In Lüneburg, wo die sanften Hügel und die historischen Gebäude eine malerische Kulisse bieten, gibt es einen besonderen Ort, an dem Trauer und Gemeinschaft aufeinandertreffen. Hier treffen sich Witwer, die nach dem schweren Verlust ihrer Lebenspartnerinnen einen Weg suchen, mit ihrer Trauer umzugehen. Einmal im Monat verwandelt sich die Großküche einer Schule in ein lebendiges Zentrum des Austauschs und des gemeinsamen Kochens. Die Teilnehmer sind Männer, die sich in der Stille ihrer eigenen Wände oft verloren fühlen und hier, unter der Anleitung des Profikochs Winfried Marx, einen Raum finden, um nicht nur ihre Kochkünste, sondern auch ihre Emotionen zu teilen.

Werner, 77 Jahre alt, hat erst vor acht Monaten seine Frau verloren. Nach einem Umzug von Bensheim nach Lüneburg fühlt er sich in diesem neuen Lebensabschnitt oft einsam. Die Kochgruppe, in der maximal zehn Männer Platz finden, bietet ihm die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Der Abend beginnt in der Regel mit einem frischen Frühlingssalat, gefolgt von gebratenem Lachs mit Ofenkartoffeln und Gemüse. Zum Dessert gibt es leckere Erdbeeren mit Vanilleeis. „Das ist nicht nur Essen, das ist Gemeinschaft“, sagt er und lächelt.

Gemeinsam Kochen und Trauern

Thomas, 79 Jahre alt, sieht in diesen Treffen eine wertvolle Gelegenheit, um über seine Gefühle zu sprechen. „Hier kann ich mit anderen Männern reden, die das Gleiche durchgemacht haben“, erklärt er. Rainer, der 83-jährige Witwer, hat zwar einen großen Freundeskreis, doch die Stille zu Hause wird oft zur Belastung. „Manchmal ist es einfach gut, das Schweigen zu durchbrechen“, sagt er und plant in Gedanken einen Grillabend mit Klaus-Dieter, der 81 Jahre alt ist und ebenfalls an den Kochabenden teilnimmt.

In dieser besonderen Atmosphäre des Kochens und Teilens finden die Männer nicht nur neue Rezepte, sondern auch einen Raum, um über ihre Erinnerungen zu sprechen. Der Austausch über die verstorbenen Partnerinnen geschieht oft ohne Pathos, sondern mit Wärme und einem Lächeln auf den Lippen. Die Geschichten, die sie erzählen, sind geprägt von gemeinsamen Erlebnissen, die in der Küche lebendig werden. „Wir kochen nicht nur für uns, sondern auch für die, die nicht mehr hier sind“, sagt Kurt, der auf dem Friedhof einen Freund gefunden hat, dessen Frau unter dem gleichen Baum liegt.

Ein neuer Weg in der Trauerbewältigung

Interessanterweise sind solche Kochgruppen für trauernde Männer nicht nur in Lüneburg anzutreffen. Auch die Johanniter bieten ab April 2024 im Regionalverband Offenbach eine ähnliche Gruppe an. Hier wird ein Raum geschaffen, um gemeinsam zu kochen, zu essen und über Trauer zu sprechen. Christina Dölle, die Leiterin der Gruppe, betont, dass Männer oft andere Bedürfnisse im Trauerprozess haben als Frauen. „Wir versuchen, das Konzept des ‚Starkseins, nicht Weinen‘ zu hinterfragen“, erklärt sie. Viele Männer neigen dazu, ihre Emotionen hinter Arbeit oder Sport zu verstecken. Doch in dieser Gruppe finden sie einen Weg, sich zu öffnen und Unterstützung zu erfahren.

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Und das ist nicht alles. In Ludwigshafen gibt es einen Kochkurs, der den Titel „Das Leben wieder schmecken: Kochkurs für trauernde Männer“ trägt. Hier kommen Männer zusammen, um nicht nur neue Küchentechniken zu erlernen, sondern auch um Erinnerungen an ihre verstorbenen Ehefrauen auszutauschen. Ein Teilnehmer, der seinen Ehering am kleinen Finger trägt, entdeckt eine neue Leidenschaft für das Kochen. „Es geht nicht um perfekte Gerichte“, sagt der Kursleiter Dietmar Breininger, „sondern darum, mit dem, was wir haben, etwas zu schaffen.“

Die Magie des Kochens liegt nicht nur im Zubereiten von Speisen, sondern auch in den Geschichten, die dabei erzählt werden. Die Männer teilen ihre Erinnerungen, und das Kochen wird zu einem Symbol für das Weiterleben. Am Ende eines Abends wird gemeinsam aufgeräumt – ein kleiner Akt, der viel über den Umgang mit Trauer aussagt und zeigt, dass das Leben trotz allem weitergeht.