In der beschaulichen Stadt Delmenhorst kämpft die 34-jährige Marina Evers seit 2020 gegen die Tücken der chronischen Migräne. Diese geht auf eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) zurück, die durch einen offenen Biss verursacht wurde. Ein Zustand, der nicht nur schmerzhaft ist, sondern auch ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Ihre Krankenkasse, die Innovationskasse IK, hat sich jedoch als wenig hilfsbereit erwiesen und übernimmt die Kosten für eine dringend benötigte kieferorthopädische Schiene nicht, da dies nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung gehört. Ein harter Brocken, gerade in einer Zeit, in der sie ohnehin mit gesundheitlichen und finanziellen Rückschlägen zu kämpfen hat.

Trotz all dieser Widrigkeiten bleibt Evers optimistisch. Sie hat eine Umschulung zur Pflegeberaterin begonnen, die bis Dezember dauert. Ihr Ziel? Wieder auf eigenen Füßen zu stehen und ihrer Tochter ein stabiles Umfeld zu bieten. Vor wenigen Wochen hat sie einen Kindergartenplatz für ihr Kind ergattert – ein echter Lichtblick in ihrem Leben. So kann sie sich besser auf ihre Ausbildung konzentrieren und vielleicht auch mal durchatmen.

Die Herausforderungen der CMD

Die craniomandibuläre Dysfunktion betrifft nicht nur Evers. Schätzungen zufolge leidet etwa jeder fünfte Mensch an CMD, und viele wissen nicht einmal, dass sie darunter leiden. Die Symptome sind vielfältig und reichen von Kopfschmerzen über Nackenverspannungen bis hin zu Problemen mit der Halswirbelsäule. Oft sind es Fehlstellungen der Zähne oder Kiefer, die zu diesen Schmerzen führen – ein Teufelskreis, den viele nicht durchschauen. Evers hat sich bereits von einem Facharzt untersuchen lassen, der ihre Vermutungen über CMD bestätigte. Ein eindeutiger Befund, der jedoch an der Kassenlage nichts ändert.

Die Krankenkasse argumentiert, die Ablehnung der Schienenversorgung basiere auf dem Grundsatz, dass Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechen müssen. Evers kontert, dass die jährlichen Behandlungskosten für Botox, die sie zur Bekämpfung ihrer Migräne benötigt, bei 8.000 bis 12.000 Euro liegen, während die einmalige Anschaffung einer Schiene mit 8.500 Euro zu Buche schlägt. Ein finanzieller Unterschied, der nicht von der Hand zu weisen ist. Zudem birgt eine mögliche Operation zur Behandlung der CMD Risiken, und sie müsste die Hälfte der Kosten selbst tragen – eine zusätzliche Belastung, die sie mit Angst erfüllt.

Die Sicht der Krankenkassen

Die Krankenkassen sind oft in einer Zwickmühle. Während die erste Untersuchung durch Zahnärzte eine Kassenleistung ist, fallen viele andere diagnostische und therapeutische Maßnahmen unter Privatleistungen. Fast schon ironisch, wenn man bedenkt, dass CMD nicht nur Schmerzen verursacht, sondern manchmal auch das ganze Leben durcheinanderwirbelt. Die eigentliche Therapie, ein individuell angefertigter Okklusionsbehelf, ist häufig nicht von der Kasse abgedeckt. Stattdessen müssen Patienten auf teure Privatleistungen zurückgreifen, um ihre Beschwerden zu lindern.

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Marina Evers hat einen Brief an ihre Krankenkasse geschrieben und um eine Einzelfallentscheidung gebeten. Doch bisher bleibt die Antwort aus. Die Krankenkasse weist darauf hin, dass solche Entscheidungen nur in eng gefassten Fällen möglich sind – sie müssen eine notstandsähnliche Erkrankungssituation erfordern. Ein System, das nicht nur für Evers frustrierend ist, sondern auch für viele andere, die in ähnlichen Situationen stecken.

Ein Lichtblick in dunklen Zeiten

Dennoch bleibt Evers optimistisch. Sie verfolgt ihre Umschulung mit vollem Einsatz und wird dabei von ihrer Tochter unterstützt. Es sind die kleinen Siege im Alltag, die ihr Kraft geben. Manchmal ist es die Liebe einer Tochter, die uns aus den tiefsten Tälern herauszieht. Und während die Herausforderungen der CMD immer noch da sind, hat sie einen kleinen Schritt aus ihrem Teufelskreis geschafft. Ein Kindergartenplatz, Hilfe in der Ausbildung und die Hoffnung auf Besserung – das sind die Dinge, die zählen. Und vielleicht wird bald auch ihre Krankenkasse ein Einsehen haben.