In der kleinen Gemeinde Bassen, im malerischen Landkreis Verden, wird es bald stiller. Das „Stöbereckchen“, ein Sozialkaufhaus, das seit 15 Jahren ein Ort der Begegnung und des Schnäppchens war, muss seine Türen schließen. Ehrenamtliche Helfer, die mit viel Herz und Engagement günstige Kleidung verkauft haben, stehen nun vor einem Scherbenhaufen. Die Ursache? Der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Verden, der Träger des Kaufhauses, ist insolvent. Insolvenzverwalter der Kanzlei Kösterberner hat seit März das Ruder übernommen, doch die wirtschaftliche Perspektive bleibt trüb.
Das Ende des „Stöbereckchens“ wird Anfang Juni besiegelt, und die Ungewissheit nagt an den über zehn Ehrenamtlichen, zwei Teilzeitkräften und einer Minijobberin. Ein Blick in die Gesichter der Mitarbeiterin Claudia Wilkens offenbart eine Mischung aus Traurigkeit und Enttäuschung. Sie betont, dass das Kaufhaus sich kostendeckend getragen hat. Doch das reicht nicht, wenn die finanziellen Rahmenbedingungen nicht stimmen. Viele Ehrenamtliche fühlen sich nicht nur übergangen, sondern auch nicht gewertschätzt. Respekt – das ist das, was sie sich wünschen.
Ein Verlust für die Gemeinschaft
Die Kunden, die oft mehr als nur Kleidung in diesem kleinen Laden gekauft haben, sind ebenfalls betroffen. Für viele war das „Stöbereckchen“ ein sozialer Treffpunkt, ein Ort, an dem man sich traf, quatschte und einfach ein wenig Gemeinschaft lebte. Die Schließungsentscheidung hat viele enttäuscht. Bürgermeisterin Sandra Röse (CDU) hebt den hohen Wert des Sozialkaufhauses für die Gemeinde hervor. Ein Ort, der nicht nur durch seine günstigen Preise besticht, sondern auch durch die Menschen, die dort zusammenkommen.
Doch die Zukunft der Mitarbeitenden bleibt ungewiss. Der Insolvenzverwalter hält sich bedeckt, gibt keine Auskunft zu den Gründen der Insolvenz oder zur Zukunft der Mitarbeiter. Gespräche mit anderen Trägern sozialer Dienste laufen, doch wie das alles enden wird, bleibt im Nebel verborgen. Die Ehrenamtlichen haben bereits Kontakt zur Gemeinde Oyten aufgenommen, um eine mögliche Übernahme oder einen Neustart zu besprechen. Ein Treffen im Rathaus ist für den kommenden Montag geplant – eine kleine Hoffnung inmitten der Unsicherheit.
Ein Blick auf die größere Situation
Die Schließung des „Stöbereckchens“ ist kein Einzelfall. Die Sozialwirtschaft steht vor einer Insolvenzwelle, die nicht nur in Niedersachsen spürbar ist. Zahlungsverzögerungen von Kostenträgern und nicht refinanzierte Kostensteigerungen, insbesondere bei den Personalkosten, setzen vielen Einrichtungen zu. Viele stehen mit weniger als 90 % Auslastung da, während eine Soll-Auslastung von 95 % angestrebt wird. Das ist ein Dilemma, das sich durch die gesamte Branche zieht.
Von Januar bis Oktober 2023 haben bereits 300 Pflegeheime und 210 Pflegedienste Insolvenz angemeldet – das sind über 32.500 Plätze, die verloren gehen. Besonders betroffen sind kleine Betreiber, die oft nur einen Standort haben. Renommierte Wohlfahrtsverbände sind ebenso betroffen. Man könnte fast sagen, dass die Krise einen erheblichen Teil der sozialen Dienstleistungen erfasst hat. Die steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeitsmanagement, Digitalisierung und Transparenz fordern ihren Tribut.
Die Situation ist angespannt, und es besteht dringender Handlungsbedarf. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen gemeinsam Lösungen finden, um soziale Dienstleistungen, die für die Gesellschaft essenziell sind, zu sichern. Die Schließung des „Stöbereckchens“ ist ein Weckruf – nicht nur für Bassen, sondern für viele Gemeinden in Deutschland, die auf solche Einrichtungen angewiesen sind.