In den letzten Jahren hat die Sensibilisierung für sexuelle Übergriffe in Schwimmbädern stark zugenommen. Besonders in niedersächsischen Schwimmbädern gab es im Jahr 2025 laut Landeskriminalamt 105 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Auch wenn in den Bädern der Stadtbad Braunschweig GmbH nicht viele Übergriffe gemeldet wurden, zeigt ein Vorfall im Sommer 2024, dass das Thema von großer Bedeutung ist. Ein 15-Jähriger soll ein 12-jähriges Mädchen in einer Umkleide sexuell missbraucht haben. Um solchen Vorfällen entgegenzuwirken, hat die Stadtbad Braunschweig GmbH eine neue Kampagne ins Leben gerufen, die auf sexuelle Übergriffe aufmerksam machen soll.
Diese Kampagne umfasst Plakate im Umkleide- und Schwimmbereich, die Badegäste sensibilisieren und dazu ermutigen, sich bei Übergriffen an das Personal zu wenden. Antje Wingert vom Kinderschutzbund hat sich aktiv an der Schulung von 120 Mitarbeitenden des Bäderpersonals beteiligt, um diese für das Thema zu sensibilisieren. Die Schulung zielt darauf ab, dass die Mitarbeitenden lernen, Situationen richtig einzuordnen – seien es unangenehme Komplimente in der Sauna oder das Filmen mit Handys und Kameras in Umkleiden, was ein großes Problem darstellt.
Aufmerksamkeit und Verantwortung
Tobias Groß, der Geschäftsführer der Stadtbad Braunschweig GmbH, betont die Wichtigkeit, betroffenen Personen zunächst Aufmerksamkeit zu schenken. Je nach Schwere des Vorfalls können Hausverbote ausgesprochen oder die Polizei eingeschaltet werden. Die Kampagne zur Bekämpfung sexueller Gewalt wurde von einem Kölner Schwimmbad übernommen und dafür wurde ein niedriger fünfstelliger Betrag investiert. Auch die DLRG-Rettungsschwimmer werden in der Prävention von sexualisierter Gewalt ausgebildet. Vania Haase von der DLRG ruft die Badegäste dazu auf, aufmerksam zu sein und Verantwortung zu übernehmen.
Die Fallzahlen von sexualisierter Gewalt steigen zwar nicht, jedoch wird mittlerweile mehr hingeschaut, was als positiv angesehen wird. Dies könnte auch an der Schaffung einer „Kultur der Aufmerksamkeit“ liegen, die von der DLRG gefördert wird. Diese Organisation möchte Übergriffe verhindern und aufarbeiten und hat ein Netzwerk von Ansprechpersonen eingerichtet. Betroffene, egal ob verbal oder körperlich, werden ermutigt, sich an die DLRG zu wenden, die Unterstützung und Intervention in solchen Fällen anbietet.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Im Kontext der Bekämpfung sexualisierter Gewalt ist auch die rechtliche Seite von Bedeutung. Ein Rechtsgutachten von Dr. Thomas Summerer beleuchtet die Möglichkeiten zum Lizenzentzug, wenn Lizenzinhaber gegen die Rahmenrichtlinien des DOSB verstoßen. Passend dazu hat Prof. Dr. Cherkeh eine gutachterliche Stellungnahme zur Notwendigkeit eines lizenzbezogenen Strafenkatalogs bei Fehlverhalten von Lizenzinhabern erarbeitet. Beide Gutachten ergänzen sich und sind Teil einer umfassenden Diskussion über die Weiterentwicklung des Lizenzsystems in der DOSB-Lizenzausbildung. Diese Diskussionen werden in naher Zukunft auch eine Task-Force zur Entwicklung einer Strategie umfassen.
Insgesamt zeigt sich, dass die Bemühungen zur Prävention und Aufklärung über sexuelle Übergriffe in Schwimmbädern und darüber hinaus zunehmen. Mit der Unterstützung von Organisationen wie der DLRG und dem Engagement von örtlichen Akteuren wird ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Sicherheit für alle Badegäste unternommen. Die Verantwortung liegt dabei nicht nur bei den Mitarbeitenden, sondern auch bei jedem Einzelnen, aufmerksam und solidarisch zu handeln.