Die Stadt Delmenhorst, die während des Zweiten Weltkriegs als luftgefährdeter Ort zweiter Ordnung klassifiziert war, hat einen historischen Ort der Erinnerung geschaffen. Der Deckungsgraben am Annenheider Bahnhof, der 1942 als Schutz für Schüler errichtet wurde, wird nun als Mahnmal und Außenstandort des Nordwestdeutschen Museums für Industriekultur zugänglich gemacht. Die Eröffnung dieses Mahnmals fand kürzlich statt, und Franz Rupert, ein Zeitzeuge, war anwesend. Er teilte seine eindrucksvollen Erfahrungen aus der Zeit in Bunkeranlagen und machte die Anwesenden auf die bewegende Geschichte dieser Schutzanlagen aufmerksam.
Der Deckungsgraben, offiziell „Massiver Deckungsgraben MD 14“ genannt, hat eine Länge von 40 Metern, eine Breite von 1,75 Metern und eine Höhe von 2,20 Metern. Um Druckwellen abzufangen, ist die Schutzanlage in fünf versetzten Quadern aufgebaut. Trotz der Aufwertung mit neuen Metalltüren und Notbeleuchtung blieb der Deckungsgraben nie wirklich bombensicher. Oberbürgermeisterin Petra Gerlach erklärte, dass Delmenhorst nach der Logik der Nationalsozialisten als Stadt zweiten Ranges galt, was sich auch in der Bauweise der Bunkeranlagen widerspiegelte.
Führungen und didaktische Angebote
Ab Ende Mai werden öffentliche Führungen sowie spezielle Veranstaltungen für Schulklassen angeboten. Diese Führungen sind von April bis September geplant und werden in Zusammenarbeit mit Studenten der Universität Oldenburg didaktisch aufbereitet. Die erste öffentliche Führung findet am Donnerstag, 21. Mai, ab 17 Uhr statt. Es ist anzumerken, dass in Delmenhorst während des Zweiten Weltkriegs insgesamt 84 Deckungsgräben errichtet wurden, von denen nur fünf erhalten geblieben sind. Rechnerisch fand nur jeder fünfte Einwohner Platz in einem dieser Deckungsgräben, was die prekäre Situation der Zivilbevölkerung verdeutlicht.
Die Stadt Delmenhorst wurde zwar nicht von großflächigen Luftangriffen heimgesucht, jedoch ereignete sich am 8. Oktober 1943 ein Bombenangriff, der 79 Luftkriegsopfer forderte. Die Lage Delmenhorsts in der Einflugschneise der Alliierten auf dem Weg nach Bremen machte die Stadt zu einem Angriffsziel. Während des Krieges entstanden mindestens 193 verbunkerte Luftschutzanlagen im Stadtgebiet, darunter diverse massive Deckungsgräben, Rundschutzbauten und mehrere Tausend LS-Keller. Die Caspari-Kaserne und die Nähe zur Boelcke-Kaserne trugen zur Gefährdung der Stadt bei.
Erhalt und Bedeutung der Anlagen
Die Entdeckung des Deckungsgrabens erfolgte 2018 durch Norbert Boese, der einen Artikel über die Bunkeranlagen veröffentlichte. Daraufhin wurde 2019 beschlossen, diesen Ort zu einer Gedenkstätte zu transformieren. Heute dient eine der erhaltenen Anlagen auf der Burginsel als Fledermausquartier und erinnert an die kriegsbedingten Schutzmaßnahmen. Diese historischen Stätten sind nicht nur Zeugnisse der damaligen Zeit, sondern auch wichtige Orte des Gedenkens und der Aufklärung für die zukünftigen Generationen.
Insgesamt sind in Delmenhorst noch mindestens fünf massive, baugleiche betonierte Deckungsgräben sowie mehrere Schutzräume in Adelheide erhalten. Diese Anlagen bieten einen Einblick in die Lebensbedingungen während des Krieges und die verzweifelten Versuche der Zivilbevölkerung, sich vor den Gefahren des Luftkriegs zu schützen. Die Gedenkstätte am Annenheider Bahnhof ist ein wichtiger Schritt, um die Erinnerung an diese Zeit wachzuhalten und die Lektionen der Geschichte an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben.