Die Autoindustrie in Deutschland steht vor gravierenden Herausforderungen, die nicht nur die Unternehmen selbst, sondern auch die Menschen, die dort arbeiten, direkt betreffen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat eine düstere Prognose veröffentlicht: Bis 2035 könnten bis zu 225.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Das sind sogar 35.000 mehr als zuvor angenommen – ein besorgniserregender Anstieg, der nicht nur die großen Hersteller, sondern vor allem die Zulieferbetriebe hart treffen wird. Der Wechsel von Verbrennungsmotoren hin zur Elektromobilität treibt diesen Stellenabbau maßgeblich voran.

Die Hauptursachen für diese Entwicklung sind vielfältig. Zum einen ist da der bereits erwähnte technologische Umbruch, der nicht nur neue Anforderungen an die Produktion stellt, sondern auch viele Arbeitsplätze überflüssig macht. Daneben gibt es eine Standortkrise in Deutschland und Europa, die durch hohe Steuern, teure Energie und hohe Lohnkosten nur verschärft wird. Überbordende Bürokratie tut ihr Übriges, um die Lage zu verkomplizieren. Hildegard Müller, die Präsidentin des VDA, fordert ein Umsteuern der EU, um Arbeitsplätze zu erhalten. Ihre Vorschläge? Flexibilisierungen und Technologieoffenheit zur Klimaneutralität könnten möglicherweise rund 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland sichern.

Die Krise der Zulieferer

Besonders die Zulieferer leiden unter den derzeitigen Bedingungen. Viele von ihnen sehen sich mit massiven Gewinnrückgängen und sogar Insolvenzen konfrontiert. Der Stellenabbau in der Branche ist dramatisch. Bereits bis 2025 dürften etwa 100.000 Arbeitsplätze verloren gegangen sein. Und das, obwohl die Umsätze nach der Corona-Pandemie zunächst anstiegen. Doch seit Anfang 2024 ist auch dieser Aufschwung ins Stocken geraten. Die Autoindustrie, die einst als Rückgrat der deutschen Wirtschaft galt, verliert schneller Arbeitsplätze als jeder andere Wirtschaftszweig.

So haben Unternehmen wie Porsche erst kürzlich die Schließung von Tochterunternehmen und den Abbau von hunderten Stellen angekündigt. Auch große Hersteller wie Mercedes-Benz und VW sowie Zulieferer wie Bosch und Continental haben bereits Sparprogramme auf den Weg gebracht. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit – und die Zeit drängt.

Die Auswirkungen auf die Beschäftigung

In Regionen, in denen die Autoindustrie traditionell stark ist, wie Bayern und Niedersachsen, sind mehr als 20% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Kfz-Produktion tätig. In Wolfsburg, dem Herzstück der deutschen Automobilproduktion, waren es 2019 noch 42%, heute sind es fast 36%. Ein beunruhigender Trend. Der Hochlauf der Elektromobilität, der als Hoffnungsträger galt, verläuft langsamer als erwartet, was zusätzlichen Druck auf die Unternehmen ausübt. Diese Entwicklung hat zur Folge, dass viele Arbeitgeber Arbeitsplätze ins Ausland verlagern, was in den betroffenen Regionen zu steigender Arbeitslosigkeit führt.

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Ein Lichtblick könnte die Eröffnung des Tesla-Werks in Brandenburg sein, die seit 2022 für einen Anstieg der Beschäftigung in der Autoindustrie gesorgt hat. Dennoch bleibt die Frage, wie lange dieser Aufschwung anhalten kann, während im Hintergrund die Insolvenzen unter den Zulieferern zunehmen. Der Bereich der E-Motoren und Batterietechnik hat zwischen Dezember 2024 und 2025 zwar einen Anstieg um mehr als 28% verzeichnet, aber das reicht nicht aus, um die enormen Verluste in anderen Bereichen auszugleichen.

Die kommende Zeit wird entscheidend sein, um zu sehen, ob die deutschen Autobauer und ihre Zulieferer den Spagat zwischen Tradition und Innovation meistern können. Die Auftragsbücher im Gewerbe füllen sich zwar, aber starke Konjunkturimpulse sind nötig, um den Stellenabbau in der Industrie zu bremsen. Der Druck, die Mobilität neu zu denken, ist enorm, und die Menschen in der Branche stehen vor einer ungewissen Zukunft.