In Delmenhorst tut sich was – und zwar ganz im Zeichen eines der schillerndsten deutschen Dichter. Johannes Mitternacht hat sich zusammengetan mit der Buchhandlung Sabine Jünemann, um uns in die Welt von Wilhelm Busch zu entführen. Am Freitag, dem 22. Mai und dann nochmal am 5. Juni, jeweils um 20 Uhr, wird Mitternacht eine szenische Lesung seines Spätwerks präsentieren. Der Titel? „Max & Moritz hinterm Busch oder Eduards Traum – Ein sprachlicher Bilderbogen“. Das klingt doch nach einer vielversprechenden Mischung aus Humor und Tiefgang, oder?
Die Lesung findet in der Lange Straße 37 statt, in der gemütlichen Buchhandlung, die schon so viele literarische Abende erlebt hat. Mitternacht hat sich vorgenommen, uns nicht nur Auszüge aus Buschs Werken näherzubringen, sondern auch einen Blick in dessen Lebensgeschichte und einige Gedichte zu werfen. Besonders ins Herz geschlossen hat er „Eduards Traum“, eine Erzählung, die vor 135 Jahren das Licht der Welt erblickte. Diese Geschichte beschreibt, wie Eduard in seinen Gedanken und Träumen versinkt, während seine Frau sich bereits zur Ruhe begibt. Busch, mit seiner unvergleichlichen Sprachkraft, bringt uns die Szenerie so lebendig nahe, dass man das Kerzenlicht förmlich flackern sieht.
Ein Kaleidoskop der Worte
„Eduards Traum“ ist dabei kein klassischer Handlungsstrang, sondern vielmehr eine Ansammlung kleiner, ineinander geschachtelter Episoden. Man könnte fast sagen, es ist eine Art Traumnotiz – und das ganz ohne die typischen Zeichnungen, die man sonst von Busch kennt. Er hat sich hier auf seine Sprache konzentriert und dabei eine surreale Welt geschaffen, die den industriellen Wohlstand der Gründerzeit thematisiert und die oft groteske Benachteiligung der Schwachen aufzeigt. Ein Beispiel gefällig? Da gibt es den Bahnwärter, der Köpfe von Personen sammelt, die in misslichen Lagen stecken. Ganz schön schräg, aber typisch für Buschs bissigen Humor.
Und das Publikum? Nun, die Meinungen sind gespalten. Während Joseph Kraus „Eduards Traum“ als den Höhepunkt von Buschs Werk sieht, findet Eva Weissweiler, dass es ein gescheiterter Versuch im Novellen-Genre ist. Aber hey, Kunst ist ja bekanntlich subjektiv! Was bleibt, ist die Faszination für Buschs Fähigkeit, mit Worten zu jonglieren und uns zum Schmunzeln zu bringen. Ob man nun seine Gedichte oder die Bildergeschichten wie „Max und Moritz“ oder „Hans Huckebein der Unglücksrabe“ bevorzugt, ist letztlich Geschmacksache.
Ein Blick in die Vergangenheit
Busch, aufgewachsen in der rauen Zeit der Industrialisierung, hatte es in seiner Kindheit nicht leicht. Diese Erfahrungen haben ihn geprägt und finden sich in vielen seiner Werke wieder. „Eduards Traum“ als modernes Märchen beschreibt nicht nur die Träume eines einzelnen, sondern spiegelt auch die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit wider. Inmitten seiner humorvollen, grotesken Geschichten versteckt sich oft eine scharfsinnige Kritik an der Gesellschaft.
Wenn Sie also Lust auf eine literarische Reise haben, die sowohl zum Nachdenken anregt als auch für den einen oder anderen Lacher gut ist, dann sollten Sie sich die Lesung nicht entgehen lassen. Karten sind bereits in der Buchhandlung erhältlich oder können telefonisch oder per E-Mail reserviert werden. Ein Abend voller Witz, Weisheit und vielleicht auch ein bisschen Melancholie – das klingt doch nach einer perfekten Möglichkeit, den Abend zu verbringen.