In Göttingen tut sich was im Bereich der psychischen Versorgung! Das Asklepios Fachklinikum hat gerade seine Kapazitäten für die häusliche Behandlung auf 100 Plätze erweitert. Das ist ein echter Fortschritt, denn die stationsäquivalente Behandlung, kurz StäB, wird jetzt von 75 auf 100 Plätze ausgebaut. Das Klinikum geht mit gutem Beispiel voran und gilt mittlerweile als bundesweiter Vorreiter in der psychiatrischen Versorgung. Seit 2022 können Patientinnen und Patienten von einer intensiven therapeutischen Betreuung profitieren, ohne dass sie dafür im Krankenhaus bleiben müssen. Und das Beste daran? Sie können in ihrem eigenen gewohnten Umfeld behandelt werden!
Das multiprofessionelle Team, das bei den täglichen Hausbesuchen zum Einsatz kommt, besteht aus verschiedenen Fachrichtungen. Hier arbeiten Krankenpfleger, Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen sowie Co-Therapeut:innen, die beispielsweise Ergo- oder Physiotherapie anbieten. Diese Vielfalt an Kompetenzen sorgt dafür, dass die Behandlung den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten gerecht wird. Die Behandlungsoptionen sind dabei äquivalent zu dem, was in einer stationären Einrichtung angeboten wird. Aber nicht alles lässt sich im heimischen Umfeld regeln. Bei akuten Suizidalitäten oder schweren, therapieresistenten Depressionen ist eine stationäre Aufnahme nach wie vor notwendig. Sicherheit geht vor!
Behandlungsansatz und Versorgungsgebiet
Das Versorgungsgebiet ist ebenfalls beachtlich: Göttingen, Duderstadt, Goslar, Heiligenstadt und Hann. Münden werden abgedeckt. Die Idee hinter der StäB ist es, Menschen mit akuten, behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen eine echte Alternative zur stationären Behandlung zu bieten. So kann das gewohnte Zuhause die Kulisse für eine erfolgreiche Therapie sein. Und das Ziel ist klar: Die Betroffenen sollen nicht nur stabilisiert werden, sondern auch lernen, wie sie mit ihrer Erkrankung im Alltag umgehen können.
Natürlich ist der Weg dorthin nicht immer einfach. Heike Winter, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hessen, warnt vor Honorarkürzungen von 20 bis 30 Prozent durch das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Das könnte sich negativ auf die ohnehin schon langen Wartezeiten für Therapieplätze auswirken, die oft mehrere Monate betragen. Betroffene suchen verzweifelt nach Hilfe, während die hessischen Krankenhäuser mit Erlöseinbußen rechnen, die die Notfallversorgung unter Druck setzen könnten.
Therapieinhalte und Kostenübernahme
Die Behandlung in der StäB ist vielseitig: Sie umfasst alle notwendigen Leistungen, die je nach Art und Schwere der Erkrankung benötigt werden. Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem individuellen Verlauf und kann von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren variieren. Es werden nicht nur Gesprächstherapien, sondern auch medikamentöse Behandlungen, Einzel- und Gruppentherapien sowie kreative Angebote wie Kunst- und Ergotherapie angeboten. Die Kosten werden in der Regel von den Krankenkassen oder der Deutschen Rentenversicherung übernommen, was eine große Erleichterung für viele Betroffene darstellt.
Wie sieht der Prozess aus, wenn jemand eine Therapie in der StäB beginnen möchte? Zunächst steht eine Sprechstunde zur Diagnostik an. Danach folgen Probestunden und schließlich der Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse. Doch auch hier können die Wartezeiten frustrierend lang sein. Nach der ersten Sprechstunde kann es bis zu drei Monate dauern, bis ein Therapieplatz verfügbar ist. In Notfällen ist jedoch eine Akutaufnahme möglich.
Nach der Behandlung werden die Patient:innen nicht einfach ins kalte Wasser geworfen. Es gibt Rückfallprophylaxe-Maßnahmen, die bis zu zwei Jahre nach der Therapie andauern. Außerdem erhalten die Betroffenen Informationen über weiterführende Unterstützung und Empfehlungen für ambulante oder teilstationäre Weiterbehandlungen. Das ist wichtig, um den erlernten Umgang mit der Erkrankung zu festigen und die Rückkehr ins normale Leben zu erleichtern.
All diese Fortschritte in der psychiatrischen Versorgung, speziell in Göttingen, könnten als Modell für die Zukunft dienen. Der Trend geht klar in Richtung weniger Klinikaufenthalte und mehr Behandlung zu Hause – ein Ansatz, der nicht nur die Patient:innen, sondern auch das gesamte Gesundheitssystem entlasten könnte. Ein Schritt in die richtige Richtung, der Hoffnung macht!