Heute, am 26. April 2026, versammeln sich zahlreiche Aktivistinnen und Aktivisten auf dem Lüneburger Marktplatz, um ab 13 Uhr ein starkes Zeichen zu setzen. Der Anlass könnte kaum brisanter sein: Es wird gegen den geplanten Ausbau der Autobahn 39 protestiert, und gleichzeitig für eine klimagerechte Verkehrswende geworben. Die Fahrraddemo führt über die Hamburger Straße und die Ostumgehung zurück in die Innenstadt und dürfte für erhebliche Verkehrsbehinderungen sorgen, wie die Stadtverwaltung Lüneburg bereits angekündigt hat. Zwischen 13 und 16 Uhr sind zeitweise Sperrungen der A39 sowie der B4/B209 in Fahrtrichtung Norden zu erwarten.
Die Demonstration ist Teil eines umfassenden Widerstands gegen die Freigabe von 3,6 Milliarden Euro durch die Bundesregierung im Dezember 2025 für sieben Autobahnprojekte. Während die Straßen weiter ausgebaut werden sollen, bleibt eine Investition in den Bahn- und ÖPNV auf der Strecke. Volker Constien vom Lüneburger Klimakollektiv wird vor Ort die rechtliche Situation der geplanten Trasse erläutern und auf die Motivation der Widerstandsbewegung eingehen. Klagen gegen die aktuellen Planfeststellungsbeschlüsse der A39 sind bereits eingereicht worden, da der BUND-Landesverband Verstöße gegen geltendes Recht sieht.
Die kritischen Stimmen
Unter den Beteiligten sind auch prominente Gruppen wie Fridays for Future, der ADFC, der VCD sowie regionale Verbände von Bündnis 90/Die Grünen und die Bürgerinitiative Lüne-Morfeld. Ulrike Ahlers vom BUND-Regionalverband Elbe-Heide kritisiert das Infrastruktur-Zukunftsgesetz, das neue Autobahnen und Lkw-Stellplätze leichter durchsetzen soll. Kritisch wird angemerkt, dass dieses Gesetz die Natur- und Umweltrechte schwächt und ökologische Ausgleichsmaßnahmen durch Einzahlungen in Fonds ersetzt werden sollen.
Die Planungen zum vierten Abschnitt der A39 zwischen Uelzen und Bad Bodenteich, der sich über 12,991 km erstreckt, sind im Planfeststellungsverfahren. Die Unterlagen dazu liegen seit dem 20. August 2025 vor. Die Außenstelle Lüneburg der Autobahn GmbH hat in den letzten Monaten an der Planung gearbeitet und legt großen Wert auf Bürgernähe sowie Transparenz. Ein digitaler Projektatlas zur A39 ermöglicht es den Bürgern, Informationen über Lärm, Luft und Verkehrszahlen abzurufen und ihre Anliegen direkt auf der Karte zu platzieren.
Ein Blick auf die Klimabewegung
Die heutigen Proteste sind Teil einer breiteren Bewegung, die sich seit dem Aufkommen von „Fridays for Future“ im Jahr 2018 diversifiziert hat. Sebastian Haunss weist darauf hin, dass die Klimabewegung in Deutschland ihr Ziel, die Politik zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels zu bewegen, noch nicht erreicht hat. Die Protestlandschaft hat sich durch verschiedene Formen des zivilen Ungehorsams erweitert, während die Unterstützung für einige Gruppen, wie die „Letzte Generation“, in der Bevölkerung gesunken ist.
Die Herausforderungen für die Klimabewegung sind vielfältig. Themen wie die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg und Migration stehen im Wettbewerb um die öffentliche Aufmerksamkeit. Trotz dieser Widrigkeiten bleibt die Klimaagenda drängend, und es bedarf einer breiten gesellschaftlichen Mobilisierung, um die Klimaziele tatsächlich zu erreichen. Der heutige Protest in Lüneburg ist ein weiterer Schritt in diesem langen Atem, den soziale Bewegungen benötigen, um erfolgreich zu sein.