In den letzten Wochen hat der Buckelwal „Timmy“ die Gemüter in Norddeutschland erhitzt. Vom Schicksal des Tieres, das nach tagelangen Vorbereitungen von einer privaten Initiative in die Nordsee gebracht wurde, gibt es viele Fragen – und noch mehr Spekulationen. Am 2. Mai wurde der Wal freigelassen, doch seitdem gibt es kaum gesicherte Informationen über seinen Gesundheitszustand. Ein besorgniserregendes Zeichen, wenn man bedenkt, dass Experten sich uneinig sind. Einige behaupten sogar, Timmy sei tot.
Am 10. Mai wehrten sich die Mitglieder der Schiffscrew gegen Vorwürfe, die Freilassung nicht ordnungsgemäß durchgeführt zu haben. Zuvor hatte ein Augenzeuge berichtet, dass der Wal rückwärts von der Barge in die Nordsee gerutscht sei. Das widerspricht den Vorwürfen, Seile verwendet zu haben, um das Tier zu befreien. Während Umweltminister Till Backhaus von der SPD auf Signale von Timmy setzt und glaubt, dass er am Leben ist, äußern andere Experten massive Zweifel an der Überlebensfähigkeit des geschwächten Wals. Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund schätzt, dass er wahrscheinlich tot ist, was jedoch von Backhaus zurückgewiesen wird.
Verwirrung um die Freilassung
Die Rettungsaktion selbst war offenbar nicht gerade ein Paradebeispiel für Organisation. Tierärztin Kirsten Tönnies berichtete von einem unordentlichen Ablauf und dass sie und andere Aktivisten vom Begleitschiff ausgeschlossen wurden. MediaMarkt-Mitgründer Walter Gunz kritisierte die Verantwortlichen scharf und sprach von Intransparenz. Auch das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern plant nun, klare Vorgaben für zukünftige Wal-Rettungsaktionen zu schaffen. Man kann sich fragen, wie es zu solchen Missständen kommen kann, wenn das Wohl eines so majestätischen Tieres auf dem Spiel steht.
Am 7. Mai forderte das Umweltministerium die private Initiative auf, GPS-Daten des Wals zu übermitteln. Diese Forderung bleibt jedoch bisher unbeantwortet, was die Besorgnis über Timmys Zustand nur verstärkt. Die Schiffscrew, die am Tag der Freilassung mit massiven Anfeindungen konfrontiert wurde, scheint die Aufregung um die Rettung des Wals nicht zu verstehen. Die ganze Situation hat einen schalen Nachgeschmack – wo sind die unabhängigen Überprüfungen und die Transparenz, nach denen viele rufen?
Kritik von Experten
Die Rettungsaktion wird auch von Fachleuten kritisch betrachtet. Der dänische Meeresbiologe Madsen hat das Vorgehen als „Tierquälerei und Geldverschwendung“ bezeichnet. Seiner Meinung nach war das Ziehen des Wals mit Gurten eine „unglaublich schlechte Idee“. Er äußert Bedenken über die Gesundheit des Wals, der zuvor vier Wochen in einer Bucht vor der Ostseeinsel Poel festgesteckt hatte. Madsen befürchtet, dass Timmy im offenen Meer nicht überleben kann. Die Tragik dieser Situation wird durch die schiere Größe des Wals – rund zwölf Meter lang und etwa zwölf Tonnen schwer – noch verstärkt.
Eine Rettungsaktion, die aus gutem Willen entstand, gerät nun in eine Abwärtsspirale aus Unklarheiten und Kritik. Der Wal wurde mit einem Lastkahn zur offenen See transportiert, und trotz der besten Absichten scheinen die Umstände alles andere als ideal gewesen zu sein. Es bleibt abzuwarten, ob wir jemals mehr über Timmy erfahren werden – oder ob diese Geschichte ein weiteres trauriges Kapitel in der Interaktion zwischen Mensch und Tier bleibt.