In Garrel, einem kleinen Ort im Landkreis Cloppenburg, tut sich etwas Aufregendes. Bilal Anater aus Amman, Jordanien, wird im August seine Ausbildung zum Nutzfahrzeug-Mechatroniker bei der A+T Nutzfahrzeuge GmbH antreten. Ein Schritt, der nicht nur für ihn, sondern auch für die gesamte Region wichtig ist. Denn während Bilal mehr als 4000 Kilometer reist, um seine Träume zu verwirklichen, wird gleichzeitig deutlich, wie dringend Fachkräfte in Norddeutschland benötigt werden.
Bilal hat am Goethe-Institut in Jordanien Deutsch gelernt. Das ist schon mal ein super Anfang. Aber er hat auch Bedenken, vor allem wenn es um die vielen Fachbegriffe in der Werkstatt geht. Verständlich, denn die technischen Vokabeln können selbst für Muttersprachler knifflig sein! Aber Bilal hat eine solide Grundlage: Er hat Maschinenbau studiert und plant, bald nach Garrel zu ziehen. Mit ihm haben bereits vier weitere Jordanier einen Ausbildungsvertrag im Oldenburger Münsterland unterschrieben. Ein positives Signal in Zeiten, in denen der Fachkräftemangel allgegenwärtig ist. Dennis Makselon von der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg hebt hervor, wie wichtig es ist, solche jungen Talente zu gewinnen.
Integration und Gemeinschaftsgefühl
Um Bilal und die anderen Azubis gut in die Gemeinschaft zu integrieren, sind bereits Aktivitäten geplant: Grillabende und Kontakte zu Sportvereinen sollen helfen, das Ankommen zu erleichtern. Das Projekt wird zudem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert, was zeigt, dass auch auf politischer Ebene erkannt wird, wie wichtig die Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt ist.
Doch nicht nur Bilal ist ein Teil dieser Entwicklung. In Nordost-Niedersachsen gibt es derzeit nur 13 Azubis auf 850.000 Einwohner. Das ist eine Zahl, die einem schon fast den Atem raubt. Und während die Handwerkskammer Hannover für den 1. August 785 Ausbildungsplätze meldet – 2,5% mehr als im Vorjahr – ist die Situation in der Handwerkskammer Oldenburg alarmierend: Dort wurden 726 Verträge abgeschlossen, 40 weniger als im Vorjahr. Woher sollen die Fachkräfte kommen?
Der Blick in die Zukunft
Die Mittelfristprognose des Fachkräftemonitorings zeigt, dass bis 2029 rund 530.000 Fachkräfte fehlen werden. Das sind massive Zahlen! Umso mehr ist es nötig, ungenutzte Potenziale zu identifizieren – vor allem bei Frauen, Nicht-Deutschen und älteren Arbeitnehmern. Es gibt eine klare Botschaft: Ein höherer Anteil von Frauen und Migranten in der Erwerbsbevölkerung kann langfristig helfen, die Lücken zu schließen. Und ja, die Herausforderungen sind groß, aber auch die Chancen.
Eine spannende Perspektive bietet das Fachkräftemonitoring, das unter der Leitung des Bundesinstituts für Berufsbildung und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung erstellt wird. Es analysiert die Ströme von Angebot und Bedarf auf dem Arbeitsmarkt und berücksichtigt Trends wie Digitalisierung und Klimawandel. Die Ergebnisse werden entscheidend dafür sein, wie sich der Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren entwickeln wird.
Der Strukturwandel durch Demografie, Digitalisierung und Dekarbonisierung wird nicht einfach sein, aber mit mutigen Schritten, wie dem von Bilal Anater, könnte sich vielleicht doch ein Lichtblick am Horizont zeigen. Die Region braucht Menschen wie ihn – bereit, sich den Herausforderungen zu stellen und mit frischem Wind neue Perspektiven zu schaffen. Und wer weiß? Vielleicht ist das der Beginn einer langen und erfolgreichen Reise, die nicht nur Bilal, sondern auch vielen anderen zugutekommt.