Die Raupe des Eichenprozessionsspinners (ESP) hat sich im Landkreis Aurich und Umgebung in den letzten Jahren wie ein Ungeheuer aus einem Horrorfilm ausgebreitet. Wer in diesen Tagen durch die Wälder und Fluren streift, könnte auf diese kleinen, aber gefährlichen Geschöpfe treffen. Ihre Brennhaare, gespickt mit Nesselgift, haben es in sich und können Haut, Augen und Atemwege irritieren. Wenn Jan Fuchs, Regionalgeschäftsstellenleiter des Naturschutzbundes (Nabu) Ostfriesland, vor der Gesundheitsgefahr warnt, dann sollte man besser aufhorchen.

Im Landkreis Leer wurden 2022 rund 140 Sichtungen der gefürchteten Raupe gemeldet. Besonders der Süden, mit Orten wie Bunde, Weener und Rhauderfehn, scheint betroffen zu sein. Aber auch das Ihler Meer ist nicht verschont geblieben. Der erste Befall im Landkreis Aurich wurde 2024 in der Gemeinde Großefehn an der K 106 festgestellt. Ein Jahr später, 2025, war die Situation noch gravierender. Meldungen über befallene Kreisstraßen, insbesondere in Großefehn, Ihlow und Südbrookmerland, häuften sich. Die K 101, K 107, K 111, K 137, K 113, K 125, K 127 und Wiegboldsbur sind nur einige der Straßen, die betroffen sind.

Gefahr im Anmarsch

Die Saison für die Raupe dauert von April bis August, und die Hochrisikophase ist das dritte Raupenstadium, das von Anfang Mai bis Ende Juli reicht. Nester dieser kleinen Plagegeister können jedoch ganzjährig gefährlich sein. Wichtig ist es, Abstand zu befallenen Bäumen zu halten und Sichtungen unverzüglich zu melden. Und wenn man doch mal mit den Brennhaaren in Kontakt kommt, heißt es: gründlich duschen und die Kleidung bei mindestens 60 Grad waschen. Der Arztbesuch ist ratsam, wenn nach dem Kontakt Beschwerden auftreten.

Eine interessante präventive Maßnahme, die dem Eichenprozessionsspinner das Leben schwer machen könnte, ist das Aufhängen von Nistkästen für Blaumeisen. Diese kleinen gefiederten Freunde haben eine Vorliebe für die Raupen und könnten helfen, den Bestand in Schach zu halten. Bei einem Befall werden Warnschilder aufgestellt, und die Nester mit speziellen Saugern entfernt, wobei stark frequentierte Bereiche Priorität haben.

Verschiedene Kampfstrategien

Der Eichenprozessionsspinner kann nicht nur Bäume schädigen, sondern auch eine ernsthafte Bedrohung für die menschliche Gesundheit darstellen. Dies bedeutet, dass unterschiedliche Regelungen für seine Bekämpfung in Kraft sind. Zum Schutz der Eichen gelten die Vorschriften der Pflanzenschutzmittel-Verordnung, während die Bekämpfung zum Schutz der Gesundheit unter die Biozid-Verordnung fällt. Hierbei ist Vorsicht geboten: Bekämpfungsmaßnahmen sollten nur von professionellen Anwendern durchgeführt werden.

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Die Methoden zur Bekämpfung sind vielfältig: chemisch, biologisch, mechanisch oder thermisch. Die mechanische Bekämpfung umfasst das Absaugen und Entsorgen der Gespinstnester, was ab dem dritten Larvenstadium möglich ist. Thermische Bekämpfung bringt heißes Wasser oder Heißschaum in die Nester, um die Raupen abzutöten. Aber Achtung, ungeschütztes Abflammen oder Fällen von Bäumen könnte die Brennhaare in der Umgebung verteilen und somit die Gefahr erhöhen.

Biologische Mittel, wie Fadenwürmer (Nematoden), können ebenfalls hilfreich sein, sie sind speziell darauf ausgelegt, die Raupen zu dezimieren. Bei starkem Befall wird geraten, die örtlichen Gesundheits-, Forst- oder Pflanzenschutzämter oder professionelle Schädlingsbekämpfer zu kontaktieren.

Ein schmaler Grat zwischen Natur und Mensch

Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners erfolgt nicht ohne Grund. Der Schädling überwintert in Eiern und schlüpft meist Anfang April, durchläuft sechs Larvenstadien bis zur Verpuppung Mitte Juni. Ab dem dritten Larvenstadium wird es gefährlich, denn dann setzen die Raupen ihre schmerzhafte Verteidigung in Form von Brennhaaren ein. Diese können zu Juckreiz, Hautreizungen und in seltenen Fällen sogar zu allergischen Schockreaktionen führen. Die Brennhaare verwehen leicht und alte Larvenhäute können über Jahre an den Bäumen haften bleiben.

Die Bekämpfung ist also ein Balanceakt. Wenn der Eichenprozessionsspinner die Eichenbestände oder die Bürger gefährdet, sind Maßnahmen notwendig. In der Regel sind diese jedoch gut überlegt und erfolgen unter strengen Auflagen. In Siedlungsgebieten wird der Einsatz von Bioziden bevorzugt, wobei die Anwendung nur vom Boden aus stattfinden darf.

Die Natur hat ihre eigenen Regeln, und der Eichenprozessionsspinner ist Teil davon. Ein Grund mehr, sich über diese kleinen Ungeheuer zu informieren und sich entsprechend zu wappnen, um sowohl Mensch als auch Natur zu schützen.