In einem bewegenden Schritt zur Aufarbeitung der Geschichte von Emden hat der Heimatforscher Dietrich Janßen sein neues Buch „Emden – Stunde Null“ veröffentlicht. Es beleuchtet die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in unserer Stadt und basiert auf bisher unentdeckten Quellen. Janßen, Jahrgang 1943 und ein echtes Kind dieser Region, stellt damit lokale Legenden in Frage und bietet neue Perspektiven auf die Geschehnisse rund um den 18. Mai 1945. Ein Jahr nach der Gedenk-Veranstaltung „80 Jahre danach“ wird diese Publikation zusätzliche Antworten auf die Fragen liefern, die uns alle bewegen.

Der Autor hat die letzten 14 Tage vor dem Ende des Krieges genau unter die Lupe genommen. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass die Geschichte, welcher Oberleutnant Hans-Heinrich Schulte die Stadt am 5. Mai 1945 übergeben hat, schlichtweg falsch ist. Die Kanadier marschierten erst am 6. Mai in Emden ein – ein Detail, das viele vielleicht nie hinterfragt haben. Janßen nutzt Quellen wie Kriegstagebücher, um das kollektive Gedächtnis der Stadt zu korrigieren und damit ein Stück Wahrheit zurückzubringen, das im Nebel der Zeit verloren gegangen ist.

Schicksalsmomente in Emden

Eine besonders spannende Episode, die Janßen aufgreift, ist die Ernennung von Georg Frickenstein zum Oberbürgermeister am 18. Mai 1945 durch den britischen Gouverneur Newroth. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als der Nazi-Oberbürgermeister Carl Renken bis zum 16. Mai an seinem Posten festhielt. Die Bürger von Emden waren nicht zimperlich: Renken wurde mit dem Tod bedroht, sollte er die Stadt in einen fanatischen Endkampf führen. Solche Geschichten sind nicht nur fesselnd, sie sind auch wichtig für das Verständnis der psychologischen Situation der Menschen damals.

Janßen widmet sich auch den Auswirkungen der Bombenangriffe auf das Alltagsleben der Emder Bevölkerung bis zum 6. Mai. Er beschreibt die Begegnungen zwischen Zivilisten und den Besatzungssoldaten nach dem Einmarsch der Kanadier. Unmittelbar nach der Befreiung kam es sogar zu einem Aufstand befreiter sowjetischer Kriegsgefangener, der von den Kanadiern schnell unter Kontrolle gebracht wurde. Diese Details machen die Geschehnisse lebendig und lassen den Leser die Emotionen und die Verzweiflung der Menschen spüren.

Ein Leben für die Geschichte

Dietrich Janßen ist kein Unbekannter in Emden. Nach einer Lehre bei den Rheinstahl-Nordseewerken und einem Architekturstudium in Oldenburg hat er von 1972 bis 2008 als Dipl.-Ing. bei der Stadtverwaltung gewirkt. Aber seine Leidenschaft für die Geschichte seiner Heimat führte ihn auch ins Ehrenamt: Seit 1994 ist er im Bunkermuseum Emden aktiv, wo er für die Ausstellung und Archivverwaltung zuständig ist. Als Vorsitzender des Arbeitskreises Bunkermuseum e.V. seit 2008 hat er sich einen Namen gemacht, nicht nur durch seine Veröffentlichungen über die Stadtgeschichte, sondern auch durch Fotoausstellungen und Mühlengeschichten.

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Das Bunkermuseum selbst ist ein regionales Museum, das sich mit der Zeit von 1933 bis 1948 beschäftigt und in einem authentischen Bunker untergebracht ist. Hier wird die Geschichte der Menschen während des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs hautnah erlebbar. Übrigens: Das Museum hat zurzeit Winterpause, öffnet aber am 1. Mai 2026 wieder seine Türen. Bis dahin können Gruppen Führungen anfragen und einen tiefen Einblick in die Geschichte Emdens gewinnen.

Ein Blick in die Zukunft

„Emden – Stunde Null“ ist mehr als nur ein Buch; es ist ein wichtiger Schritt zur Aufarbeitung unserer Stadtgeschichte. Janßens akribische Arbeit wird nicht nur für Geschichtsinteressierte von Bedeutung sein, sondern auch für alle, die sich mit den Wurzeln unserer Gemeinschaft auseinandersetzen möchten. Als Leser wird man förmlich in die Geschehnisse hineingezogen und bekommt ein Gefühl für die vielen Schicksale, die in diesen letzten Kriegstagen verknüpft waren.

Also, wenn du neugierig geworden bist und mehr über die dramatischen letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Emden erfahren möchtest, dann schau dir das Buch an! Es könnte ein paar Mythen entkräften und dir eine neue Perspektive auf die Stadtgeschichte bieten. Und wer weiß, vielleicht besuchst du danach auch das Bunkermuseum, um noch tiefer in die Geschichte einzutauchen!