Die St. Christophorus-Orgel in Delmenhorst hat jetzt 30 Jahre auf dem Buckel! Ein Grund zum Feiern, möchte man meinen. Und genau das tut man auch mit einer Jubiläumskonzertreihe, die die Herzen der Musikliebhaber höher schlagen lässt. Doch beim Auftaktkonzert, das kürzlich über die Bühne ging, war das Publikum eher überschaubar – gerade mal 22 Zuhörer waren gekommen, um sich von den Klängen der Orgel verzaubern zu lassen. Schade, denn das Programm hatte einiges zu bieten!
Der St.-Christophorus-Organist Norbert Müller, ein echter Virtuose, entführte die Anwesenden mit Werken von Größen wie Bach, Corelli, Vogt und Hofhaimer in eine andere Welt. Besonders eindrucksvoll war das „Concerto G-Dur, BWV 592“ von Johann Sebastian Bach. Man könnte fast sagen, die Orgel sang! Mit jeder Note, die Müller anschlug, wurde die jahrzehntelange Tradition des Orgelspiels spürbar. Die Orgel selbst, 1996 von der Orgelbauwerkstatt Gebrüder Hillebrandt nach klassisch-handwerklichen Regeln geschaffen, steht dabei als stolzes Zeugnis des Orgelbaus, der in Deutschland mehr als 50.000 Exemplare zählt – viele davon in Kirchen.
Ein musikalisches Fest
Das Konzertprogramm war vielseitig und umfasste neben Bach auch die „Fuga chromatica“ von Johann Christian Bach, eine Sonate in drei Sätzen von Arcangelo Corelli und zwei Sätze aus einer Sonate von Martin Vogt. Norbert Müller bewies dabei auch sein improvisatorisches Talent, als er im alten Stil über ein Thema von David Heinichen improvisierte. Wie man hört, ist Improvisation ein charakteristisches Merkmal des Orgelspiels, das die Zuhörer immer wieder in Staunen versetzt. Ein kleines Stück Freiheit in der strengen Welt der Noten!
Die St. Christophorus-Orgel ist mehr als nur ein Instrument – sie ist ein Teil der regionalen Kultur und der musikalischen Identität Delmenhorsts. Die Pflege der Orgelkultur in Deutschland ist eine transkulturelle Kulturform mit hoher Kunstfertigkeit, die lebendig weitergegeben wird. In unserem schönen Land gibt es nicht nur eine Vielzahl von Orgeln, sondern auch eine große Anzahl an Organisten – hauptamtlich wie ehrenamtlich. Von Nord- bis Süddeutschland hat jede Region ihre eigenen, historisch gewachsenen Orgellandschaften und Stile. Und die Ausbildungsmöglichkeiten für angehende Orgelmusiker sind vielfältig.
Kulturelles Erbe
Die St. Christophorus-Orgel lässt uns auch über die Geschichte und Entwicklung der Orgelmusik nachdenken. Ursprünglich vor über 2.000 Jahren im hellenistischen Ägypten erfunden, hat die Orgel ihren Weg über Byzanz ins Frankenreich gefunden. Seit der Karolingischen Renaissance wird sie als wertvolles Kulturgut geschätzt. In diesem Zusammenhang wird klar, wie wichtig die Orgel nicht nur für den Gottesdienst ist, sondern auch als Konzertinstrument in Konzertsälen und anderen Veranstaltungsorten. Die zahlreichen handwerklichen Orgelbaubetriebe in Deutschland tragen dazu bei, dass die Tradition des Orgelbaus lebendig bleibt.
Das Jubiläum der St. Christophorus-Orgel ist also nicht nur ein Grund zum Feiern für Delmenhorst, sondern auch eine wunderbare Gelegenheit, die reichhaltige Orgelkultur in Deutschland zu würdigen. Wer weiß, vielleicht wird das nächste Konzert besser besucht, und mehr Menschen können die Faszination dieser Musik erleben. Die Orgel wird auch in Zukunft ihre Geschichten erzählen und die Herzen der Zuhörer berühren – darauf kann man wetten!