderte. Nach der erfolgreichen Bergung stehen nun noch weitere Maßnahmen an: Der Hafen muss gereinigt und der Hafengrund begradigt werden. Diese Arbeiten sind nötig, um sicherzustellen, dass die Wasserqualität nicht beeinträchtigt wird und der Hafen weiterhin ein sicherer Ort für Schiffe bleibt. Die Gesamtkosten für den Untergang und die Bergung belaufen sich auf über 500.000 Euro, wobei die Bergungskosten allein bis zu 360.000 Euro betragen.
Rechtliche Auseinandersetzungen stehen bevor
Doch es gibt auch Schattenseiten: Der Besitzer des Kutters, ein Unternehmer aus Bayern, hat auf mehrfache Aufforderungen zur Beseitigung des Schiffs nicht reagiert. Das wirft Fragen auf. Stadtvertreter haben bereits angedeutet, dass sie rechtliche Schritte gegen den Eigentümer einleiten werden, sollte dieser nicht für die Kosten aufkommen. Schließlich sind diese Summe kein Pappenstiel und die Stadt fühlt sich im Stich gelassen.
Der Grund für das Sinken des „Hai IV“ bleibt nach wie vor unklar. Vielleicht wird die Bergung mehr Licht ins Dunkel bringen, vielleicht bleibt auch dies ein Rätsel. In der Vergangenheit gab es schon einige Geschichten rund um die Kriegsfischkutter, die einst vor allem für die Fischerei genutzt wurden. Die „Hai IV“ ist Teil dieser interessanten Geschichte, die bis in die Nachkriegszeit zurückreicht. Damals wurden in Polen Nachbauten der Reichsfischkutter gefertigt, die das Erbe dieser Schiffe weitertrugen. Diese Nachbauten, auch KFK genannt, waren von 1947 bis 1950 in Städten wie Stettin und Świnoujście aktiv und sind noch heute ein Teil der maritimen Identität der Region.
Ein Stück Geschichte wird entsorgt
Die „Hai IV“ ist somit nicht nur ein Wrack, sondern auch ein Stück Geschichte. Ihre Bergung wirft auch einen Blick auf die Entwicklung der Kriegsfischkutter und deren Nachfolger, die in den letzten Jahrzehnten gebaut wurden. Von den ersten Modellen bis zu den modernen Varianten, die heute als Ka-eF-Ka bezeichnet werden, hat sich viel verändert. Es ist faszinierend, wie sich die Schifffahrt und Fischerei über die Jahre gewandelt haben, während die Erinnerung an die alten Kutter weiterlebt.
Die Bergung des „Hai IV“ wird auch als Beispiel für die Herausforderungen gesehen, die mit der Verantwortung für maritimes Erbe und Umweltschutz verbunden sind. Die Stadt Wilhelmshaven hat hier einen wichtigen Schritt getan, aber die Frage, wie mit solchen Wracks umgegangen wird, wird sicherlich auch in Zukunft für Diskussionen sorgen. Wie geht man mit der Geschichte um, die in den Wellen der Nordsee verborgen liegt?