In Emden hat sich eine dramatische Situation entwickelt, die die Herzen vieler Menschen berührt. Am 2. März wurde die afghanische Familie Afzali unangekündigt aus ihrer Heimatstadt abgeschoben – nach Schweden. Plötzlich standen Polizisten, eine Ärztin, Vertreter der Kommune und ein Dolmetscher vor der Tür, als hätten sie einen Blitz aus heiterem Himmel losgeschickt. Die Familie, bestehend aus einem Vater, einer schwangeren Mutter und vier Töchtern, lebt nun in einem kargen Zimmer in einem Camp der schwedischen Ausländerbehörde Migrationsverket in Malmö. Wie sie dort zurechtkommen, ist ungewiss, denn die Bedingungen sind alles andere als rosig.
Die Abschiebung wurde durch ein Verwaltungsgericht genehmigt, da Schweden gemäß der Dublin-III-Verordnung für das Asylverfahren zuständig ist. Irgendwie ironisch, denn die Familie kam 2020 aus Schweden nach Deutschland, um einer Abschiebung nach Afghanistan zu entkommen. In Emden fanden sie ein neues Zuhause – mit Rückhalt von Schulen, Nachbarn und einem starken Hilfsnetzwerk. Briefe von Schulen betonten die Integration der Kinder und die Unverständlichkeit der Entscheidung. Doch trotz des Drucks, den die örtlichen Unterstützer ausübten, war die rechtliche Lage für die Kommune klar: Oberbürgermeister Tim Kruithoff wies darauf hin, dass man die geltenden Gesetze umsetzen müsse.
Schwierige Umstände in Schweden
Im schwedischen Camp hat die Familie Afzali mit vielen Herausforderungen zu kämpfen. Die Noten, die die Kinder in Deutschland erworben haben, wurden dort nicht akzeptiert. Das führt dazu, dass sie in ihrer schulischen Ausbildung zurückfallen. Besonders besorgniserregend ist der Zustand von Hanieh, einer der Töchter, die Anzeichen von Depressionen zeigt – ein klarer Hinweis darauf, wie sehr die Trennung von Freunden und das Verlassen ihrer gewohnten Umgebung sie belasten.
Die Mitschülerinnen von Narges Afzali haben nicht tatenlos zugesehen. Sie protestierten und sammelten Unterschriften für die Rückkehr ihrer Freundin. Die Solidarität, die die Familie in Emden erfahren hat, spiegelt sich in einem offenen Brief wider, den die Initiative „Ankern in Emden“ an Bundesinnenminister Alexander Dobrindt geschickt hat, in dem sie die Abschiebung scharf kritisieren. Irgendwie fühlt es sich an, als ob die gesamte Stadt hinter der Familie steht – und doch können die rechtlichen Beschlüsse nicht ignoriert werden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hätte zwar Ermessensspielraum gehabt, um den Asylantrag zu prüfen, doch die Entscheidung fiel anders.
Dublin-Verfahren und seine Folgen
Das Dublin-Verfahren, das in diesem Fall zur Anwendung kam, sorgt in der EU dafür, dass jeder Asylantrag nur von einem Mitgliedstaat geprüft wird. Das Ziel ist klar: Sekundärwanderung innerhalb Europas steuern und die Verantwortlichkeiten klar verteilen. Wenn jemand in einem anderen Mitgliedstaat bereits einen Asylantrag gestellt hat, wird die Akte dorthin weitergeleitet. In diesem Fall führte das zu der Entscheidung, die Familie Afzali nach Schweden abzuschieben, wo sie ursprünglich einmal Asyl beantragt hatten.
Wenn man die Komplexität der Vorschriften bedenkt, wird schnell klar, warum solche Entscheidungen oft als unmenschlich wahrgenommen werden. Die betroffenen Personen haben in der Regel nur wenig Einfluss auf den Verlauf ihrer Schicksale. Klagen gegen die Entscheidungen sind möglich, aber die Fristen und rechtlichen Hürden machen den Prozess langwierig und belastend. Die Überstellung hätte innerhalb von sechs Monaten nach Zustimmung des Mitgliedstaates durchgeführt werden müssen – ein Verfahren, das für viele zu einem Albtraum wird.
Ein Blick in die Zukunft
Die EUAA, die europäische Asylagentur, versucht, das Dublin-System ständig zu verbessern. Veranstaltungen und thematische Expertensitzungen sollen Fachkräfte zusammenbringen und Lösungen für die Herausforderungen im Dublin-System finden. Vielleicht wird sich in Zukunft etwas ändern – vielleicht wird es einfacher, humanitäre Entscheidungen zu treffen, die das Leben von geflüchteten Familien wie den Afzalis verbessern. Aber bis dahin bleibt die Situation in Malmö angespannt, und die Familie muss sich mit den Folgen ihres Schicksals auseinandersetzen.