In der Stralsunder Stadtbibliothek gibt es am 4. Juni um 19 Uhr einen besonderen Abend. Die bekannte Autorin Gabriele Völsch wird aus dem Werk „Vaterländer“ des renommierten rumänischen Theater- und Filmschauspielers Sabin Tambrea lesen. Ein Buch, das die Geschichte von drei Generationen, zwei Ländern und einer Familie beleuchtet. Das klingt doch spannend, oder? Die Lesung findet im Rahmen der LesBar statt, einer tollen Kooperation zwischen der Stadtbibliothek Stralsund und dem Theater Vorpommern. Der Eintritt ist frei – also nichts wie hin!
Das Buch selbst behandelt die Ankunft in Deutschland Ende der 80er Jahre und die Herausforderungen, die ein Neuanfang in einem fremden Land mit sich bringt. Ein Thema, das viele Menschen anspricht, besonders in einer Zeit, in der Migration und Integration mehr denn je im Fokus stehen. Tambrea erzählt von den Lebensumständen während der Diktatur von Nicolae Ceaușescu in Rumänien, einer Zeit, in der viele Familien unterdrückt wurden – so auch Tambreas Großvater, der wegen seiner Überzeugungen ins Gefängnis und in Arbeitslager verurteilt wurde.
Familiäre Stärke in schweren Zeiten
„Vaterländer“ ist nicht nur ein Titel, sondern auch ein starkes politisches Statement. Es zeigt, wie wichtig familiäre Bindungen und die Stärke der Gemeinschaft waren, um durch schwierige Zeiten zu kommen. In einer Welt, in der viele Menschen aufgrund von politischen oder wirtschaftlichen Umständen ihre Heimat verlassen müssen, ist das Buch ein eindringliches Zeugnis von Verlust und Hoffnung.
Vor 1990 war Migration für rumänische Staatsangehörige unter der Diktatur von Nicolae Ceaușescu nahezu unbekannt. Die Beschaffung eines Reisepasses für die Ausreise war extrem schwierig, und das Land war stark isoliert. Die Rumän:innen hatten eine positive Einstellung gegenüber Ausländer:innen, was in der heutigen Zeit, in der viele Rumänen nach einem besseren Leben im Ausland suchen, einen interessanten Kontrast darstellt. Nach dem Sturz des Diktators begann der schwierige Übergang von Planwirtschaft zu Marktwirtschaft, was zu Inflation und Arbeitslosigkeit führte. Viele suchten ihr Glück außerhalb der Landesgrenzen – und das hat bis heute nicht nachgelassen.
Migrationsströme und ihre Auswirkungen
Die rumänische Diaspora zählt mittlerweile zu den größten weltweit. Schätzungen zufolge leben etwa 6 Millionen Rumän:innen im Ausland. Ein Großteil von ihnen sind Männer im erwerbsfähigen Alter, die vor allem in den Bereichen Bauwesen, Logistik und Dienstleistungen tätig sind. Diese Entwicklungen werfen interessante Fragen auf, nicht nur in Bezug auf die eigene Identität, sondern auch über das Verhältnis zu den neuen Heimatländern.
Die Einwanderungssituation in Rumänien hat sich in den letzten Jahren verändert. Immer mehr Menschen aus Drittländern suchen eine neue Perspektive. Ende 2023 lebten etwa 40 % der in Rumänien lebenden Einwander:innen aus Ländern wie Nepal, der Türkei und Syrien. Dennoch bleibt Rumänien ein Transitland für viele Asylsuchende auf ihrem Weg nach Westeuropa. Es ist bemerkenswert, wie sich die öffentliche Meinung zur Einwanderung entwickelt hat – während in anderen EU-Ländern die Diskussion oft hitzig geführt wird, zeigen sich die Rumän:innen eher gelassen. Lediglich 8 % sehen Einwanderung als großes Problem.
Die Lesung von Gabriele Völsch ist also nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern auch ein Spiegelbild gesellschaftlicher Veränderungen und Herausforderungen. Es wird spannend sein, zu hören, wie die Geschichten von Tambrea in den Worten von Völsch lebendig werden. Also, nicht vergessen: Am 4. Juni in der Stadtbibliothek Stralsund – ein Abend voller Geschichten, Emotionen und vielleicht dem ein oder anderen Nachdenken über die eigenen Wurzeln.